Wiener Flair im Emsland Spritziges Neujahrskonzert des Lingener Kammerorchesters

Spritzige Momente mit dem "Cancan" von Jacques Offenbach bot das Lingener Kammerorchester gemeinsam mit der Tanzgalerie Lorenz beim traditionellen Neujahrskonzert im Theater an der Wilhelmshöhe. Foto: Peter LöningSpritzige Momente mit dem "Cancan" von Jacques Offenbach bot das Lingener Kammerorchester gemeinsam mit der Tanzgalerie Lorenz beim traditionellen Neujahrskonzert im Theater an der Wilhelmshöhe. Foto: Peter Löning
Peter Löning

Lingen. Alles Walzer! Mit einem Strauß von „Melodien aus dem Land der Operette“ lud am vergangenen Sonntag das Lingener Kammerorchester zu seinem Neujahrskonzert in das Lingener Theater an der Wilhelmshöhe. Und - Chapeau! - das Theater war komplett ausverkauft, die Stimmung hervorragend.

Mit bewährter Unterstützung der Tanzgalerie Lorenz bot sich dem Publikum ein schwelgend wiegendes, wie auch farbenfroh genussreiches Programm, das ein wenig Wiener Flair ins Emsland brachte.


Ein prächtig getanzter "Blumenwalzer" aus Tschaikowskys "Der Nussknacker" bereicherte das Programm im Neujahrskonzert des Lingener Kammerorchesters. Foto: Peter Löning.


Ein schönes Bonbon war dabei die Moderation von Isabel Dill. Die Studentin bekannte eingangs, sie habe noch vor kurzem nichts von ihrer Aufgabe geahnt, hier vor großem Publikum sprechen zu dürfen. Gleichwohl meisterte sie diese Aufgabe bravourös und führte die Hörer mit einer Mischung aus Hintergrundinformationen und persönlichen Eindrücken angenehm durch die Veranstaltung. „Spätestens wenn der Cancan beginnt, ist es um mich geschehen“, kommentiert sie den Ausflug in die herrliche Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques Offenbach.

Bei diesem Stück - wie kann es anders sein - schwangen die Mädels der Tanzgalerie ihre Beine bis an den Anschlag und gaben der eh schon mitreißenden Musik mit schönen Bildern ein gehöriges Maß zusätzlicher Würze.

Sowieso kann Operettenfans das Herz übergehen allein beim Lesen des Programmzettels mit Sprengseln aus „Der Zigeunerbaron“, "Die Fledermaus“, „Die schöne Helena“ oder „Eine Nacht in Venedig“. Und unter dem souveränen wie kreativen Dirigat von Lulzim („Luli“) Bucaliu bereitet es dem Orchester hörbar großen Spaß zu spielen, und gemeinsam meistern sie dieses Konzert sehr genussvoll. Manche Melodie hört man im Publikum leise mitgesummt. Toll gemacht.

Ein besonders effektvolles Extra ließ die Hörer zunächst irritiert aufhorchen, brach doch der „Valse Lento“ aus Emmerich Kálmáns „Die Csárdásfürstin“ plötzlich und unvermittelt ab. Luli, im Hauptberuf Mitglied im „Luftwaffenmusikkorps Münster“ der deutschen Bundeswehr, ließ sich an dieser Stelle eine Klarinette durch das Orchester anreichen, um das Ende dieses wunderschönen Stückes selbst mitzuspielen. Großer Applaus!

Im "Valse Lento" aus „Die Csárdásfürstin“ der Dirigent Lulzim Bucaliu selbst den Klarinettenpart. Ein sehr effektvoller Moment. Foto: Peter Löning

Zwei Johann-Strauss-Melodien dürfen in einem solchen Programm keinesfalls fehlen, so die „Tritsch-Tratsch-Polka“ und natürlich „An der schönen blauen Donau“. Darauf wartet ein jedes Publikum, wie auf den ebenso obligatorischen „Radetzky-Marsch“ von Strauss Vater. Das ist immer wieder schön und erklang hier mit großer Lust.


Ein Muss in jedem Neujahrskonzert: beim "Radetzky-Marsch" von Johann Strauss (Vater) wird munter mitgeklatscht. Foto: Peter Löning


Die erste der Zugaben brachte dagegen Unerwartetes und auch stilistisch Abweichendes. Das Lingener Kammerorchester und eine weitere Gruppe der Tanzgalerie Lorenz entführten irisch folkloristisch und leichtfüßig zu „Lord of the Dance“.


Mit "Lord of the Dance", getanzt von der Tanzgalerie Lorenz kam in der Zugabe eine gänzlich neue Farbnuance in das Neujahrskonzert des Lingener Kammerorchesters. Foto: Peter Löning


Vielen Dank für diesen prickelnd perlenden Jahresauftakt.

Für sein Jahreskonzert im Herbst plant das Lingener Kammerorchester, als eine Art Stipendium, einem Preisträger von "Jugend musiziert" einen gemeinsamen Auftritt zu ermöglichen. 


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