Im Lingener Krankenhaus operiert Nach erfolgreicher Magenkrebs-OP: Rudolf Ulitze schaut nach vorn

Patient Rudolf Ulitze mit Ehefrau Gudrun und Enkelin Mareike bei der Verabschiedung aus dem Bonifatius-Hospital mit Chefarzt Daniel Palmes, Stationsärztin Deborah Dürksen und Onkologe Eiad Ibrahim. Foto: Bonifatius-HospitalPatient Rudolf Ulitze mit Ehefrau Gudrun und Enkelin Mareike bei der Verabschiedung aus dem Bonifatius-Hospital mit Chefarzt Daniel Palmes, Stationsärztin Deborah Dürksen und Onkologe Eiad Ibrahim. Foto: Bonifatius-Hospital

Lingen. Magenkrebs. Rudolf Ulitze hatte ein Gefühl, als ob ihm der Boden unter den Füßen weggezogen würde, nachdem er im November 2018 die Diagnose bekommen hatte. Seiner Ehefrau Gudrun – die Familie kommt aus Haren – ging es nicht anders. Heute schauen beide zuversichtlich nach vorn. Daniel Palmes und Eiad Ibrahim haben einen großen Anteil daran.

Professor Palmes ist Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie (Chirurgie des Bauchraumes) im Lingener Bonifatius-Hospital, sein Kollege Ibrahim Chefarzt für Hämatologie und Onkologie (Behandlung von Krebs). Der gebürtige Syrer war zuletzt Leitender Oberarzt in einem Klinikum in NRW, Palmes Leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Münster. 

Ein Blick zurück auf den November 2018. Der 71-jährige Ulitze verspürt leichte Magenschmerzen. "Wenn ich etwas aß, gingen die Schmerzen weg, kamen dann aber wieder", erzählt der Harener. Es sei so eine Art Aufstoßen gewesen – "und ein Gefühl im Magen, das da nicht hingehört."

Ulitze nimmt diesen Zustand nicht einfach so hin. Er ruft auch nicht "Dr. Google" am Computer an und besorgt sich keine Tabletten, sondern macht das Richtige: Der Rentner lässt sich einen Termin bei seinem Internisten in Haren geben. Dieser ordnet eine Magenspiegelung mit entsprechender Gewebeentnahme an.

"Das war ein Schock"

Dann kam die Diagnose: Magenkrebs. "Das war ein Schock, das hat mich ziemlich umgehauen", beschreibt Ulitze seine damalige Gefühlslage. Die Gefühle seiner Frau decken sich mit seinen: "Da hat man gute und schlechte Gedanken", fasst sie mit anderen Worten zusammen, dass die Diagnose Krebs und deren Behandlung eine existenzielle Lebens- und Überlebensfrage ist.

Darum wissen natürlich auch die beiden Ärzte Palmes und Ibrahim. "Die Diagnose Krebs ist eine Nachricht, die das Leben von Jetzt auf Gleich verändert", sagt Chirurg Palmes. Richtig sei aber auch: Durch zielgerichtete Behandlungs- und Operationsmethoden sowie Präventionsmaßnahmen, wenn es zum Beispiel um das Erkennen von Gendefekten als Auslöser von Tumoren geht, sei mittlerweile vieles möglich. "Krebs ist heute nicht mehr automatisch ein Todesurteil, viele Patienten mit Krebserkrankungen können noch sehr lange weiterleben", betont der gebürtige Paderborner. Natürlich habe nicht jeder, der über Sodbrennen klage, gleich Krebs, erläutert Palmes. Dennoch sei es wichtig, wie es Rudolf Ulitze getan habe, mit seinem Hausarzt Rücksprache zu halten. "Sie haben ein gutes Auge dafür", unterstreicht Palmes und lobt die gute Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Krankenhaus.

Symptome nicht eindeutig

Ein Magentumor verursacht nach Angaben von Ibrahim und Palmes vor allem im Anfangsstadium häufig keinerlei spezifische Beschwerden. "Deshalb erfolgt die Diagnosestellung oft erst in einem weiter fortgeschrittenen Krankheitsstadium", so Onkologe Ibrahim. Und die Symptome sind nicht eindeutig. Dies können länger andauernde Oberbauchschmerzen sein, die von einem Druck- und Völlegefühl begleitet sind. Aber auch Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Brechreiz sowie Schluckbeschwerden. Weitere Zeichen der Krebserkrankung können Abgeschlagenheit, Schwäche, Müdigkeit und Blässe sein. "Auch für Magenkrebs gilt: Je früher behandelt, desto besser sind die Heilungschancen", hebt Chirurg Palmes hervor.

Tumorkonferenz

Nach der Diagnose bei Rudolf Ulitze war schnell der Kontakt zum Bonifatius-Hospital hergestellt. In der sogenannten Tumorkonferenz legten die Fachärzte in Absprache mit dem Harener die individuell abgestimmte Therapie fest. "Alleine als Onkologe kann ich nichts machen, der Chirurg aber auch nicht", unterstreicht Chefarzt Ibrahim die Bedeutung dieses fachübergreifenden Zusammenspiels.


Ambulante medikamentöse Tumortherapien werden im MVZ Onkologie unter der Leitung von Chefarzt Eiad Ibrahim in den Räumlichkeiten in der Mühlentorstraße 21-23 in Lingen durchgeführt. Foto: Bonifatius-Hospital


Ulitze hat vier Chemotherapien vor der Operation hinter sich und auch die OP selbst erfolgreich überstanden. Professor Palmes hatte dem Harener einen Teil des Magens entfernt und mittels einer Darmschlinge umgebaut. "Ich konnte einen Teil des Magens erhalten", erläutert der Chirurg. "Eine gute Lebensqualität zu erhalten, das ist unser Ziel", erklärt der Chefarzt.Nun folgen weitere vier Chemotherapien, die ambulant im Medizinischen Versorgungszentrum des Bonifatius-Hospitals durchgeführt werden.

 "Unser Therapieziel bei Herrn Ulitze ist die Heilung", betont Chefarzt Ibrahim. Gleichwohl spricht er von einem "steinigen Weg" für den Harener. Viermal Chemotherapie vor der Operation, um den Tumor zu verkleinern und einzugrenzen, danach die Operation und anschließend wieder viermal Chemotherapie: Das verlangt physisch und psychisch sehr viel ab von dem 71-jährigen. Bei Magenkrebs sei die Chemo derzeit noch alternativlos, so der Onkologe. Die Forschung entwickele aber weitere Therapiekonzepte wie die Immun- oder Antikörpertherapie, die unter Umständen wirksamer sind und weniger Nebenwirkungen haben. 

Ein Teil des Magens blieb erhalten

 Im Gespräch heben beide Mediziner die Bedeutung eines vertrauensvollen Verhältnisses zum Patienten hervor. "Ich finde es gut, wenn die Familie mitkommt, denn sie trägt diese Krankheit mit und spielt eine große Rolle bei der Unterstützung des Patienten", sagt Ibrahim. Auch Palmes schaut grundsätzlich vor einer Operation beim Patienten vorbei. So hat er es auch bei Rudolf Ulitze getan. "Wir haben uns vorher zweimal gesehen, Vertrauen aufbauen ist wichtig", sagt der Chirurg. "Ich möchte bei der OP keinen abgedeckten, sterilen Bereich eines Körpers vor mir liegen haben, ohne nicht am Vorabend dem Patienten die Hand gegeben und ihm in die Augen geschaut zu haben", betont Palmes.

Lob für die Ärzte

Rudolf und Gudrun Ulitze bestätigen dies. Beide Mediziner hätten sich viel Zeit genommen und alles in Ruhe erklärt, beschreiben sie den Aufenthalt und die Betreuung im Bonifatius-Hospital. Der 71-Jährige weiß, da die nächsten Chemotherapien anstehen, was auf ihn zukommt. "Jetzt kommt wieder diese Strecke", verweist Ulitze auf die medikamentösen Infusionen. "Übelkeit hatte ich nicht danach, es gibt inzwischen gute Medikamente", sagt er. Aber natürlich schlaucht ihn die Behandlung, sie macht müde, kaputt. Dann nimmt er sich zu Hause die Ruhe, die er braucht, unterstützt von seiner Frau. "Ich bin ganz optimistisch", sagt der Harener – und lächelt.



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