Leben und Liebe mit und ohne Internet Standing Ovations für das Junge Theater Lingen

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Adam und Eve haben es ins Fernsehen geschafft: Szene aus der Inszenierung „Mehr sein als Schein“ des Jungen Theaters Lingen. Foto: Elisabeth TonderaAdam und Eve haben es ins Fernsehen geschafft: Szene aus der Inszenierung „Mehr sein als Schein“ des Jungen Theaters Lingen. Foto: Elisabeth Tondera

Lingen. Wie funktioniert Liebe in Zeiten von Tinder, Facebook, Instagram, Twitter und Co? Junges Theater Lingen hat sich diese Frage gestellt und ein Stück entwickelt, das sich kritisch mit den Themen Soziale Medien, Selbstinszenierung, Verlust der echten Persönlichkeit auseinandersetzt.

Die Premiere der unterhaltsamen und zum Nachdenken anregenden Produktion „Mehr sein als Schein“ im Theater stieß auf großes Publikumsinteresse. Wer heute aus der Masse herausragen will, hat es nicht leicht.  Jeder kann sich auf sozialen Plattformen präsentieren,  der Konkurrenzdruck wird immer größer. Es geht nicht mehr darum, mit Freunden zu kommunizieren und Schnappschüsse mit ihnen zu teilen. Es geht um eine möglichst große Zahl von Followern, um möglichst viele Likes, um die Aufmerksamkeit. Und da reicht es nicht, ein normales Foto hochzuladen: Nur perfekt inszenierte und bearbeitete Bilder schaffen es in die Sozialen Medien. Die Nutzer schaukeln sich gegenseitig hoch – gibt es nach einer gewissen Zeit nicht genügend Likes, droht die soziale Isolation.  

Paradiesische Online-Zukunft ?

In dem Stück geht es um Adam und Eve, ein junges Paar, das von einer paradiesischen Online-Zukunft als Instagram-Stars träumt. Die beiden lernen sich über Tinder kennen und werden schnell ein Paar. Ihre Handys sind immer dabei, ob beim Abendessen im Restaurant, am Morgen danach in der Wohnung, bei der Party mit Freunden. Die wachsende Zahl der Follower stachelt sie an, immer mehr Bilder und Videos zu posten, als das RTL sich bei ihnen meldet, sehen sie sich am Ziel im Online-Paradies. Ihr Leben spielt sich nur noch online ab. Freunde, die bei der Inszenierung nicht mitmachen wollen, werden abgeschrieben: „Manchmal ist es besser, sich von Sachen zu trennen, die man nicht mehr braucht.“ Doch als Adam Eves Sturz von der Klippe filmt und das Video hochlädt, geht es ihr zu weit. Am Ende erkennen beide, dass es ein Leben außerhalb des Netzes gibt, sie müssen nur lernen, es zu leben.

Allgegenwart der Handys 

Die Inszenierung von Roman Starke spielt mit der Austauschbarkeit der Persönlichkeitsprofile. Jede der vier Spielerinnen ist Eve, alle drei Spieler sind Adam, je nach Situation übernehmen sie auch andere Rollen. Nur wenige Bühnenmittel sind nötig, um verschiedene Räume und Spielsituationen zu erzeugen, es kommt vor allem auf das darstellende Spiel an. Bianca Corbach, Hannah Grenzdörfer, Svenja Lindenberg, Marietta Rößler, Jan-Philip Brüggemann, Lukas Kampel und Simon Fübbeker lassen sich auf das Spiel ein und erschaffen lebendige Figuren, mit denen die Zuschauer sich auseinandersetzen. Die Allgegenwart der Handys und der Zwang zur Selbstinszenierung schafft viele überzogene und witzige Situationen, in so mancher erkannten sich die Zuschauer wieder.

Roman Starke nutzt für seine Inszenierung die ganze Bühne samt Bühnenrand, das Stück lebt von Bewegung und schnellem Szenenwechsel. Verschiedene szenische Mittel – Schattenspiel, Stimmen aus dem Off, Tanz – bringen Spannung und Abwechslung.

Die Zuschauer bedanken sich mit Standing Ovations für das besondere Theatererlebnis.



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