Neues Zuhause für Pearly Familie Deutsch aus Haselünne mochte Pflegehund nicht mehr hergeben

Hund Pearly hat es bei Familie Deutsch in Haselünne richtig gut. Foto: Julia MauschHund Pearly hat es bei Familie Deutsch in Haselünne richtig gut. Foto: Julia Mausch

Haselünne. Eigentlich hätte der Hund Pearly wegen eines angeborenes Hüftleidens eingeschläfert werden sollen, doch das Tierheim in Lingen konnte das Tier dank einer großzügigen Spende operieren lassen. Bei Familie Deutsch in Haselünne hat Pearly ein liebevolles Zuhause gefunden.

Eine Pflegestelle für einen Tierheimshund ist an und für sich so definiert, dass eine Familie sich bereiterklärt, einen Hund, der aufgepäppelt werden muss, so lange zu betreuen, bis eine endgültige neue Heimat für das Tier gefunden ist. So zumindest lautet die Theorie. „Wir sind Pflegeversager“, lacht Familie Deutsch aus Haselünne. Diesen neckenden Kosename habe das Team vom Tierheim Lingen der dreiköpfigen Menschen- und mittlerweile auch (mindestens) dreiköpfigen Tierfamilie gegeben. Familie Deutsch möchte nämlich Black Pearl, einen ehemaligen rumänischen Straßenhund, nicht mehr abgeben.

Zuerst kam Jeff in den Haushalt

„Wir hatten immer Tiere, die sonst keiner mehr wollte“, erzählt Mutter Heike Deutsch. Zuerst sei Jeff in den Haushalt gekommen. Auch Jeff stammt aus Rumänien, und da er alt und nicht hübsch sei und daher als Statussymbol nicht tauge, habe er sehr lange im Tierheim verbleiben müssen. Der Kontakt zum Lingener Tierheim hatte sich aus einem Praktikum, das Tochter Melina in der neunten Klasse absolviert hat, ergeben. Jeff sei anfangs sehr schüchtern gewesen, habe im Schlaf geschrien, weil er Alpträume hatte. Das hat sich im Laufe der Zeit gegeben, und nun verbringt der Hundeopa seinen Lebensabend im Haus der Familie Deutsch. „Er soll es so gut haben, wie es irgend geht“, meint Heike.  

Hüftprobleme

Heike Deutsch ist eine Frau, die alles tut für ihre Tiere. Das spricht aus jedem ihrer Worte. „Was Tiere dir geben, das gibt dir kein anderer. Ein Hund liebt dich, wie du bist, egal, ob du dick oder hässlich bist oder eine Behinderung hast“, unterstreicht sie. Während ihrer Arbeit hat Melina, die inzwischen im Tierheim Lingen putzt, dann Black Pearl kennengelernt. „Melina hat mir erzählt, dass wieder Welpen da sind“, und so haben sich Heike und Pearly, wie Black Pearl liebevoll genannt wird, kennengelernt. Pearly sei zu Anfang allerdings ein fast aussichtsloser Fall gewesen. Beide Hüftköpfe waren nicht in der Gelenkspfanne. Sie hatte so starke Schmerzen, dass an Einschläferung gedacht wurde. „Aber das Tierheim Lingen gibt niemals auf“, bekundet Heike stolz auf das in ihren Augen mehr als engagierte Tierschützerteam.

"Ist sie nicht süß?"

Zwei Operationen an den Hüften waren notwendig. Das dazu nötige Geld hatte eine Spenderin, die nicht genannt werden möchte, aufgebracht. Nach mehreren Besuchen im Tierheim sei es schließlich um sie geschehen gewesen. „Sie lag nach der ersten Operation da in ihrer OP-Halskrause, und da wollte ich sie einfach mit nach Hause nehmen“, bekennt sich Heike zu ihrer „Schwäche“. „‘Ist sie nicht süß? Ist sie nicht süß?‘, so ging es die ganze Zeit. ‚Ja, dann nehmt sie eben mit‘“, schmunzelt Vater Michael. Heike Deutsch, die selber ein Hüftleiden hat, weiß, wie schlimm Schmerzen gerade an der Hüfte sein können. 

Pearly wieder auf die Beine gebracht

Deshalb hat die Familie alles getan, um Pearly wieder auf die Beine zu bringen. „Wir sind mit ihr in den Sinnesgarten in Haselünne gegangen, um auf den unterschiedlichen Böden ihre Hüften zu stimulieren“, erzählt Melina. Auch Krankengymnastik sei enorm wichtig gewesen. Vor allem Ella Koetsenruijter-Fritz sei eine große Unterstützung dabei gewesen. „Diese fantastische Frau macht das für Tierheimshunde sogar ehrenamtlich. Aber als Pearly dann bei uns war, wollte ich das nicht mehr als ehrenamtliche Leistung annehmen denn allein, was sie in ihr Unterwasserlaufband investiert hat!“, ist Heike voll des Lobes für die Hundephysiotherapeutin aus Lingen.

"Wir behalten sie selber"

Nach der zweiten Hüftoperation sei der ganze Aufbauprozess wieder von vorn losgegangen. Währenddessen begann der Vermittlungsversuch für Pearly, denn eigentlich wollte ja Familie Deutsch nur Pflegestelle für die Rumänin sein. „Es haben sich dann wohl viele Leute gemeldet, aber sie alle wollten Pearly erst dann haben, wenn sie wieder richtig fit ist. Da hab ich gesagt, nö, jetzt hatten wir die ganze Mühe mit dem Hund, jetzt behalten wir ihn auch“, sagt Vater Michael bestimmt.

Ein Herz und eine Seele

„Außerdem könnte man Pearly und Jeff jetzt gar nicht mehr auseinanderreißen. Die waren doch von Anfang an ein Herz und eine Seele“, bekräftigt Melina. Nicht von Anfang an, aber inzwischen auch sind die Hunde Herz und Seele mit Kater Simba, der von einem Bauernhof in Haselünne-Bückelte stammt. Ein paar Fische schwimmen außerdem in einem Aquarium, die das Ganze aber vermutlich alles ziemlich kalt lässt.

nicht endlos

„Wir würden ja öfter mal ein Tier in Pflege nehmen, aber das geht nicht, weil wir die einfach nicht mehr hergeben mögen“, schmunzelt Heike. Sie ist davon überzeugt, dass man es mit der Anzahl an Tieren nicht übertreiben darf. „Zum einen bin ich selber gehbehindert und kann nicht endlos Gassi gehen“, desweiteren koste jedes Tier, zumal mit gesundheitlichen Einschränkungen Geld, und außerdem müsse auch die Hygiene gewährt bleiben. Familie Deutsch, Pflegeversager? Nein, Familie Deutsch, fürsorgliche Tierhalter!


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