Weitere Verstärkung geplant Schachverein Lingen schafft Durchmarsch in 1. Bundesliga

Spielführer Heiko Schlierf (links) und Vorsitzender Christian Möller freuen sich auf die kommende Saison des Schachvereins Lingen in der 1. Bundesliga. Foto: Wilfried RoggendorfSpielführer Heiko Schlierf (links) und Vorsitzender Christian Möller freuen sich auf die kommende Saison des Schachvereins Lingen in der 1. Bundesliga. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Lingen ist erstklassig, zumindest im Schach: Die Erste Mannschaft des Schachvereins Lingen ist erneut aufgestiegen. Nach dem Sprung aus der Oberliga in die 2. Bundesliga im vergangenen Jahr hat das international besetzte Team jetzt den Traum von der 1. Bundesliga verwirklicht.

"In der viergleisigen 2. Bundesliga haben wir die ersten fünf Spiele verlustpunktfrei absolviert und damit zunächst den Klassenerhalt gesichert", blickt Spielführer Heiko Schlierf auf die Zweitligasaison zurück. In der ersten Spielrunde sei die Mannschaft spielfrei gewesen. "Deswegen mussten wir der Konkurrenz bis zur sechsten Runde hinterherlaufen. Dann haben wir sie eingeholt." Am 24. März ging es am letzten Spieltag gegen den Tabellenzweiten Schachfreunde Berlin. "Doch die hatten einen Tag vorher schon gegen den Dritten SK König Tegel verloren. Damit stand die Meisterschaft für uns fest", sagt Schlierf. Trotzdem nahmen die Lingener das Spiel nicht auf die leichte Schulter, sondern siegten gegen die Berliner deutlich mit 6,5:1,5. "Damit sind wir von allen vier Aufsteigern aus den Zweiten Ligen der Beste", erklärt Schlierf.

Koop kehrt zu Heimatverein zurück

Vor der letzten Saison hatte der Lingener Spielführer einen Platz im oberen Tabellendrittel als Ziel ausgegeben. Und jetzt, nach dem Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse? "Der Präsident des Kreissportbundes Michael Koop erwartet den Titel von uns", scherzt Schlierf. Kein Wunder, kehrt doch Koops 22-jähriger Sohn und Internationale Meister Thorben von der Erstligamannschaft des SV Werder Bremen zurück zu seinem Heimatverein nach Lingen. "Wir werden uns noch weiter verstärken", kündigt Schlierf an. Namen dürfe er jedoch noch nicht nennen.

Mannschaft bleibt zusammen

Mit der aktuellen Mannschaft hält Schlierf Platz 10 in der aus 16 Vereinen bestehenden 1. Bundesliga für möglich. "Mit Verstärkung ist durchaus mehr drin", gibt sich der Spielführer des SV Lingen optimistisch. Spieler wie die aus Serbien stammenden Großmeister (GM) Milos Perunovic, Danilo Mianovic und Ivan Ivanisevic blieben der Mannschaft ebenso erhalten wie GM Vladimir Epishin aus Wismar und der Lingener GM Lev Gutmann. Der Internationale Meister Radoslav Gajek aus Wien wird weiter für die Lingener antreten, ebenso Fidemeister Zyon Kollen aus Enschede und GM Felix Levin, der von der Mülheimer Erstligamannschaft nach Lingen gewechselt ist.

Großmeister und Co.

Die Meistertitel im Schach
Für die Anerkennung der Titel Großmeister, Internationaler Meister und Fidemeister ist der Weltschachverband Fédération Internationale des Échecs (Fide) zuständig. Er vergibt diese Titel nach einem Wertungspunktesystem, das auf den Erfolgen bei offiziellen Turnieren beruht. Die Anzahl der erreichbaren sogenannten Elo-Punkte, je nach Platzierung, ist dabei abhängig von der Spielstärke der jeweiligen Gegner. Für den Titel Großmeister müssen Männer 2500 Punkte, für den Titel Internationaler Meister 2400 und für den Titel Fidemeister 2300 Punkte erreichen. Bei Frauen liegt die erforderliche Punktzahl jeweils um 200 niedriger. Sie führen dann den Titel mit dem Zusatz „W“ (engl. Woman für Frau). Sie können die Titel ohne diese Zusatzbezeichnung führen, wenn sie den für Männer vorgesehenen Punktestand erreichen. Die Spielstärke von Frauen und Männern ist anhand des Punktestandes absolut vergleichbar. Dies bedeutet, dass eine Frau mit höherem Elo-Punktestand als ein Mann auch besser spielt als dieser. Die einmal vergebenen Titel dürfen lebenslang geführt werden.


16 Spieler kann Schlierf für die Ende Oktober/Anfang November beginnende Erstligasaison melden. "Plus zwei U-20-Spieler, die dem deutschen Jugendkader angehören", fügt er hinzu. Und in der Jugend sieht der Schachverein Lingen auch seine Zukunft. Mit der erst 19-jährigen Frauen-Fide-Meisterin Jovana Miljkovic hat in der 2. Bundesliga in der Partie gegen den Hamburger SK ein junges Talent für die Lingener am Brett gesessen. "Mit ihrem Remis hat sie dort sehr wichtige 0,5 Punkte für uns  geholt", lobt Schlierf die Nachwuchsspielerin. Überhaupt hat der SV Lingen im Jugendbereich viel vor. "Kurzfristig wollen wir im Mai mit Spielern aus Lingen und der Region die Jugend-Bundesliga erreichen. Langfristig möchten wir in Lingen einen Leistungsstützpunkt für die Schachjugend aufbauen", erklärt Schlierf.

Hoffen auf Unterstützung aus Wirtschaft und Politik

Für die kommende Bundesligasaison der Ersten Mannschaft schätzt Schlierf den Etat auf 20.000 bis 40.000 Euro. "Die bundesweiten Fahrten, unter anderem nach München, Baden-Baden und Dresden, sowie die damit verbundenen Übernachtungs- und Verpflegungskosten werden den größten Teil ausmachen", sagt Vorsitzender Christian Möller. Sponsoren seien willkommen. "Wir hoffen, die Kosten auf viele Schultern verteilen zu können." Auch die Unterstützung aus der Politik ist gefragt: "Wir würden gerne einen Großspieltag in Lingen ausrichten, beispielsweise in Halle IV oder den Emslandhallen", sagt Schlierf. "Dafür hoffen wir auf Unterstützung durch die Stadt." Möller betont die finanzielle Unterstützung durch die Sporthilfe Emsland: "Ohne deren jahrelange Hilfe wäre unser hohes Niveau im Jugendbereich nicht erreichbar gewesen:"

Weitere Informationen gibt es bei Christian Möller, Tel. 0591/1626815 oder auf www.sv-lingen.de.


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