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Teile aus dem künstlerischen Nachlass in der Buchhandlung Blanke Kreatives Schaffen war das Leben des Lingener Künstlers Friedel Kunst

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Stolz zeigt Manfred Kunst (rechts) Gastgeber Robert Blanke jun. das von seinem Bruder für ihn gefertigte Boot.Foto: RiedelStolz zeigt Manfred Kunst (rechts) Gastgeber Robert Blanke jun. das von seinem Bruder für ihn gefertigte Boot.Foto: Riedel

Lingen. Gemurmel dringt aus der Buch- und Kunsthandlung Blanke in der Burgstraße. Wortfetzen wie „Wir haben ihn gut gekannt, den Friedel … Einmal hat er ein lebendes Huhn zum Wochenmarkt getragen … Er war ein liebenswerter Mensch.“ Über Letzteres besteht bei den Gästen kein Zweifel, die zur Eröffnung einer Ausstellung über die Malerei und Bildhauerkunst des Lingeners Friedrich Kunst, der vor zehn Jahren verstarb, gekommen sind.

Es war eine etwas andere Ausstellung, emotionaler als solche, die sonst zu erleben sind. Im Hause Blanke herrscht Trauer über den Verlust des Seniorchefs, Hermann Blanke, der vor wenigen Tagen starb. Versöhnliches über das unausweichliche Schicksal, die gemeinsame Freundschaft, die zwischen Kunst und Hermann Blanke herrschte, ließ es zu, dass das Ereignis mit einer stillen Freude möglich war.

Manfred Kunst, der zwölf Jahre jüngere Bruder des Malers und Bildhauers, kehrte vor einiger Zeit aus Berlin nach Lingen zurück und begann die Hinterlassenschaften seines Bruders zu sichten. Das sei nicht einfach gewesen, schließlich habe es sich bei Friedel, wie er von allen genannt wurde, um einen Sammler gehandelt, der alles gebrauchen konnte und viele Materialien verarbeitet habe. Jetzt wolle er zumindest einen kleinen Teil von dessen Werken in der Buch- und Kunsthandlung Blanke der Öffentlichkeit vorstellen.

„Friedel war schon immer ein bisschen sonderbar. Stets versunken in seine Ideen, vergaß er als Kind oft, rechtzeitig am Mittagstisch zu erscheinen“, erinnert sich Manfred Kunst. Alles, was handwerklich war, habe seinen Bruder in den Bann gezogen. Manfred Kunst betonte, dass er heute stolz sei, ein kleines Boot zu besitzen, das Friedel extra für ihn gebaut habe – eine bleibende, wertvolle Erinnerung.

Friedel habe die Natur geliebt, aus der er Ideen schöpfte. „Wenn Friedel von seinen späteren Ausbildungsplätzen, wie dem Besuch der Meisterschule für das gestaltende Handwerk in Flensburg, nach Hause kam, konnten wir das riechen, denn er fing sofort an zu arbeiten, und das ganze Haus roch dann Knochenleim“, lacht Manfred Kunst.

Zeit sei für seinen Bruder etwas Kostbares gewesen. Manchmal sei er ihm wie ein Gejagter vorgekommen, weil er so viele Ideen habe umsetzen wollen. So hat Friedel in Lingen zahlreiche Spuren hinterlassen, sei es die Weltkugel an der Castellschule, das Zwangsarbeiterdenkmal an der Halle IV, der Machurius. Wobei die Frage auftauchte, wo Friedels Tafel mit den Namen der Kriegsheimkehrer geblieben ist.

Die Ausstellung vermittelt, dass Friedel Kunst mit Inbrunst seiner Arbeit nachging, feinfühlig seine Skulpturen erschuf. Friedrich Kunst, der trotz vieler Auslandsreisen immer wieder nach Lingen zurückkehrte, war kein Eigenbrötler. Er habe die Menschen und seine Heimat geliebt, habe sich aber gerne zurückgezogen, um sich dem künstlerischen Schaffen hinzugeben, resümiert sein Bruder.


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