Landwirtschaftstag Lohne: Landwirtschaft zwischen Sorgen und Stolz auf die Leistung

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Über viele Detailfragen wurde beim Tag der Landwirtschaft in Wietmarschen-Lohne diskutiert: (von links) Johann Kalverkamp, Markus Korte, Dietrich Holler, Peter Janßen,Peter Kunzmann, Gereon Schulze Althoff, Bernd Hopmann und Jürgen Hölscher. Foto: Ludger JungeblutÜber viele Detailfragen wurde beim Tag der Landwirtschaft in Wietmarschen-Lohne diskutiert: (von links) Johann Kalverkamp, Markus Korte, Dietrich Holler, Peter Janßen,Peter Kunzmann, Gereon Schulze Althoff, Bernd Hopmann und Jürgen Hölscher. Foto: Ludger Jungeblut

Wietmarschen. Rund 150 Landwirte haben am "Tag der Landwirtschaft" in der Landwehr-Akademie in Wietmarschen-Lohne teilgenommen. Unter dem Motto "Alle wollen, dass Tiere sich wohlfühlen", hatten die Volksbank Lingen, die Volksbank Süd-Emsland sowie die VR-Agrarberatung eingeladen. Deutlich wurde, dass die Landwirte sich ihren Stolz auf ihre Leistung nicht nehmen lassen.

Jürgen Hölscher, Vorstand der Volksbank Lingen, wies eingangs darauf hin, dass die Landwirtschaft gefordert sei, Antworten auf die Kritik an der Haltung von Tieren in der modernen Landwirtschaft zu finden.  Dietrich Holler, Moderator der ausverkauften Veranstaltung, stellte anschließend Prof. Dr. Peter Kunzmann von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover vor, der in seinem Vortrag grundlegende ethische Fragen beleuchtete. "Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Tierethik", erklärte der Experte und fügte hinzu: "Ich komme nicht aus der Landwirtschaft und möchte ein ehrlicher Makler sein, um Gräben zu überwinden."


Jürgen Hölscher, Vorstand der Volksbank Lingen, hieß die Gäste beim Tag der Landwirtschaft willkommen. Foto: Ludger Jungeblut


Nach den Worten des Professors hat sich das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier grundlegend geändert. Seit der Jungsteinzeit habe der Mensch in seinem unmittelbaren Umfeld Nutztiere gehalten. Inzwischen hätten die meisten Menschen aber kaum noch Kontakt zu den Nutztieren, weil diese außerhalb der Dörfer in Ställen gehalten würden. Zugleich würden die Haustiere in hohem Maße vermenschlicht. "In einer Umfrage sagten 90 Prozent der Befragten, dass sie ihren Hund oder ihre Katze als vollwertiges Familienmitglied betrachten."


Einen viel beachteten Vortrag zum Thema Tierethik hielt Prof. Dr. Peter Kunzmann. Foto: Ludger Jungeblut


Der Experte unterschied klar zwischen Tierwohl und Tierrechte. Der Streit um die Haltung von Tieren in der Landwirtschaft sei letztlich auf die Frage zurückzuführen, welchen moralischen Rang Tiere hätten.  Diese Frage habe früher in der Philosophie überhaupt keine Rolle gespielt. Ausgehend von der Erkenntnis, das Tiere Leid empfänden, setzten sich kleine, aber wirkungsmächtige Gruppen wie die Tierrechtsorganisation Peta für die Abschaffung jeglicher Tierhaltung ein und verglichen diese mit der Sklaverei. In Anbetracht dieser Grundsatzposition hielt Kunzmann einen Dialog zwischen Landwirten und den Tierrechtlern nicht für möglich.


Auf die schwierige Lage der Betriebe, die Schweine halten, verwies Landwirt Peter Janßen aus Wietmarschen-Lohne. Foto: Ludger Jungeblut


In puncto Tierwohl sah der Professor hingegen Möglichkeiten, durch Verbesserungen bei der Tierhaltung die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen. "Gesunde Tiere geben mehr Leistung und senken die Tierarztkosten", verwies er auch auf den wirtschaftlichen Aspekt. Ziel müsse es sein, sichere und bezahlbare Lebensmittel unter möglichst geringer Belastung für die Tiere und die Umwelt zu erzeugen.


Fleisch ist nach Überzeugung von Dr. Gereon Althoff (Unternehmen Tönnies) Teil einer gesunden Ernährung. Foto: Ludger Jungeblut


Dr. Gereon Schulze Althoff, Leiter Qualitätsmanagement und Veterinärwesen in der Tönnies-Gruppe, unterstrich die Notwendigkeit, dass die Landwirtschaft ihre Außendarstellung verbessert. Fleisch, das hochwertiges Eiweiß liefere, sei unverzichtbarer Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. In der anschließenden Diskussion verwiesen die Landwirte Peter Janßen (Wietmarschen-Lohne) und Bernd Hopmann (Emsbüren) auf die derzeit sehr schwierige Lage der Schweine haltenden Betriebe. Zugleich kritisierten sie die maßlose Kritik an Bauern, die vielen Berufskollegen die Freude an der Arbeit verleide.


Mit Präsenten bedankte sich Jürgen Hölscher, Vorstand der Volksbank Lingen, bei den Teilnehmern der Podiumsdiskussion (weiter von links) Dietrich Holler, Dr. Gereon Schulze Althoff, Peter Janßen, Bernd Hopmann und Prof. Dr. Peter Kunzmann. Foto: Ludger Jungeblut


Abschließend hob Hölscher die Bedeutung der landwirtschaftlichen Betriebe für die hiesigen Volksbanken hervor. "Der Anteil des Kreditvolumens für die Landwirtschaft  liegt bei der Volksbank Lingen bei 25 Prozent, bei der Volksbank Süd-Emsland ist dieser Anteil sogar noch höher."


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