Neuer Text von Christoph Frilling Lotste Erich Cassel Bernd Rosemeyer in die SS?

Erich Cassel lernte Bernd Rosemeyer wohl 1933 in Nordhorn kennen und "lotste" ihn eventuell in die SS. Am Schluss des Krieges gehörte Cassel zu den ranghöchsten SS-Führern – hier Fotos aus einem privaten Fotoalbum aus der Collection von Roger Bender. Repro: Carsten van BevernErich Cassel lernte Bernd Rosemeyer wohl 1933 in Nordhorn kennen und "lotste" ihn eventuell in die SS. Am Schluss des Krieges gehörte Cassel zu den ranghöchsten SS-Führern – hier Fotos aus einem privaten Fotoalbum aus der Collection von Roger Bender. Repro: Carsten van Bevern

Lingen. Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Sprachwissenschaftler Christoph Frilling mit dem aus Lingen stammenden Rennfahrer Bernd Rosemeyer. Das von Heinrich Liesen geplante Museum lehnt er vehement ab. Nun hat Frilling sich mit Erich Cassel beschäftigt, der Rosemeyer zur SS "gelotst" haben könnte.

In einem der Redaktion vorliegenden Text spricht Frilling davon, dass "neue Fakten über enge Freunde von Beinhorn und Rosemeyer aufgetaucht sind, die eine Meinungsbildung im Hinblick auf das in der [...] Burgstraße geplante Museum des Bauunternehmers Heinrich Liesen nachhaltig beeinflussen dürften. "

Worum geht es dabei? Zunächst berichtet er über den – zumindest in Fachkreisen bekannten – Umstand, dass Rosemeyers Frau Elly Beinhorn zum Freundeskreis von Philipp Bouhler gehörte. Dieser war Reichsleiter der NSDAP, hoher SS-Offizier und unter anderem verantwortlich für die Tötung von mehr als 70.000 Personen mit einer Behinderung. Dass Beinhorns Beziehung zu Bouhler nur für die Zeit vor diesen Verbrechen nachweisbar ist, räumt für Frilling "den schweren Vorwurf nicht aus, dass Beinhorn mit den schlimmsten Naziverbrechern freundschaftlich verkehrte."  

Cassel war 1933 in Nordhorn

Neue Informationen über Bernd Rosemeyer stammen laut Frilling allerdings aus einer Quelle, "von der sie nicht zu erwarten waren." So habe der von Liesen mit der Vorbereitung des Museums beauftragte Professor Bernd Walter in den von ihm Ende November 2018 vorgelegten „Leitlinien für das Museum“ einen "interessanten Hinweis des ehemaligen Lingener Stadtarchivars Ludwig Remling zu den Umständen von Rosemeyers Eintritt in die SS" aufgenommen. Demnach soll dieser „die Anregung zum Übergang in die SS im November 1933 (…) sehr wahrscheinlich durch den ihm gut bekannten SS-Führer Erich Cassel“ erhalten haben. Auf diese Möglichkeit hat Remling auch bereits in mehreren Vorträgen hingewiesen, in den Osnabrücker Mitteilungen 2013 spricht der Historiker davon, dass sich beide kannten. "Gute Bekannte oder gar Freunde, darüber geben die Quellen nichts her", erklärte Remling in einem Gespräch mit unserer Redaktion. (Weiterlesen: Beirat für in Lingen geplantes Rosemeyer-Museum gegründet)

Frilling nennt auch eine nur fünftägige Aufhebung des SS-Aufnahmestopps Anfang November 1933, auf die Cassel in den Nordhorner Nachrichten hinwies. Für Frilling "liegt auf der Hand, dass Cassel auch Bernd Rosemeyer auf diese ,Chance´ zur Aufnahme in die SS hinwies." Auch für Remling ist dies eine mögliche Erklärung für den Eintritt Rosemeyers in die SS. 

Karriere von Erich Cassel

Im folgenden beleuchtet Frilling die weitere Karriere von Erich Cassel (1905-1966), der Träger mehrerer Auszeichnungen von SS und NSDAP war, 1922 der SA beitrat und 1931 zur SS wechselte. Laut Frilling habe dieser am 1. April 1933 zu den SS- und SA-Männern gehört, die Juden durch die Altstadt von Osnabrück trieben. "Belangt wurde Cassel hierfür erst 1949, als die Staatsanwaltschaft Oldenburg ein Verfahren wegen ,Verbrechen gegen die Menschlichkeit` gegen ihn anstrengte", erläuterte Frilling. 

Als „Führer des SS-Sturmbann III/24“ sei Cassel vom 9. November 1932 bis zum 13. November 1933 unter anderem in Nordhorn stationiert. In diese Zeit habe er Rosemeyer kennengelernt. Frilling schreibt, dass dieser ihn "mit seinem Motorrad zu besuchen pflegte und es für ihn unwahrscheinlich sei, dass Rosemeyer nicht über die verbrecherischen Aktivitäten seines Mentors informiert gewesen wäre." Für Remling steht hingegen nur fest, dass Rosemeyer ihn wohl bei seinen Besuchen in der Gaststätte und beliebten Nordhorner  Motorradfahrertreffpunkt Pauling kennengelernt habe.

Am 1.November 1933 kündigt der inzwischen als Stadtkämmerer Nordhorns eingesetzte Cassel, da er hauptamtlicher Leiter der 49. SS-Standarte in Braunschweig wurde. Später wird Cassel Leiter des „Rasse- und Siedlungsamts“ der SS und schließlich bis zum Kriegsende Chef des „Amts für Volkstumsfragen“. Cassel gehörte damit zu den 18 mächtigsten SS-Führern. Für Frilling belegen seine Erkenntnisse, dass "das Beispiel Cassels ohne Zweifel belegt, dass sich das Bild von einem ,unpolitischen Bernd Rosemeyer´ nicht aufrecht erhalten lässt."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN