Exzellenter Verwandlungskünstler Bernd Lafrenz spielt Romeo und Julia im Lingener Professorenhaus

Elisabeth Tondera

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Der Verwandlungskünstler Bernd Lafrenz begeisterte wieder einmal das Publikum im Lingener Professorenhaus. Foto: Elisabeth TonderaDer Verwandlungskünstler Bernd Lafrenz begeisterte wieder einmal das Publikum im Lingener Professorenhaus. Foto: Elisabeth Tondera

Lingen. Das Studioprogramm ist ohne Bernd Lafrenz kaum noch denkbar. Zuverlässig einmal im Jahr ist er zu Gast im Professorenhaus und präsentiert eine seine Shakespeare Adaptionen vor ausverkauftem Haus. Allein die Idee, Shakespeares personenreiche Stücke als One-Man-Show zu spielen, scheint verrückt. Aber sie funktioniert, und wie.

Diesmal war es „Romeo und Julia“, die berühmteste, schönste und traurigste Liebesgeschichte der Welt: „die Geschichte der Geschichten“. Lafrenz wäre nicht Lafrenz, wenn er nicht eine witzige Rahmenhandlung um das Drama gestrickt hätte. Das Stück beginnt mit dem Fahrradboten Balthasar, der den Kurierdienst in 21. Generation betreibt. Sein Ur-Ur-Ur-Großvater hatte einst in Verona von Romeo den Auftrag bekommen, aller Welt von seiner großen Liebe zu Julia zu erzählen. 

 Verändert die Stimmung

Das tut Balthasar und überwindet mühelos Zeit und Raum. Mit einem Sprung landet er in Verona des 15. Jahrhunderts, und da wird es sehr turbulent. Lafrenz gibt einen Schnelldurchlauf durch das Liebesdrama, ohne die Story zu verändern – er fügt nur hier und da etwas hinzu, erzählt die Geschichte größtenteils in moderner Sprache (ab und zu flicht er ein Shakespeare-Zitat ein), verändert die Stimmung: Wann hat man schon Julia als pubertierende Göre erlebt, die seilhüpfend die Zeit überbrückt, bis ihre Amme von Romeo zurückkehrt und dann ungeduldig fragt: „Und? Was hat er gesagt? Was hat er gesagt?“

Virtuose Verknappung

Lafrenz geht den Weg der eigenwilligen Interpretation und der virtuosen Verknappung. Er ist die Julia und die Amme, Romeo und seine Freunde und alle anderen Figuren des Dramas, dabei ändert er die Körperbewegung, Mimik und Stimme derart rasant, dass der Eindruck entsteht, er spiele mehrere Rollen gleichzeitig. Man glaubt, ganze Menschengruppen auf der Bühne zu sehen: eine Straße in Verona, auf der sich die Mitglieder der verfeindeten Familien Montague und Capulet gegenseitig umbringen, das Fest bei den Capulets, auf dem Romeo, der eigentlich wegen Rosalinde gekommen ist, sich unsterblich in Julia verliebt. Blitzschnell wechselt Lafrenz die Identitäten: von Mann zu Frau, von Jung zu Alt, von vergnügt zu finster. Dabei verwendet er nur wenige Requisiten und Kostüme. Mal setzt er eine Kappe oder eine Krone auf, mal wirft er ein Tuch um, das im nächsten Moment die Julia darstellt, mal verwendet er eine Schweißmaske, um einen Beichtstuhl darzustellen. Seine Verwandlungskunst grenzt manchmal an Clownerie, doch die Liebestragödie gerät nie zur Farce. Der Künstler interpretiert „Romeo und Julia“ sehr eigenwillig, frisch und komisch, ohne den Inhalt zu verfälschen.

 

Es ist eine Freude, diesem rasanten Spiel zu folgen. Das Konzept des Solokünstlers geht so brillant auf, dass immer wieder begeisterte Zwischenrufe aus dem Publikum zu hören sind. Wer dabei gewesen ist, freut sich schon auf das nächste Gastspiel von Bernd Lafrenz – spätestens in einem Jahr.

 


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