Im Emsland und der Grafschaft Zahl der Verkehrsunfälle so niedrig wie noch nie zuvor

Sie stellten die Verkehrsunfallstatistik vor (von links): Kriminaloberrat Klaus Albers, Erster Polizeihauptkommissar Franz-Josef Göcke, Polizeikommissarin Heike Berding, Polizeidirektorin Nicola Simon, Polizeihauptkommissar Klaus Hackmann und Polizeihauptkommissar Klaus Wermeling. Foto: Wilfried RoggendorfSie stellten die Verkehrsunfallstatistik vor (von links): Kriminaloberrat Klaus Albers, Erster Polizeihauptkommissar Franz-Josef Göcke, Polizeikommissarin Heike Berding, Polizeidirektorin Nicola Simon, Polizeihauptkommissar Klaus Hackmann und Polizeihauptkommissar Klaus Wermeling. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Die Zahl der Verkehrsunfälle ist auf dem niedrigsten Stand, seit die Polizei eine entsprechende Statistik führt. Dies hat Polizeidirektorin Nicola Simon, Leiterin der Polizeiinspektion (PI) Emsland/Grafschaft Bentheim bei der Vorstellung der Zahlen für 2018 festgestellt. Doch Problembereiche gebe es nach wie vor.

9335 mal hat es 2018 im Emsland und der Grafschaft Bentheim gekracht. Bei 1522 dieser Unfälle gab es Leicht- und bei 479 Schwerverletzte. Bei 18 Unfällen sind Menschen auf den Straßen im Bereich der PI 2018 gestorben. "Jedes Unfallopfer ist eines zu viel", betonte Simon und kündigte weitere Maßnahmen der Polizei an. Polizeihauptkommissar Klaus Hackmann nannte die Hauptunfallursachen der Unfälle mit tödlich Verletzten: "Je fünf mal spielten Ablenkung oder nicht angepasste Geschwindigkeit und drei mal Alkohol eine Rolle." Häufigste Unfallursachen allgemein seien Unachtmerksamkeit, Vorfahrtsmissachtung und das Linksabiegen.


Bagatellunfälle auf den Autobahnen

Einen kontinuierlichen Anstieg der Unfallzahlen von 458 im Jahr 2014 auf 592 im Jahr 2018 verzeichnet die Polizei auf den Autobahnen 30 und 31. Erster Polizeihauptkommissar Franz-Josef Göcke von der Autobahnpolizei führt dies auf eine steigende Zahl von Baustellen zurück. Bei der Einfahrt in diese käme es häufig zu Bagatellunfällen. Kriminaloberrat Klaus Albers führte in diesem Zusammenhang die auf 2355 gestiegene Zahl der Unfallfluchten an: "Oftmals werden Baken umgefahren oder Leitplanken weggedrückt." Göcke erklärte, es gebe kaum Chancen, solche Unfallfluchten afu der Autobahn aufzuklären. Dies sei auch der Grund dafür, dass die Aufklärungsquote von rund 39,4 Prozent erstmals seit fünf Jahren wieder unter 40 Prozent gesunken sei.

Fahranfänger und Senioren sind häufig Hauptverursacher tödlicher Unfälle. Quelle: Polizeiinspektion Emsland / Grafschaft Bentheim, Foto: dpa · Grafik: NOZ/Heiner Wittwer


Sorgen bereitet den Beamten der Anteil von Fahranfängern (18 bis 24 Jahre) und Senioren (ab 65 Jahre), der als Hauptverursacher von tödlichen Unfällen gilt. "Bei den Fahranfängern beträgt er 15,2 und bei den Senioren 15,6 Prozent", sagte Hackmann. Gestiegen ist die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern, Pedelecs und E-Bikes von 786 (2017) auf 834. Einer dieser Unfälle endete tödlich, bei 153 davon gab es Schwerstverletzte. Den Anstieg erklärt Hackmann mit den steigenden Verkaufszahlen und der zunehmenden Beliebtheit von Pedelecs auch bei jüngeren Personen.

Dem Wild nicht ausweichen

Jeder fünfte Unfall im Bereich der PI ist laut Hackmann ein Wildunfall. 1923 mal kam es 2018 zu einer polizeilich erfassten Kollision von Mensch und Tier. "Dabei sind die Fälle, die nur über die Jagdpächter geregelt worden, noch nicht erfasst", bezeichnete Hackmann die Zahl als "nicht abschließend". Untersuchungen hätten ergeben, dass Reflektoren am Straßenrand nicht die gewünschte Wirkung zeigten. Hackmann gab Autofahrern einen Tipp: Draufhalten! Bei 20 Versuchen, Wild auszuweichen, habe es zwölf Unfälle mit Leicht- und acht mit Schwerverletzten gegeben.

Zahl der Baumunfälle rückläufig

Während bei sogenannten Baumunfällen ein genereller Rückgang zu verzeichnen ist, bleibt die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss mit 208 auf einem konstant hohen Niveau. "Jeder fünfte davon wird von 18- bis 24-Jährigen versucht", sagte Hackmann. Die Zahl der folgenlosen Fahrten unter Alkohol- und Drogeneinfluss ist auf 1304 gestiegen: "Wir erhöhen hier den Druck und setzen mehr Personal und Stunden für Kontrollen ein", betonte Kriminaloberrat Albers. Zudem hat die Polizei bei in Absprache mit den Landkreisen durchgeführten Geschwindigkeitskontrollen 2018 insgesamt 29109 Verstöße festgestellt.

Verschiedene Präventionsmaßnahmen

 Polizeihauptkommissar Klaus Wermeling führte verschiedene Präventionsmaßnahmen zur Unfallverhütung an. Unter anderem nannte er den Motorradfahrerstammtisch: "ieser besteht seit zehn Jahren und wir haben damit rund 5000 Motorradfahrer erreicht." Zusätzlich zu mehreren altersübergreifenden Angeboten und dem Fernfahrerstammtisch möchte Wermeling zukünftig einen Schwerpunkt der Prävention auf das Thema "Ablenkung als Unfallursache", und hier insbesondere die Handynutzung, legen. Zahlen der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim belegten, dass die Zahl der Ordnungswidrigkeiten in diesem Bereich von 810 (2016) auf 2146 (2018) gestiegen sei.


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