Neues Konzept am Brunnenpark Lingener Genossenschaft Nord Wohnungsbau weist Vorwürfe zurück

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Lingen. Entmietung, Drohungen, bewusst hingenommener Sanierungsstau: Es waren schwere Vorwürfe, die den Vertretern von Nord Wohnungsbau im Planungs- und Bauausschuss der Stadt Lingen um die Ohren flogen. Dort wurde ein neues Konzept für ein Bauvorhaben der Genossenschaft am Brunnenpark im Strootgebiet vorgestellt.

Der in Lingen ansässige Wohnungsbaugenossenschaft gehören entlang der Adolfstraße und der Schützenstraße mehrere Häuser, die 1937 durch den Lingener Bau- und Sparverein errichtet wurden. Diese sind in die Jahre gekommen und die Genossenschaft will neu bauen. Deshalb sollen entlang der Adolfstraße zwölf Doppelhaushälften und entlang der Schützenstraße acht Doppelhaushälften abgerissen werden.

Viele Anwohner kamen

Nach ersten Planungen mit mehr Wohneinheiten auf diesen Flächen und Verhandlungen mit der Stadt stellte Stadtbaurat Lothar Schreinemacher eine neues Konzept für das Projekt vor. Das Interesse daran war groß: Etliche Anwohner waren gekommen, um sich zu äußern; ebenso Genossenschaftsvorstand Christian Luhm mit Vorstandskollegen sowie dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Genossenschaft, Wilhelm Knollenborg.

Grafik: Heiner Wittwer/NOZMedien; Foto: Richard Heskamp


Als "vernünftigen Kompromiss" bezeichnete Schreinemacher, worauf man sich mit der Genossenschaft nach der Bauvoranfrage geeinigt habe. Demnach sollen entlang der Adolfstraße zehn zweigeschossige Reihenhäuser entstehen. Neun von diesen sollen eine Wohnung beinhalten mit circa 100 bis 115 Quadratmetern. In einem der Häuser dürfen zwei Wohnungen (eine im Ober- und eine im Untergeschoss) eingerichtet werden. Ausgebaute Dachgeschosse sollen nicht erlaubt werden. Aussehen soll das ungefähr so:

Perspektive von der Adolfstraße. Quelle: ips Projekte/ Stadt Lingen


Ausgebaute Dachgeschosse soll es auch nicht entlang der Schützenstraße geben. Dort plant die Genossenschaft nun vier Gebäudekomplexe mit je drei zweigeschossigen Häusern. In jedem sollen zwei Wohnungen (jeweils ca. 60 bis 80 Quadratmeter) Platz finden. Die jeweils neun Parkplätze für diese vier Komplexe sollen sowohl von der Schützenstraße als auch vom Hanauerweg aus angefahren werden. Festgesetzt werden seitens der Stadt auch Vorgaben für Einfriedungen wie Hecken. Die Komplexe könnten so aussehen:

Perspektive von der Schützenstraße. Quelle: ips Projekte / Stadt Lingen


Eines städtebaulichen Vertrages bedürfe es nicht, antwortete Schreinemacher auf Nachfrage von Edeltraut Graeßner (SPD). Wenn es im Bauantrag seitens der Genossenschaft Änderungen gebe, dann werde es keine Genehmigung geben. Der Stadtbaurat ging von einem Umsetzungszeitraum von drei bis vier Jahren aus.

Bürgernahe Hüsken erschrocken über Genossenschaft

Heftige Kritik an dem Vorgehen der Genossenschaft im Zuge des Bauvorhabens äußerte Ausschussmitglied Margitta Hüsken (Bürgernahe). Ihrer Darstellung nach seien die bisherigen Mieter von der Genossenschaft massiv unter Druck gesetzt worden, damit sie ausziehen. Ihnen sei Geld dafür geboten worden ("6000 Euro") und auch seien sie bedroht worden. Die Genossenschaft hätte viel früher durch Sanierungen dafür sorgen können, dass die bisherigen Häuser in Schuss bleiben. Hüsken sprach in diesem Zusammenhang von "klassischer Entmietung" und fragte in Richtung der Genossenschaftsvertreter, wie hoch denn die Differenz zwischen bisheriger Miete und jener in den Neubauten sei.

Anwohner sehen Gentrifizierung

Kritik äußerten auch die Anwohner, die ihre Häuser im Hanauerweg zwischen den Flächen für die Neubauten haben. Während sie entlang der Adolfstraße durch das neue Konzept eine Verbesserung sahen, unterstützten sie Hüsken in den "Entmietung"-Äußerungen. Die Mieter der Genossenschaft würden bislang 300 Euro zahlen. Ein späterer Einzug in die Neubauten sei ihnen angeboten worden, aber ein Anwohner meinte: "Diese Wohnungen werden sie sich nicht leisten können." Er sprach von einer Gentrifizierung des Gebiets.

In anderen Städten, so war sich der Anwohner sicher, würden die jetzigen Häuser denkmalgeschützt. Dies habe man in der Vergangenheit mehrfach versucht, erläuterte Schreinemacher. Doch die Denkmalschutzbehörde sei dem nicht gefolgt, meinte der Stadtbaurat:

So schade es um die Häuser ist, aber wir haben keine Handhabe.


Sorge bereitete den Anwohnern des Hanauerweges das erhöhte Verkehrsaufkommen durch die Stellplätze der geplanten Häuser an der Schützenstraße. Von einer "Katastrophe" sprach ein Anwohner, von keiner Möglichkeit, dass zwei größere Autos aneinander vorbei kommen, ein anderer. Schreinemacher rechnete vor, dass man wohl über rechnerisch vier Autos in der Stunde spreche für den Hanauerweg, der auch einen Wendekreis hat. Er könne sich aber auch Stellplätze an der Stichstraße zur Schützenstraße vorstellen.

"Keiner der Mieter ist hier"

"Ganz viele Mutmaßungen" machte unterdessen Christian Luhm von Nord Wohnungsbau aus. Er bezeichnete das neue Konzept als sehr guten Kompromiss. Seine Genossenschaft wolle bezahlbaren Wohnraum schaffen, nur mit Einfamilienhäusern gehe das nicht. Mit den Mietern der Häuser, die abgerissen werden sollen, sei gesprochen worden. Diese würden sich auch nicht beschweren, meinte Luhm: "Keiner von ihnen ist jetzt hier." Bei den Beschwerden handele sich hingegen um Wunschvorstellungen von Leuten, die am Hanauerweg wohnen.

"Es ging bei manchen Wortbeiträgen nur ums eigene Interesse", meinte Edeltraut Graeßner (SPD). "Das alles immer so bleibt, wie es ist, geht nicht." Erklärter Wille von Stadt und Politik sei die Nachverdichtung – und das vorgestellte Konzept sei dabei ein guter Kompromiss.

Ins Bebauungsplan-Verfahren aufnehmen

Als akzeptabel bezeichnete auch Uwe Hilling für die CDU das Vorhaben der Genossenschaft. Die Befürchtungen zum Verkehrsaufkommen hielt er für nicht nachvollziehbar. Der Fraktionsvorsitzende betonte aber zugleich, dass die Christdemokraten darauf bestehen, die Festsetzungen für das jetzige Vorhaben ins laufende Bebauungsplan-Verfahren aufzunehmen, damit für andere Stellen im Quartier Klarheit herrscht.


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