Wenn kein Abend dem anderen gleicht Comedian Ralf Schmitz im Interview/Auftritt am 1. März in Lingener Arena

Comedian Ralf Schmitz kommt am 1. März in die Lingener Emslandarena. Foto: Robert ReckerComedian Ralf Schmitz kommt am 1. März in die Lingener Emslandarena. Foto: Robert Recker
Robert Recker

Lingen. Ralf Schmitz ist ein wahres Energiebündel und vor allem gut darin, auf der Bühne zu improvisieren. Am 1. März 2019 kommt er in die Lingener Emslandarena. Vorab verrät der Komiker im Interview schon einmal, worauf sich die Besucher bei seiner Show einstellen können.

Sie sind in der deutschen Comedy Szene der kleine, quirlige Flummi und sehr energiegeladen. Wie kommen Sie denn mal zur Ruhe beziehungsweise: Kommen Sie überhaupt zur Ruhe? 

Ja, klar. Das geht doch gar nicht. Ich kann ja nicht 24 Stunden Leute zwanghaft bespaßen. Das wäre ja schrecklich –sowohl für mich, als auch für die Leute (lacht). Alle rennen weg, weil sie denken: „Da kommt schon wieder der Quatschkopf.“ Nein, nein. Um Himmelswillen. Natürlich ist das alles schon so, wie es ist. Der Charakter ist so, wie er ist. Ich verstelle mich da nicht – Gott sei Dank. Das wäre mir auch zu anstrengend. Aber auch ich lade mal die Batterien wieder auf: Ob es nun ein bisschen Sport ist – inlineskaten, laufen oder schwimmen – oder mal ganz in Ruhe eine Tasse Tee trinken und ein Buch lesen. Das mache ich durchaus. Ich unterhalte mich sehr gerne mit Freunden. Wir treffen uns recht oft. Ich bin viel unterwegs – auch privat. Es ist also der herkömmliche, langweilige Kram, um herunterzukommen.

Dann ist viel unterwegs zu sein, sogar das Rezept dafür, um herunterzukommen? Schließlich sind Sie beruflich schon sehr viel auf Achse.

Um direkt runterzukommen, hilft es vielleicht nicht. Aber es hilft den Blick, immer wieder neu zu schärfen. Wenn du rausgehst und schaust zurück, dann weißt du, wo du her kommst und wo du hin willst, was gut ist und was schlecht ist. Klar ist viel zu reisen, hin und wieder ein bisschen anstrengend, aber so hast du immerhin nicht die Gefahr, dass du in eine Routine gerätst – und das finde ich toll. So kann man sich immer wieder neu einstellen. Gerade in der Improvisation, ist es ja genau das gleiche. Damit, dass auch jeder Abend anders ist, fühle ich mich wahnsinnig wohl. Ich sehe es nicht als Bedrohung, sondern habe Spaß daran, wenn Dinge sich immer wieder neu einstellen. Die kleinen Routinen gibt es aber natürlich nach wie vor.

Nun haben Sie davon gesprochen, dass man sich zwischendurch besinnt, wo man herkommt. In welchen Situationen, auf der Bühne und auch im Alltag, merken Sie, dass Sie Ihre Wurzeln nicht verstecken können und vielleicht auch gar nicht möchten?

Charakterliche Sachen fließen immer mit ein – vor allem bei der Improvisation. Das kann man dann gar nicht mehr kontrollieren. Die Zeit hat man ja gar nicht auf der Bühne. Da kann ich nicht überlegen, ob das, was ich da sage, irgendwie entlarvend sein könnte oder nicht. Du bist pur, du bist Mensch. Da fließt viel vom Charakter ein, je nachdem, in welche Rolle man gerade schlüpft. Da kommen einem eine offene Einstellung zu Gute, Flexibilität und Neugier auf den Menschen. Ich habe das immer so gelebt – und auch meine Eltern haben mich genau so erzogen: offen sein für alles, keine Schranken im Kopf haben, aber trotzdem genau hingucken und das Gute annehmen. Das hilft auch auf der Bühne unwahrscheinlich. Außerdem heißt es auch, die Facetten meines Berufs zu vereinen. Wenn ich einen Sendung drehe, minuziös genau gucke, wie ich die Nuancen setze und auch endlos wiederholen kann, ist es natürlich etwas ganz anderes als improvisieren auf der Bühne. So hat man von dem einen wieder den Blick auf das andere. Es gibt die Möglichkeit, wie ein guter Wein zu lagern und sich immer wieder weiter zu entwickeln.

Apropos Wein: Lieber Wein oder Bier?

Das kommt auf die Gelegenheit an – und auf die Stimmung. Beides tatsächlich: mal ein gutes Glas Wein und manchmal muss es einfach zischen. Im Sommer ist es tendenziell mehr Bier, würde ich mal schätzen (schmunzelt). Aber die Vielfalt ist es auch hier wieder.

Jeder Mensch braucht ja Bestätigung. Sie bekommen sie meist durch Lacher und klatschen. Was ist denn aber das schönste ausgesprochene Kompliment, das Sie je bekommen haben?

Schöne Frage. Mir fällt etwas aus meine Schulzeit ein. Es ist etwas pathetisch, aber warum nicht? Ich habe damals in der Schule etwas inszeniert – ganz profan: Ich habe einen Sketch von Loriot aufgeführt. Das habe ich mit zwei Freunden einstudiert, Regie geführt und so weiter. Da waren wir in der Schulaula vor vollem Haus. Da kam eine Freundin, die mit mir zusammen Latein-Unterricht hatte, auf mich zu nach der Show. Sie meinte: ‚Mein Vater ist seit fünf Jahren schwer krank. Ich habe ihn seitdem das erste Mal wieder mit Tränen in den Augen lachen sehen. Ich danke dir dafür.‘ Das hat sich eingebrannt. Ähnliches passiert zwar immer mal wieder, aber oft nicht mit Menschen, die mir so nahe waren. Das war eines der schönsten Komplimente, die ich je bekommen habe, weil es genau das zeigt, worum es geht. Natürlich macht man das auf der Bühne auch aus eigenem Antrieb und aus Sucht. Aber das ist eben auch ein Aspekt, der eine wichtige Rolle spielt. Obwohl der Beruf für mich eh schon feststand, war es trotzdem noch Mal ein Schubser in die richtige Richtung.

Nun ist das Leben kein Ponyhof und man muss auch mit Kritik leben. Was war, als Gegenstück, die härteste Kritik, die Sie je bekommen haben?

Oh... Man lebt ja davon. Ich mach nach jeder Show mit dem Team eine kleine Runde in der man auch kritisiert. Ich nehme auch jede Kritik ernst und denke darüber nach. Das ist auch das täglich Brot. Aber die härteste Kritik, die ich je bekommen habe? Boah... (lacht). Ah, da dämmert was. Ich habe eine Produktion, das ist aber schon einige Jahre her, für das Fernsehen gemacht. Ich erinnere mich, dass mein Vater damals, als er die Sendung gesehen hat – eigentlich war er davon Fan – gesagt hat: ‚Das ist nicht lustig‘(lacht). Ich glaube, er hatte etwas anderes erwartet. Ob es die härteste Kritik war, das weiß ich jetzt nicht. In dem Moment war es schon ein Treffer.

Was sollte das Publikum mitbringen, welche Einstellung solle es vielleicht mitbringen, wenn es in Ihre Show kommt?

(Lacht) Die Vorfreude auf eine Mischung aus Verschiedenem. Die Vorfreude darauf, dass jeder Abend anders ist und, dass der Abend, den Sie erleben, besonders ist. Heute ist Rüdiger in der ersten Reihe dabei, morgen ist es Ulrike. Da ist jeder Abend unique. Und natürlich auch, dass sich die Leute selbst beteiligen sollen und dürfen. Der Abend lebt davon, dass die Zuschauer den Abend mitgestalten. Er ist nicht vorgezeichnet. Es kann sich alles entwickeln.

Ein persönlich zugeschnittenes Programm also. Und dafür benötigen Sie Menschen, die sich trauen, den Mund aufzumachen?

Selbst das ist kein Problem. Den Job mache ich. Selbst wenn jemand auf der Bühne ist: Von niemandem wird verlangt, dass er perfekt spielt oder lustig ist. Der Zuschauer ist quasi nur der Schiedsrichter, der Sachen rein ruft wann er will und was er will. Auf der Bühne macht er mir das Leben schwer, wie ich so gerne sage, damit ich gefordert bin und in der Situation zeige, ob es klappt oder nicht. Jeder der dran kommt, braucht keine Angst zu haben.


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