Emsland betroffen Ärztekongress in Lingen lenkt Blick auf Antibiotikaresistenz

Sehr gut besucht war der Haus- und Fachärztekongress, der auf Einladung des Ärztenetzwerkes Genial im IT- Zentrum statt. Foto: Roman StarkeSehr gut besucht war der Haus- und Fachärztekongress, der auf Einladung des Ärztenetzwerkes Genial im IT- Zentrum statt. Foto: Roman Starke
Roman Starke

Lingen. Mit mehr als 190 Teilnehmern sehr gut besucht war der Haus- und Fachärztekongress des Ärztenetzwerkes Genial im IT-Zentrum in Lingen.

Einer Pressemitteilung zufolge vermitteltem praxisnahe Vorträge neueste Erkenntnisse zu medizinischen Fortschritten. Referenten verschiedener ärztlicher Fachbereiche beleuchteten aktuelle Themen aus der Radiologie, der Inneren Medizin, der Chirurgie und der Onkologie. Mit gleich zwei Vorträgen gab es Informationen zu regional bedeutsamen Themenfeldern aus dem Bereich der Infektionserkrankungen: Privatdozent Dr. Wolf Splettstößer vom Laborverbund Dr. Kramer und Kollegen informierte über Erkrankungen durch Zeckenbisse, Dr. Martina Scharlach vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt und Dr. Jennifer Sünnemann vom Landkreis Emsland berichteten über Anstrengungen gegen zunehmende Antibiotikaresistenzen. 

Zecken können mehr als 70 Infektionserreger übertragen 

Splettstößer trug eingangs vor, dass etwa 850 bekannte Zeckenarten mehr als 70 verschiedene Infektionserreger übertragen können. Neben den bekanntesten Erkrankungen wie Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) und Borreliose gibt es noch viele andere, deren Labordiagnostik und medikamentöse Therapie jeweils nach ausführlicher Befragung und körperlicher Untersuchung des Patienten individuell erfolgen muss.

Robert-Koch-Institut gibt Impfempfehlungen

 Splettstößer berichtete weiter, dass die im Landkreis Emsland vorkommende Borreliose, die sich bei circa einem von hundert Zeckenbissen entwickelt, sich häufig gut behandeln lässt. Hingegen entwickelt ein FSME-Virus oft eine schwere Erkrankung mit teilweise verbleibenden Spätfolgen. Da die Zahl der FSME-Erkrankungen im Jahr 2018 im Landkreis mit acht Fällen einen Höchststand erreicht hat, gilt es, im Einzelfall sorgsam zu überlegen, ob eine Impfung gegen die FSME-Erkrankung in Frage kommt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes hält dazu Informationen bereit und gibt laufend aktualisierte Impfempfehlungen.

700.000 Menschen infizierten sich 2015 mit multiresistenten Erregern

Ein weiteres Themenfeld war die zunehmende Antibiotikaresistenz, die große Probleme bei der Therapie von Infektionskrankheiten mit sich bringt. Einer aktuellen Studie zufolge gab es in Europa im Jahr 2015 etwa 700.000 Infektionen mit multiresistenten Erregern, davon endeten 33.110 tödlich. Die Mitarbeiterinnen des öffentlichen Gesundheitsdienstes Dr. Scharlach und Dr. Sünnemann berichteten unter dem Vortragstitel „Damit Antibiotika wirksam bleiben: Resistenzmonitoring, Netzwerke und mehr für Niedersachsen“ über Entwicklungen und Lösungsansätze für diese Problematik. 

Im Emsland wird häufig Antibiotika verordnet

Das vom Landesgesundheitsamt durchgeführte Antibiotika-Resistenz-Monitoring in Niedersachsen (ARMIN) mit 14 angeschlossenen Laboren ermöglicht, die Resistenzbildung im stationären und ambulanten Versorgungsbereich systematisch zu erfassen und zu beobachten. Gleichzeitig dient es als Grundlage für eine regional angepasste Antibiotikatherapie. Aktuelle Studien zeigen, dass der Landkreis Emsland zu den Regionen im Bundesgebiet gehört, in denen die Verordnungshäufigkeit von Antibiotika sehr hoch ist. 

"Bei der Verordnungspraxis Zurückhaltung üben"

Vor dem Hintergrund, dass jeder Einsatz von Antibiotika Resistenzen fördert, wurde den Kongressteilnehmern eine zurückhaltende und auf das notwendigste Maß reduzierte Verordnungspraxis empfohlen. Informationsmaterialen, u.a. ein Patientenflyer „Kein Antibiotikum – Warum?“, wurden angeraten und sind auf der Website des Landes Niedersachsen  unter www.antibiotikastrategie.niedersachsen.de verfügbar.



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