Mit dem Traktor durch den tiefen Schnee "Die romantischste Winterfahrt meines Lebens"

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Der Winter 1978/1979 sorgte für eine faszinierende Landschaft. Das Bild zeigt die Ems bei Listrup. Foto: Karl-Heinz MätelingDer Winter 1978/1979 sorgte für eine faszinierende Landschaft. Das Bild zeigt die Ems bei Listrup. Foto: Karl-Heinz Mäteling

Meppen . Unvergessliche Stunden erlebte eine Lehrerin in jungen Jahren im Februar 1979 bei einer nächtlichen Fahrt auf einem Traktor durch das tiefverschneite Emsland bei Meppen. Hier ihr Bericht.

Im Winter 1978 / 79 war ich als Referendarin an einer Schule in Münster tätig.   Normalerweise fuhr ich immer am Freitag gleich nach dem Unterricht in meinem klapprigen VW-Käfer heim ins Emsland, wo mein Ehemann mich in unserem Heimatort, 12 Kilometer von Meppen entfernt, für das Wochenende erwartete. An jenem Wochenende im Februar 1979 kam dann wegen der Schneemassen das große Fahrverbot, zunächst für die Region Münster, kurz darauf auch für das gesamte Emsland bis hinauf  nach Ostfriesland. „Was soll`s“, dachte ich mir, „dann bleibst du halt in Münster in deiner kleinen, warmen Wohnung. Prüfungsvorbereitungen hast du eh genug.“ 

Handwerker war nicht zu erreichen

Nur leider hatte ich den Heizungsschaden in meiner Münsteraner Bleibe in keiner Weise einkalkuliert. Ein Handwerker war bei diesen Witterungsverhältnissen, noch dazu an einem Freitag, nicht zu erreichen und so wurde es sehr bald äußerst ungemütlich und kalt in meiner kleinen Wohnung. Was nun? Also Anruf bei meinem Mann, damals natürlich noch von einer der gelben Telefonzellen aus. „Komm mit der Bahn, die fährt noch. Und ab Meppen sehen wir dann weiter.“ So der Vorschlag meines Mannes.

Straßen waren nicht mehr zu erkennen

Mit einem äußerst mulmigen Gefühl reiste ich also mit dem letzten Zug durch die tief verschneite Winderwunderwelt gen Meppen. Fast alleine, denn kaum noch jemand riskierte so spät eine Reise, weil auch der Bahnverkehr bald eingestellt werden sollte.   Und dann stand ich dort am Meppener Bahnhof abends spät, heilfroh überhaupt noch so weit gekommen zu sein. Niemand außer mir war noch unterwegs, kein wartender Ehemann in Sicht. Straßen waren nicht mehr zu erkennen. Schneemassen überall. 

Ein Anflug von Panik

Ich weiß noch genau, dass die Vorstellung, mindestens eine Nacht in der kalten, zugigen Bahnhofshalle verbringen zu müssen, doch einen Anflug von Panik in mir auslöste. Weit gefehlt. Es dauerte nur eine halbe Stunde, da tuckerte der große Trecker meines Schwagers mit meinem Mann am Steuer auf den Bahnhofsplatz.

Der Mond tauchte die weiße Pracht in ein besonderes Licht

Riesengroße Erleichterung! Die Kabine war herrlich beheizt, das Radio spielte „Winterwonderworld“ und warmen Tee und Butterbrote gab`s auch an Bord. Ab jetzt konnte ich die schöne, nächtliche Winterwelt so richtig genießen. Quer durch die tief verschneite Landschaft – Straßen waren nicht mehr erkennbar- fuhren wir gemütlichst in unser Heimatdorf. Die Fahrt dauerte fast zwei Stunden statt wie sonst 30 Minuten. Egal, ich saß hoch und warm, der Mond schien und tauchte die weiße Pracht in ein ganz besonderes Licht. Ich hätte es noch stundenlang auf diesem herrlichen Trecker ausgehalten. Gut in Erinnerung geblieben ist mir neben der völlig veränderten, fremdartigen Landschaft diese absolute Stille, wie ich sie nie zuvor erlebt hatte.


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