Für 26-Jährigen selbstverständlich Lingener hilft als Lebensspender zwei Mal dem gleichen Mann

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Jens Rathsmann aus Lingen ist Stammzellspender. Nach seiner Typisierung im Oktober 2014 hat er bereits zwei Mal für einen Mann aus Kanada gespendet. Foto: Jessica LehbrinkJens Rathsmann aus Lingen ist Stammzellspender. Nach seiner Typisierung im Oktober 2014 hat er bereits zwei Mal für einen Mann aus Kanada gespendet. Foto: Jessica Lehbrink

Lingen. Schon mit 18 Jahren hat Jens Rathsmann regelmäßig Blut gespendet. Im Oktober 2014 hat sich der Lingener dann auch bei der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSD) typisieren lassen – und wurde zum Spender. Doch nicht nur ein, sondern bereits zwei Mal.

Seit circa viereinhalb Jahren ist der heute 26-Jährige als Stammzellenspender registriert. Blut spendete Rathsmann bereits regelmäßig. Bei einer Blutspendenaktion wurde er aufmerksam auf die Möglichkeit, sich typisieren zu lassen. Nur einige Monate später, im Februar 2015, erhielt er eine Nachricht von der DSD: „Ich kam als Spender in Frage.“

Keine Nebenwirkungen gespürt

Darauf folgten eine Voruntersuchung, Gespräche und ein Gesundheitscheck im Uniklinikum Münster. Alle Untersuchungen verliefen für Rathsmann, der in seiner Freizeit bei Blau-Weiß Lünne Fußball spielt, problemlos. „Die Spende selbst war für mich wie das Blutspenden – außer, dass ich dabei länger liegen musste“, erzählt Rathsmann. Zwar habe er sich danach etwas schlapp gefühlt, sonstige Nebenwirkungen habe er aber nicht verspürt. „Wenn man so schnell ein Menschenleben retten kann: Warum nicht?“

Briefkontakt mit dem Empfänger

Mit dem Empfänger hatte er bislang lediglich Briefkontakt. „Erst drei Monate nach der Spende kann der Kontakt hergestellt werden“, erklärt der Bürokaufmann. Ob und wie gut der Empfänger die Stammzellenspende annimmt, ist stets unterschiedlich. Für manche bedeutet es ein neues und gesundes Leben. In anderen Fällen endet es, trotz allem, tödlich. Der ältere Herr, für den Rathsmann als Lebensspender in Frage kam und der aus Kanada stammt, überlebte die Stammzellentransplantation.

Keine Sekunde gezögert

Im November 2018 jedoch erhielt Rathsmann erneut eine Nachricht der DSD. Er wurde gefragt, ob er sich nochmals vorstellen könnte, für denselben Mann zu spenden. „Dieses Mal ging es aber um eine Lymphozytenspende“, erläutert der Lingener. Lymphozyten zählen zu den weißen Blutkörperchen und sind zuständig für die natürliche Abwehr des Körpers gegen Bakterien, Viren und Tumorzellen. Das Vorgehen sei das gleiche wie bei der ersten Spende gewesen. „Auch beim zweiten Mal habe ich keine Sekunde gezögert. Hauptsache ich konnte irgendwie helfen“, sagt Rathsmann mit einer herzerwärmenden Selbstverständlichkeit. Wie es zurzeit um den Patienten steht, weiß er allerdings nicht, doch er möchte ihn bald wieder kontaktieren. Man kann mit wenig viel bewirken“ appelliert Jens Rathsmann, dessen Familie stolz darauf ist, dass er gleich zwei Mal zum Lebensspender wurde. 


Wie funktioniert die Spende?

Zum einen gibt es die Knochenmarkspende, bei der ein Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm unter Vollnarkose entnommen wird. Dafür ist eine stationäre Aufnahme von ein bis drei Tagen im Krankenhaus notwendig. Für die Gewinnung von Stammzellen aus dem Blut ist dies in der Regel nicht nötig. 85 Prozent der Stammzellenspenden erfolgen als periphere Blutstammzellspende. Das bedeutet: Nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch durch einen Arzt und einer körperlichen Untersuchung folgt die Stimulation der Stammzellen durch einen Wachstumsfaktor, den sich der Spender selbst über vier bis fünf Tage unter die Haut injiziert. Die eigentliche Spende erfolgt dann in einem Entnahmezentrum. Dafür wird der Spender an einem sogenannten Zellseparator angeschlossen und es werden Zugänge zu den Venen gelegt. Der Separator trennt das Blut in einzelne Bestandteile auf. So können die benötigten Zellen gefiltert werden. Dieser Prozess dauert meist vier Stunden. Die Stammzellen des Spenders regenerieren sich in den folgenden Wochen von allein. Weitere Infos zum Thema gibt es auf www.deutsche-stammzellspenderdatei.de sowie auf www.dkms.de.

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