Von Umweltprojekten bis zu Riesenseifenblasen Regionalwettbewerb Jugend forscht in Lingen – Schüler stellen 78 Projekte vor

Die neunjährige Hannah Sophie Heider hat Rezepte für Riesenseifenblasen entwickelt. Foto: Caroline TheilingDie neunjährige Hannah Sophie Heider hat Rezepte für Riesenseifenblasen entwickelt. Foto: Caroline Theiling
Caroline Theiling

Lingen. In der Halle der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Lingen wurde schnell deutlich: Die jüngere Generation möchte der Umweltverschmutzung entgegenwirken. Insgesamt 157 Schüler aus dem Landkreis Emsland, der Grafschaft Bentheim und dem Landkreis Osnabrück präsentierten bei "Jugend forscht" ihre Projekte.


Die 17-jährigen Gymnasiasten Daniel Schade und Marius Krämer stellten der Jury ein Filtersystem für "Mikroplastikfilterung im Abwassersystem" vor. Die beiden Schüler vom Franziskusgymnasium Lingen sind erstaunt über das Plastik in den Weltmeeren: "Wir waren erschrocken, als wir erfahren haben, dass Mikroplastik auch bei Menschen nachgewiesen wurde. Da dachten wir uns: Es muss sich was ändern." Auf Grundlage der Theorie und mehreren Versuchen haben die beiden Schüler schließlich ein Filtersystem entwickelt. Auch ihr eigenes Einkaufsverhalten habe sich durch dieses Projekt verändert: "Wir haben nun selber im Alltag ein anderes Verständnis vom Plastikmüll. Ob wir allerdings andere auch davon überzeugen können, ist schwer zu beurteilen."


Daniel Schade (17, links) und Marius Krämer (17) vom Franziskusgymnasium Lingen entwickelten ein System zur Mikroplastikfilterung im Abwassersystem. Foto: Caroline Theiling


Auch Erik Robel und Fynn Luka Rölleke vom Gymnasium Marianum in Meppen haben sich mit einem Umweltprojekt beschäftigt. Die 13-Jährigen stellten sich der Frage, ob Fracking in Deutschland möglich sei. Dadurch, dass bald alle Öl-Reservate ausgebeutet seien, haben sich die beiden Gedanken über die zukünftige Öl-Gewinnung gemacht. Anhand eines großen Modells zeigten die Gymnasiasten der Jury ihre Idee. "Mit Druckluft und Wasser wird das Öl erst vertikal und dann horizontal rausgedrückt", erklärte Erik. 


Die 13-jährigen Erik Robbel (links) und Fynn Luka Rolleke stellten sich der Frage "Ist Fracking in Deutschland möglich?". Foto: Caroline Theiling


Bei Nora Jeftenic (13) und Franziska Leigers (14) vom Kreisgymnasium St. Ursula Haselünne ging es um gesunde Ernährung. "Es ist wichtig, eine Alternative zu Fertigprodukten zu schaffen", betonte Nora. Sie stellten Alternativprodukte für "Nutella" und Chips her und ließen diese von Schülern der 8., 9. und 12. Jahrgangsstufe ihres Gymnasiums testen. Ihr Projekt zeigte zudem, dass das Interesse an gesunder Ernährung bei ihrer Altersgruppe enorm hoch ist. Anhand von Zuckerwüfeln präsentierten die jungen Forscherinnen den Vergleich zwischen dem herkömmlichen "Nutella" und ihrem "Nutella": "In herkömmlichem 'Nutella' sind um ein Vielfaches mehr Zuckerwürfel enthalten als in unserem." Die Schülerinnen machten sich ebenfalls einige Gedanken über ihre Zukunft: "Gerade wenn wir später von zu Hause ausziehen, ist es wichtig, sich weiterhin gesund zu ernähren."


Alternativprodukte zu Fast Food haben Franziska Leigers (14, links) und Nora Jeftenic (13) entwickelt. Foto: Caroline Theiling


Um ein ganz anderes Thema ging es bei Hannah Sophie Heider – nämlich um Riesenseifenblasen. Die neunjährige Schülerin vom Mariengymnasium Papenburg ist in diesem Jahr die jüngste Teilnehmerin von "Schüler experimentieren". Die junge Forscherin hat eine Seifenlauge für die perfekte Riesenseifenblase hergestellt. "Ich fand Seifenblasen schon immer ganz toll. Als die Flasche dann aber leer war, wollte ich immer mehr Seifenblasen machen", erzählte sie. Sie hat so lange verschiedene Stoffe zusammengemischt, bis sie irgendwann das richtige Rezept zusammengestellt hatte.


Luca Revermann (17) erklärt was die Wurzel aus 2 mit der Hälfte einer Summe zu tun hat. Foto: Caroline Theiling


Bei Luca Revermann dreht sich alles um Zahlen. Der 17-jährige Schüler vom Franziskusgymnasium Lingen stellte sich der Frage, was die Wurzel aus 2 mit der Hälfte einer Summe zu tun hat. Nicht zum ersten Mal beschäftigte sich der Gymnasiast mit Zahlen auf Wettbewerbsebene. Er nahm bereits sechs Mal in Folge an der Landesrunde der Mathe-Olympiade teil. "Auch im Abi habe ich die Leistungskurse Mathe, Chemie und Physik. Danach überlege ich, Mathe oder ein anderes naturwissenschaftliches Fach zu studieren", sagte Luca. Langfristig hofft der junge Forscher, dass sein Erkenntnis in der Praxis angewendet wird.


"Jugend forscht" und "Schüler experimentieren"

„Jugend forscht“ ist ein bundesweiter Nachwuchswettbewerb, der besondere Leistungen in Naturwissenschaften, Mathematik und Technik fördert. Seit dem Beginn 1965 wachsen die Teilnehmerzahlen. 2019 beteiligten sich 12 150 junge Menschen. „Frag nicht mich, frag Dich.“ lautet das Motto des 54. Wettbewerbs, der auf der Regionalebene beginnt. „Jugend forscht“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Zeitschrift „Stern“, der Industrie, Schule und weiteren „Paten“ unterstützt. Dazu gehört seit 44 Jahren auch der Landkreis Emsland. Teilnehmer unter 15 Jahren starten in der Sparte „Schüler experimentieren“, die Älteren bei „Jugend forscht“ in den Fachgebieten Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik oder Technik. 
Die 1. Sieger nehmen dann an den Landeswettbewerben in Clausthal-Zellerfeld (Jugend forscht, 18. bis 20. März) oder Oldenburg (Schüler experimentieren, 28. bis 30. März) teil. Die Landessieger von „Jugend forscht“ treffen sich dann vom 16. bis 19. Mai beim Bundeswettbewerb in Chemnitz.


Den "PGRobot - Der Fugenreinigungsroboter 2.0" hat die 16-jährige Sophie Brüwer vom Franziskusgymnasium Lingen entwickelt. Ihre Idee war, eine Alternative für Chemikalien zu finden: "Um Fugen zu reinigen, werden viele Chemikalien benutzt. Aus diesem Grund habe ich den autonomen Fugenreiniger entwickelt." Mit einem Tastsensor fahre er die Fugen ab und säubere sie mit zwei Bürsten. "Mein Ziel ist nun, den Roboter in der Praxis, insbesondere die Akkulaufzeit, zu testen", betonte die Gymnasiastin.


Sophie Brüwer (16) präsentierte der Jury ihren entwickelten Fugenreinigungsroboter. Foto: Caroline Theiling


Wie lassen sich Schädlinge umweltfreundlicher vertreiben? Lennart Nortmann, Niklas Nortmann und Eric Bonhold vom Gymnasium Haren untersuchten in ihrem Projekt, ob Lavendelöl gegen Kartoffelkäfer hilft. „Wir möchten das Insektensterben verhindern. Bereits jetzt sind 41 Prozent der Bienen vom Aussterben bedroht“, erklärte Eric. „Unsere Langzeitversuche haben gezeigt, dass Insektizide durch Lavendelöl ersetzt werden können“, freute sich Lennart. Das Ziel der 14-jährigen Forscher sei nun, dieses Projekt in freier Natur zu testen. 


Die 14-jährigen Forscher (von links) Niklas Nortmann, Lennart Nortmann und Eric Bonhold stellten sich der Fragen, ob Lavendelöl gegen Kartoffelkäfer hilft. Foto: Caroline Theiling


Siegfried "Siggi" Wigger ist in diesem Jahr erstmals der Wettbewerbsleiter des Regionalwettbewerbs "Jugend forscht" im Emsland. "Es sind ganz tolle, knackige Projekte am Start. Die reichen von den Auswirkungen der Mikroplastik auf die Umwelt, Möglichkeiten der Gülleverwertung bis hin zur digitalen Notenverwaltung in der Schule", so Wigger. Vom Landkreis Emsland gebe es zudem ein nettes Rahmenprogramm. Siggi Wigger kommt aus Neuenhaus und ist Lehrer am Gymnasium Marianum in Meppen.


Sieger des Regionalwettbewerbs

(Sieger und Platzierte aus dem Emsland. Die mit einem 1. Preis Ausgezeichneten sind für den Landeswettbewerb qualifiziert.)

Jugend forscht

Arbeitswelt:

3. Preis: Jana Bruns, Dana Wilting (Franziskusgymnasium Lingen), Steigert Powernapping die Leistungsfähigkeit?

Chemie:

2. Preis: Lara Emme, Diana Kara Hamoud, Carla Fretter (Windthorst-Gymnasium Meppen), Natürliches Haarefärben.

Geo- und Raumwissenschaften:

2. Preis: Clara Thomalla (Franziskusgymnasium Lingen), Destabilisierung der Erdkruste durch Kohleabbau?

Mathematik/Informatik:

2. Preis und Sonderpreis Bild der Wissenschaft Jahresabonnement: Elena Lucas, Puya Yazdan Shenas (Franziskusgymnasium Lingen), gezinkter Würfel.

1. Preis: Luca Hendrik Revermann (Franziskusgymnasium Lingen), Was die Wurzel aus 2 mit der Hälfte einer Summe zu tun hat.

Physik:

3. Preis: Andreas Hehler, Dominik Schmees, Eric Specken (Gymnasium Haren), Anthropogene Radioaktivität – Schädigt Niedrigstrahlung die Zellstruktur einer Zwiebel?

Technik:

1. Preis: Sophie Brüwer (Franziskusgymnasium Lingen), PGRobot – Der Fugenreinigungsroboter 2.0.

3. Preis und Sonderpreis für Effizienz: Lukas Fabrizio Klassen, Matthis Otten (Franziskusgymnasium Lingen), Saubere Sache, Solarenergie?

2. Preis und Sonderpreis Umwelttechnik: Daniel Schade, Marius Krämer (Franziskusgymnasium Lingen), Mikroplastikfilterung im Abwassersystem.

Schüler experimentieren

Arbeitswelt:

2. Preis und Sonderpreis Umwelttechnik: Nora Jeftenic, Franziska Leigers (Kreisgymnasium St. Ursula Haselünne), Einfach gesund essen.

Biologie:

2. Preis: Harriet Blockhaus, Ariana Jochim (Franziskusgymnasium Lingen), Der perfekte Geruch für das perfekte Katzenspielzeug.

1. Preis: Lennart Nortmann, Niklas Nortmann, Eric Bonhold (Gymnasium Haren), Natürliche Botenstoffe statt Insektizide – Hilft Lavendelöl gegen Kartoffelkäfer?

Chemie:

Preis der regionalen Wirtschaft: Fynn Lukas Rölleke, Erik Robel (Gymnasium Marianum Meppen), Fracking auch in Deutschland?

3. Preis: Neele Winter, Yule Anna Varelmann (Franziskusgymnasium Lingen), Nachhaltiger Shampoo-Baukasten zum Selbermischen.

2. Preis und Sonderpreis Geolino Jahresabonnement: Hannah Sophie Heider (Mariengymnasium Papenburg), Herstellung von Seifenlauge für die perfekte Riesenseifenblase.

Mathematik/Informatik:

3. Preis: Phil-Lennart Kehl (Franziskusgymnasium Lingen), Automatisierte Server- und Client-Problem-Erkennung- und Behebung.

Physik:

2. Preis: Isaak Dinguri Wellmer (Gymnasium Marianum Meppen), Nutzung eines Plasmas zur Kernfusion.

Sonderpreis für Kreativität: Antonia Weßling, Johanna Koch (Friedensschule Lingen), das außergewöhnliche Fenster.

Sonderpreis für engagierte Talentförderer: Franciskus Van den Berghe (Franziskusgymnasium Lingen).

Jugend forscht – Schulpreis für Neueinsteiger: Gymnasium Haren.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN