Erinnerungen an die Schneekatastrophe Winter 1978/1979: Bei Erreichen der Küste sahen alle nur noch weiß

Auch in Fürstenau türmten sich im Extremwinter 1978/1979 die Schneemassen. Im Bild Juliane Küpper, die jetzt in Lingen wohnt. Foto: Archiv Juliane KüpperAuch in Fürstenau türmten sich im Extremwinter 1978/1979 die Schneemassen. Im Bild Juliane Küpper, die jetzt in Lingen wohnt. Foto: Archiv Juliane Küpper

Lingen. Sehr genau erinnert sich noch der Lingener Peter Krämer an die Schneekatastrophe 1978/1979. Hier sein Erfahrungsbericht.

Während es unaufhörlich zu schneien begann, saß ich hoch und trocken auf der Bohrinsel Transocean als Funker.Mein Dienst dauerte 12 bis 13 Stunden täglich für 14 Tage. Im niederländischen TV gab es Bilder von der einsetzenden Katastrophe. Da ich in der Funkbude jederzeit auch über Richtfunk mit dem Festland Kontakt mit zu Hause aufnehmen konnte, tat ich dieses sofort und hörte von dem zugeschneiten Lingen. Ich riet meiner Frau, noch schnell genug einzukaufen, vor allem auch für meine beiden fünf und acht Jahre alten Jungs. Bäcker Hinken, nur circa 400 Meter entfernt, war nur noch mit Mühe zu erreichen. Zum Glück wohnten auch die Schwiegereltern nicht weit entfernt.

Auto unter einer Schneewehe verschwunden

Einige Tage später kam der Hubschrauber und holte uns von der Bohrinsel ab.18 Mann, eine komplette Schicht, für 14 Tage ab nach Hause. Flug circa eine Stunde, bei Erreichen der Küste sahen alle nur noch weiß. Nach der Landung auf Schiphol mussten erstmal alle Autos freigeschaufelt werden. Meinen Wagen hatte es besonders erwischt, vor einem Hangar stehend war er komplett unter einer Schneewehe verschwunden. Auch die anderen hatten alle zu kämpfen. Fast alle waren aus Ostfriesland und hatten, wie sie später erzählten, bis zu 24 Stunden gebraucht, um in ihre Dörfer und Städte in Ostfriesland zu kommen. 

Straßen in den Niederlanden gut befahrbar

Ich musste nach Lingen und hatte aus Nordhorn, Klausheide und Kiel drei Mitfahrer im Auto. Zunächst habe ich im Bahnhof in Bad Bentheim den Kieler abgesetzt ,der dann etwa drei mal so lange bis nach Hause brauchte wie normal .Die Straßen in den Niederlanden waren im Gegensatz zu denen bei uns gut befahrbar. Bis Lingen brauchte ich etwa fünf statt drei Stunden wie im Normalfall. 

Schneemann mit Rekordmaßen

Zu Hause war normales Parken noch nicht möglich. Es galt, erstmal eine Schaufel zu holen und Schnee zu schippen. Dann nahm ich die zwei Kleinen an die Hand und ging mit Ihnen zu Fuß zum Tante Emmaladen und zu Leos Backstube. Einige Kilo Makrelen, frisch geräuchert, waren schnell verzehrt. Nach etwa zwei Tagen war mithilfe der Bundeswehr wieder ein einigermaßen normaler Verkehr möglich. Der mithilfe einiger Nachbarn gebaute Schneemann hatte Rekordmaße. Die Rückfahrt nach Schiphol verlief fast schon normal.


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