Konzert der „Neue Philharmonie Westfalen“ Großartige Klanggemälde aus Böhmen und Mähren im Lingener Theater

Von Peter Müller

Unter der Leitung des Gastdirigenten Roman Brogli-Sacher spielte die „Neue Philharmonie Westfalen“ im Lingener Theater. Foto: Peter MüllerUnter der Leitung des Gastdirigenten Roman Brogli-Sacher spielte die „Neue Philharmonie Westfalen“ im Lingener Theater. Foto: Peter Müller

Lingen. Die „Neue Philharmonie Westfalen“, das größte Landesorchester in Nordrhein-Westfalen mit Stammsitz in Gelsenkirchen, Recklinghausen und Kamen, brachte ein Konzertprogramm aus seiner laufenden Spielzeit mit nach Lingen in das Theater an der Wilhelmshöhe. Es wurde ein fantastisches Konzerterlebnis.

Unter der Leitung des Gastdirigenten Roman Brogli-Sacher, seit 2015 Chefdirigent des Jiangsu Symphony Orchestra in Nanjing/China (davor 15 Jahre in Lübeck tätig) erklangen Werke von Bedřich Smetana, Antonin Dvořák, Josef Suk und Leoš Janáček.

Ohne Programm

Sehr schade war, dass nur sehr wenige Konzertbesucher gekommen waren, dem hervorragenden Orchester hätte man ein volles Haus gewünscht. Schade war auch, dass aufgrund einer organisatorischen Panne den Zuhörern kein Programm an die Hand gegeben wurde, das wurde besonders nach der Pause bemerkbar, als die Zuhörer nach dem letzten in der Vorankündigung genannten Werk etwas ratlos reagierten, da noch eine 20-minütige Musik erklang, die niemand kannte. Wenigstens eine kurze Anmoderation hätte diese Panne beheben können. 

Preisgekrönter Cellist

Bereits die ersten satten Bläserklänge der Libusa-Ouverture von Smetana, der weiche Holzbläsersound, an eine Kirchenorgel erinnernd, und ein warmer Streicherklang nahmen die Zuhörer in ihren Bann.   Zu Dvořáks Konzert für Violoncello und Orchester gesellte sich noch der Solist Julian Steckel hinzu. Der mehrfach preisgekrönte junge Cellist, gefragter Solist und Hochschulprofessor in München (unter anderem 2012 mit dem ECHO-Klassik ausgezeichnet),  präsentierte sich in diesem vielschichtigen Werk als hingebungsvoller, brillanter Künstler mit lupenreiner Intonation. Gemeinsam mit dem Dirigenten, der ein gut durchhörbares Klangbild zauberte, gelang eine betörende Interpretation dieses herrlichen Werks. 

Nach der Pause folgte zunächst das „Scherzo fantastique“ von Josef Suk (Schwiegersohn von Dvořák), ein fantastischer und fantasievoller Walzer, ganz im Stile von Berlioz „Symphonie fantastique“, aber eben gefärbt mit tschechischer Folklore, das wieder einmal mehr zeigte, wie gut das Orchester und der Gastdirigent aufeinander eingespielt sind.

Zugabe zu lang

Von der musikalischen Wirkung her hätte dies durchaus das Ende des Konzerts sein können, deshalb wunderte es nicht, dass einige ungeduldige Zuhörer eine Zugabe erklatschen wollten. Was dann aber folgte, war aber für eine Zugabe doch zu lang, nämlich die fünfsätzige „Sinfonietta“ von Janáček, wie man nach Konzertende durch Nachschauen auf den Orchesterpulten nachlesen konnte. 

Quasi als Rückblende auf den Konzertbeginn erklang zunächst eine reine Blechbläserintrade im strahlend-glänzenden Sound, gefolgt von drei Tanzsätzen in abwechslungsreichen Klangmischungen sowie einem fulminanten Finale, eine wahre Klangorgie und damit ein würdiger Abschluss dieses rundum gelungenen Konzertabends.


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