Gefährliche Körperverletzung geahndet Vorfall im südlichen Emsland: Landgericht Osnabrück verneint Tötungsabsicht

Das Landgericht Osnabrück hat einen 35-jährigen Iraner wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Symbolfoto: Michael GründelDas Landgericht Osnabrück hat einen 35-jährigen Iraner wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Symbolfoto: Michael Gründel
Michael Gründel

Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück hat einen 35-jährigen Iraner wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das Schwurgericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte bei einem Streit in einer Unterkunft für Asylbewerber im südlichen Emsland einen Mitbewohner mit einem Messerstich verletzt hat. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Noch zu Beginn des Verfahrens hatte die Anklage gegen den früheren Peschmerga-Kämpfer, der in Nordsyrien einer bewaffneten Miliz gegen den IS angehört hatte, auf versuchten Totschlag und der gefährlichen Körperverletzung gelautet. Nach dreitägigem Verfahren ließen die Richter der Strafkammer den Vorwurf des versuchten Totschlags jedoch fallen. 

Gegen die Tür getreten oder geschlagen

Folgenden Hergang sah das Gericht als erwiesen an: Der Angeklagte hielt sich Ende März 2017 zuerst im Ortskern einer Gemeinde im südlichen Emsland auf und trank Alkohol. Gegen 22 Uhr kehrte er zur Wohnung zurück, in der er mit zwei weiteren Männern lebte. Weil er seinen Schlüssel vergessen hatte oder auch aus anderen Gründen soll er nach Darstellung des einen Mitbewohners mehrfach gegen die Haustür getreten oder geschlagen haben.

Verbaler Streit eskaliert

Der Mitbewohner öffnete die Tür und soll ihn mit Worten wie „Was trittst du gegen die Tür? Das ist hier doch kein Stall, wir sind keine Tiere“, gemaßregelt haben. Es kam zum Streit, der eskalierte, nachdem das spätere Opfer den Angeklagten schubste. Der 35-Jährige holte daraufhin aus der Küche ein Messer und fuchtelte damit vor dem Gesicht des Mitbewohners herum.

Neuerliches Gerangel

Nach Auffassung des Gerichts ist das Opfer bei dem neuerlichen Gerangel mit der Klinge am Hals verletzt worden. „Der Angeklagte hatte aber nicht die Absicht gehabt, seinen Mitbewohner zu töten“, erklärte der Vorsitzende der Kammer, auch wenn er dieses lauthals während des Streites gerufen hatte.

Klinge dringt knapp neben der Schlagader ein

Trotzdem war der 31-jährige Mitbewohner gefährlich verletzt worden. Der unbeabsichtigte Stich war knapp einen Zentimeter tief in den Hals eingedrungen und verfehlte die Schlagader knapp. Die Wunde blutete stark. Die Erstversorgung durch zwei Männer auf einem Nachbargrundstück, zu dem sich der Verletzte flüchtete, verhinderte Schlimmeres. „Dass er seinem Gegenüber das Messer in den Hals gerammt habe, wie dieser es hier beschrieben hat, davon kann allerdings keine Rede sein“, erklärte der Richter.

Angeklagter bestreitet bis zum Schluss die Tat

Der Angeklagte hat bis zur Urteilsverkündung jede Schuld an der Tat weit von sich gewiesen. Er blieb bei seiner Behauptung, Unbekannte hätten seinen Mitbewohner verletzt. Eine solche Möglichkeit schloss die Kammer nach intensiver Befragung von Zeugen aus. „Niemand anderes als der Angeklagte ist für das Geschehen in Betracht zu ziehen. Immerhin haben Zeugen ihn gesehen“, lautete es in der Urteilsbegründung.


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