Bachs gesamtes Orgelwerk Müllers zweites Konzert zu Ehren der Orgel der Kreuzkirche

Peter Müller spielt Bachs "8 kleine Präludien" an der Flentrop-Orgel der Lingener Kreuzkirche assistiert von Petar Sokacic. Foto: Peter LöningPeter Müller spielt Bachs "8 kleine Präludien" an der Flentrop-Orgel der Lingener Kreuzkirche assistiert von Petar Sokacic. Foto: Peter Löning

Lingen. Bei schönstem Frühlingswetter konnte am Sonntag der Zeitumstellung Kirchenkreiskantor Peter Müller so manchen interessierten Orgelfreund zu einem rund einstündigen Konzert in die Lingener Kreuzkirche locken. Es ist dies die Nummer zwei in seinem umfassenden Orgelzyklus mit Musik von Johann Sebastian Bach.

Die wunderschöne Orgel der Kirche feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. Sie wurde 1959 von der Niederländischen Firma D. A. Flentrop gebaut. Um das zu feiern hat Peter Müller diesen Zyklus angesetzt, der sich in 16 Konzerten noch über das ganze Jahr hinaus erstrecken wird und Bachs komplettes Orgelwerk zum Klingen bringt.

Nebenbei erwähnt sei, dass der 31. März, der Konzerttag, in verschiedenen Quellen auch als Geburtstag Johann Sebastian Bachs angegeben wird (mit Bezug auf den einst eingeführten gregorianischen Kalender).

Ausgabe zwei dreht sich um „8 kleine Präludien und Fugen“ (BWV 553-560). Um 1702 vom gerade 17-jährigen Bach komponiert, sind diese Stücke heute fester Bestandteil der Orgelausbildung und wichtige Schulstücke für einen jeden angehenden Organisten. Dabei klingen hier sicherlich keine Schulmeisterstücke, nichts Etüdenhaftes. Bach zeigt sich bereits in jungen Jahren als großer Meister der Komposition und so sind diese Werke in ihrer Kürze durchweg überaus hörenswerte, mit Spannung zu verfolgende Musik, komplex, vielgestaltig und erhaben.

In den Händen von Peter Müller ist es eine Lust, diesen zu lauschen. Arbeitet er doch mit großem Geschick die unterschiedlichen Charaktere der Stücke heraus und führt mit großer Transparenz und Gespür für die Registrierung der Orgel sein Publikum sehr angenehm in die „musikalische Gedankenwelt der Barockzeit“, wie er es nennt.


Die Orgel der Lingener Kreuzkirche wurde vor 60 Jahren von der Firma D. A. Flentrop gebaut. Foto: Peter Löning


Mit jugendlicher Frische in C-Dur beginnend fällt auf, dass die Folge der Stücke in ihren Tonarten aufsteigend die Diatonischen Leiter durchschreiten mit einem steten Wechsel von Dur und Moll. Dabei gibt der hilfreiche Programmzettel zu den einzelnen Werken kurze charakterliche Hilfestellungen, was den Hörgenuss sehr  unterstützt. Man findet Güte und Mütterlichkeit, Stärke, Geduld und Wendigkeit und landet schlussendlich feierlich in einer „Hamonieschmiede“. Leider hört man diesen Zyklus viel zu selten, ist es doch hervorragende Musik.

Gerahmt ist das alles mit interessanten Einzelwerken aus Bachs Œuvre. So ist da ein scheinbar in sich selbst verirrendes „Kleines harmonisches Labyrinth (BWV 591). Stets finden sich unerwartete harmonische Wege und Wendungen. Eindrucksvoll auch das „Pedal-Exercitium g-Moll (BWV 578), das mit so beachtlicher Virtuosität allein mit den Füßen gespielt wird.

Ein alles in allem beglückendes und bereicherndes Konzert und eine großartige Leistung vom Organisten Peter Müller, der dieses Mal auch eine Zugabe anhängte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN