Begegnungen und Dialog Wunderbares Fink-Körner-Duo in der Lingener Kunsthalle

Zur Woche der Brüderlichkeit gab das Fink-Körner-Duo in der Lingener Kunsthalle ein wunderbares Konzert. Foto: Sebastian von MelleZur Woche der Brüderlichkeit gab das Fink-Körner-Duo in der Lingener Kunsthalle ein wunderbares Konzert. Foto: Sebastian von Melle

Lingen. Zum Auftakt der Woche der Brüderlichkeit gab das Fink-Körner-Duo in der Lingener Kunsthalle ein exzellentes Jazzkonzert.

„Der Fremde – die Fremde – das Fremde“, dieses Motto hatte das Forum Juden-Christen ausgewählt, um mit Hilfe exotischer Musik und eines nachdenklichen Textes von Manfred Rockel Begegnungen und Dialog zu ermöglichen. Direktorin Meike Behm freute sich, inmitten der gerade eröffneten Ausstellung „Der Schlangenbeschwörer“ von Nel Aerts viele auch junge Zuhörer zu begrüßen. Die Stadt Lingen war durch den Zweiten Bürgermeister, Stefan Heskamp, vertreten, die jüdische Gemeinde zu Osnabrück durch ihren Vorsteher, Michael Grünberg. 

Brückenbauer zwischen den Konventionen

Der Initiator des Abends und Vorsitzende des Forums, Heribert Lange, betonte die Bedeutung des Dialogs zwischen Religionen und Kulturen vor dem Hintergrund von Rassenwahn und Antisemitismus. Auch im Jazz, so Lange, spiegele sich das Phänomen der Fremde zwischen afrikanischen Sklaven und ihren weißen Unterdrückern. Den Posaunisten Hansjörg Fink und den Pianisten Gero Körner begrüßte Lange als Brückenbauer zwischen den Konventionen und als großartige Könner ihres Fachs.

Mit Jazz glasiert

Zunächst baute das Fink-Körner-Duo Brücken zwischen unterschiedlichen Musikstilen. Finks einfühlsame „Conca Seaside“ wurde abgelöst vom Enterprise-Thema aus „Star Trek“, gefolgt von solistischen Einlagen beim „Balkan Romantic Song“, alles mit Jazz glasiert, versteht sich. Körners brillante Klavierläufe und Finks weicher, stets sauber intonierter Ansatz harmonierten völlig miteinander.

Modern Jazz und jüdische Musik

Manfred Rockel schilderte in seiner selbst vorgetragenen Betrachtung des Themas autobiografisch den Weg vom Verdikt der Mutter „Du kannst keinem fremden Menschen trauen“ über erste Berührungen mit Modern Jazz bis zu den Lingener Konzerten der Legenden Peter Herbolzheimer und Albert Mangelsdorff. 

Manfred Rockel las einen selbst geschriebenen Text. Foto: Sebastian von Melle



Seine Rede schloss Rockel mit dem Gedenken zweier jüdischer Musiker, Esther Bejarano und Coco Schumann. Dessen Stück „Exotic“ nahm das Duo ebenso ins Programm wie das jüdische Gebet „Avinu Malkenu“.

Pop-Balladen und Straight-ahead-Jazz

Billy Joels zum Weinen schöne Pop-Balladen „The Longest Time“ und „Honesty“ standen direkt neben hartem Straight-ahead-Jazz wie „Swinging in the Heaven“. „Milo‘s Other Samba“ aus der Feder des Weißen Bob Brookmeyer und des Afroamerikaners Clark Terry passte gut ins Thema. Ebenso filigraner Modern Jazz erklang am Schluss bei „A Day in Vienna“, mit dem einst Slide Hampton zu begeistern wusste. Die Eigenkompositionen „Monday After Work“ (Fink) und „Shall We Be Loved“ (Körner) standen den großen Jazz-Nummern in nichts nach. Letzteres bestach durch tänzerischen Mix-Style im Sechs-Achtel-Takt.


Zur Woche der Brüderlichkeit gab das Fink-Körner-Duo in der Lingener Kunsthalle ein wunderbares Konzert. Foto: Sebastian von Melle


Blick in eine andere Welt

Da sich Fink und Körner auch mit „Star Trek - The Next Generation“ eindrucksvoll gegenseitig in den Weltraum befördert hatten, öffnete ihre Zugabe „Somewhere Over The Rainbow“ konsequent den Blick in eine andere Welt, wo Fremde ein Fremdwort ist. Unbedingt wiederkommen!


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