Drei Jahre Deutsch als Zweitsprache unterrichtet Georg Wichmann wollte den jungen Flüchtlingen eine Perspektive eröffnen

Bis zur Verabschiedung Ende Januar lehrte Georg Wichmann (4.v.l.) dreii Jahren Deutsch als Zweitsprache und eröffnete den jungen Flüchtlingen eine Perspektive. Auch die Verträge für Hendrika Hölman, Ulli Sudek und Reiner Stroink (2.,3. und 5. v.l.) laufen bald aus. Elke Ihler, Cornelia Horasz, Miriam Lange und Schulleiter Manfred Heuer (v.l.) vom Gymnasium Georgianum bedankten sich für die Lehrtätigkeit.
Foto: Johannes FrankeBis zur Verabschiedung Ende Januar lehrte Georg Wichmann (4.v.l.) dreii Jahren Deutsch als Zweitsprache und eröffnete den jungen Flüchtlingen eine Perspektive. Auch die Verträge für Hendrika Hölman, Ulli Sudek und Reiner Stroink (2.,3. und 5. v.l.) laufen bald aus. Elke Ihler, Cornelia Horasz, Miriam Lange und Schulleiter Manfred Heuer (v.l.) vom Gymnasium Georgianum bedankten sich für die Lehrtätigkeit. Foto: Johannes Franke

Lingen. Nach dreijähriger Tätigkeit als Lehrer für „Deutsch als Zweitsprache“ ist der pensionierte Oberstudienrat Georg Wichmann zum Halbjahresabschluss am Gymnasium Georgianum verabschiedet worden.

„Herr Wichmann ist sozusagen ein ‚Lehrer der ersten Stunde‘, der nach Eintreffen zahlreicher Flüchtlinge im Herbst 2015/Frühjahr 2016 die Beschulung der jungen, damals oftmals unbegleiteten Flüchtlinge übernahm. Er widmete sich seiner Aufgabe mit ungewöhnlichem Engagement, leistete über seine Tätigkeit hinaus umfassende, ehrenamtliche Arbeit und begleitete die Schüler intensiv in ihrem Ausbildungs- und Integrationsprozess“, betonte und dankte Schulleiter Manfred Heuer. Für die gesamte Schule sei es eine „enorme Herausforderung“ gewesen, schnellstmögliche Hilfe für die großen Flüchtlingsgruppen zu organisieren und zu ermöglichen. Im Frühjahr 2016 wurde am Gymnasium Georgianum ein „besonderer Unterricht“ für Jugendliche angeboten, um die deutsche Sprache zu lernen. Ganz schnell sei Georg Wichmann ehrenamtlich tätig gewesen, bevor die „Bürokratie anlief und Verträge unterschrieben werden konnten“, so Heuer. „Wichtig waren mir die jungen Menschen, damit sie beschult werden konnten, und dass wir miteinander eine gute Lösung fanden“, betonte Georg Wichmann während der Verabschiedung im Kollegium. „Ich wollte den jungen Menschen Perspektiven eröffnen und fand es damals schon enorm beeindruckend, mit wieviel Idealismus in den Sprachgruppen gelernt wurde“, berichtet er. Jugendliche aus Syrien mussten quasi von heute auf morgen im Fach „Deutsch als Fremdsprache“ unterrichtet werden. In englischer Sprache die deutsche Grammatik zu erklären, sei auch für einen erfahrenen Germanisten „Neuland“, gewesen. Viele hätten unsere Schriftzeichen und das Alphabet nicht gekannt. Aus „Wir schaffen das“ wurde „Wie schaffen wir das?“ Bestens unterstützt wurden Wichmann und später weitere Lehrkräfte von der gesamten Schule und den Eltern. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen habe reibungslos funktioniert. Konzepte wurden entwickelt, Lehrbücher und Übungsmaterialien bestellt, behördliche Bestimmungen und Genehmigungen eingeholt. „Nach relativ kurzer Zeit konnten die meisten recht gut lesen, schreiben und sich in der deutschen Sprache unterhalten“, freut sich der Pensionär. Intensiven Deutschunterricht hätten sie in Kleingruppen bis zu sechs Schülern erhalten, „und während der wöchentlich sechs bis acht Stunden einen enormen Ehrgeiz entwickelt, sodass die Noten in allen Fächern mindestens „ausreichend“ lauteten. Für den immensen Einsatz dankte auch Personalratsmitglied Miriam Lange, denn der Sprachunterricht sei für alle eine sehr große Hilfe gewesen. Für Georg Wichmann waren es trotz aller skeptischen Meinungen und Äußerungen „drei gute Jahre mit wunderbaren Jugendlichen, die zwar etwas anders ticken, aber sehr bemüht und willig waren“, betonte er. Zudem dürfe man niemals ihre Schicksale vergessen. Meistens seien die Jugendlichen „guter Dinge“ gewesen, doch trotz aller Freude sei es auch manchmal auf beiden Seiten „frustrierend“ gewesen. „Menschen, die in so jungen Jahren schon zwischen Leben und Tod wählten, mehr erlebten als wir in unserem ganzen Leben, sind relativ schwer lenkbar“, weiß Georg Wichmann die Situationen zu beurteilen. „Da steht das Lernen nicht immer an oberster Stelle.“ Wichtig sei ihm, dass die Schüler nach der zehnten Klasse möglichst einen Abschluss erreichen, einen Beruf erlernen, sogar das Abitur ablegen. Nun ist sein Vertrag abgelaufen, und auch in den kommenden Wochen, Monaten scheiden weitere Lehrkräfte aus. „Unsere Wertschätzung für die geleistete Arbeit aller Lehrkräfte ist hoch und dafür danken wir sehr“, betonte der Schulleiter abschließend.  


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