Sprecher ist Prof. Thamer aus Münster Beirat für in Lingen geplantes Rosemeyer-Museum gegründet

In der Burgstraße in der Lingener Innenstadt (links auf dem Foto) plant der Unternehmer Heinrich Liesen ein Museum, in dem das Leben des aus Lingen stammenden und in den 1930er-Jahren berühmten Rennfahrers Bernd Rosemeyer und seiner Frau Elly Beinhorn thematisiert werden soll. Foto: Carsten van BevernIn der Burgstraße in der Lingener Innenstadt (links auf dem Foto) plant der Unternehmer Heinrich Liesen ein Museum, in dem das Leben des aus Lingen stammenden und in den 1930er-Jahren berühmten Rennfahrers Bernd Rosemeyer und seiner Frau Elly Beinhorn thematisiert werden soll. Foto: Carsten van Bevern

Lingen. Ein wissenschaftlicher Beirat begleitet ab sofort die Einrichtung des vom Lingener Unternehmer Heinrich Liesen in der Lingener Innenstadt geplanten Museums für den aus der Stadt stammenden und in den 1930er-Jahren berühmten Rennfahrer Bernd Rosemeyer und seiner Frau Elly Beinhorn.

Aus fünf bis maximal zehn Mitgliedern soll dieser wissenschaftliche Fachbeirat bestehen. Diese sollen laut dem Museumskurator Prof. Dr. Bernd Walter "im regionalen Museumswesen, im Bereich der historischen Forschung, der regionalen erinnerungskulturellen und Gedenkstättenarbeit oder der allgemeinen Bildungsarbeit tätig sein und sich insbesondere mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen."

Derzeit besteht der Gründungsbeirat aus den Historikern Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer, Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Prof. Dr. Malte Thiessen und Dr. Ludwig Remling. Zum Beiratssprecher sei von den Mitgliedern Herr Thamer gewählt worden. Im fachhistorischen Bereich sei die Gewinnung der Beiratsmitglieder laut Walter auch problemlos verlaufen: "Vor Ort ist die Situation schwieriger. Das ist wohl ein Ergebnis der aufgeheizten Kommunikation und Kontroversen." 

So bedauert es der jetzige Beirat nach Angaben von Walter auch, dass die Stadt und das Forum Juden-Christen bisher nicht vertreten sind: "Die Beiratsmitglieder haben auch bereits Vorschläge für weitere Mitglieder gemacht. Das Angebot an die Stadt und das Forum bleibt natürlich ständig bestehen." Die Mitglieder des Verwaltungsausschuss des Lingener Stadtrates haben aber bereits im Mai 2017 das Museumsprojekt abgelehnt und entschieden, dass dieses "weder heute noch in Zukunft finanziell oder ideell durch die Stadt Lingen oder durch eine der städtischen Institutionen unterstützt" wird. (Weiterlesen: Lotste Erich Cassel Bernd Rosemeyer in die SS?)

Und das Forum Juden-Christen, welches das Museumsprojekt immer "grundsätzlich und generell" abgelehnt hat, hat nach Aussage des Vorsitzenden Heribert Lange über eine längere Zeit das Projekt bei unterschiedlichen Gelegenheiten kritisch begleitet, eine Beteiligung am Beirat aber abgelehnt.

Aufgaben des Beirates

Und was sind die Aufgaben des Beirates? "Zur fachlichen und wissenschaftlichen Begleitung der konzeptionellen Entwicklung, inhaltlichen Profilierung, museumsdidaktischen Gestaltung und Einrichtung der Ausstellung des Museums sowie zur kritischen Begleitung der weiteren Arbeit wird ein wissenschaftlicher Beirat/Fachbeirat eingerichtet. Er versteht sich als Organ der Vermittlung/Verbindung zwischen wissenschaftlicher Forschung, musealer Praxis und regionaler Erinnerungskultur", heißt es dazu in der einstimmig von den Mitgliedern verabschiedeten Beiratssatzung. 

Dies soll insbesondere geschehen 

  • durch Stellungnahmen, Anregungen und Bewertungen zum Ausstellungs- und Gestaltungskonzept und zu den Ausstellungsinhalten. 
  • durch Beratung und Unterstützung der musealen Arbeit und didaktischen Vermittlungstätigkeit. 
  • durch Förderung der Vernetzung und Zusammenarbeit aller Gruppen und Personen, die sich um eine kritische regionale Erinnerungskultur bemühen. 
  • durch Anregungen und Vorschläge für zum Beispiel Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Kolloquien, die eine kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dadurch eine zukunftsorientierte Erinnerungsarbeit fördern. 

"Die Expertise des Beirates ist zentraler Bestandteil der Qualitätssicherung der Arbeit des Museums und bildet den Referenzrahmen für die Arbeit des Vereins und die Leitung der Einrichtung“, zitierte Walter weiter aus der Satzung. 

Das weitere Vorgehen

"Die Beiratsgründung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Museums, da es nun nicht mehr um die Frage des ,Ob` geht, sondern um die Herausforderungen der Umsetzung", sagte Walter. So sei in der ersten Beiratssitzung bereits über die Haupttexte diskutiert und das Material gesichtet worden. Bis Anfang April wird das „Drehbuch“ für das Museum weiter konkretisiert. "Der Beirat wird dieses Drehbuch dann diskutieren und eine vorläufige Fassung freigeben, mit der dann Museumsgestalter aufgefordert werden sollen, Gestaltungsideen einzureichen. Im Beirat wird dann über die Auftragsvergabe entschieden," erklärte Kurator Walter zum weiteren Vorgehen.


Die Mitglieder des Beirates

• Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer (76) ist einer der renommiertesten Zeithistoriker Deutschlands. Von 1983 bis zu seiner Emeritierung 2011 war er Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Neben dem Nationalsozialismus und dem europäischen Faschismus zählen die Französische Revolution und die Kulturgeschichte von Sammlungen, Ausstellungen und Museen zu seinen Forschungsschwerpunkten. 2011 entwickelte er die Konzeption der Ausstellung „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin .

• Prof. Dr. Alfons Kenkmann (61) ist Gründungsdirektor des Geschichts- und Lernortes Villa ten Hompel in Münster als Gedenkstätte an die Verbrechen von Polizei und Verwaltung in der Zeit des Nationalsozialismus in Münster. Der Professor für Geschichtsdidaktik an der Universität Leipzig ist unter anderem Vorsitzender des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW und wissenschaftlicher Beirat des Archivs der deutschen Jugendbewegung, der Stiftung Berliner Mauer sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

• Prof. Dr. Malte Thiessen (44) ist seit 2017 Leiter des LWL-Instituts für Westfälische Regionalgeschichte, apl. Prof. an der Universität Oldenburg. Zu seinen Arbeitsgebieten gehören die Erinnerungskultur und Geschichtspolitik zum Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg, Zeitzeugen und Oral History, die „Volksgemeinschaft“ im „Dritten Reich“ und die Sozial- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

•  Der 1942 in Würzburg geborene Dr. Ludwig Remling war 1985 Gründungsleiter des Stadtarchivs Lingen und damit der erste hauptamtliche wissenschaftliche Archivar in der Region. Er gilt als ausgewiesener Kenner der Geschichte Rosemeyers und hat von der frühneuzeitlichen Landesgeschichte bis zur Schulgeschichte nach 1945 und von der Rolle der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg bis zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in der Region geforscht. Bei der Emsländischen Landschaft ist Remling zudem seit 2004 Vorsitzender des Arbeitskreises Familienforschung.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN