Landgericht unterbricht Verhandlung Lingener auf emotionaler Achterbahnfahrt vor dem Richter

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Das Landgericht Osnabrück. Foto: Michael GründelDas Landgericht Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Eine emotionale Achterbahnfahrt bei einem 38-Jährigen aus Lingen hat das Landgericht Osnabrück am Montag erlebt. Die Berufungsverhandlung wurde nach zwei Stunden unterbrochen, weil der Richter die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten als nicht gegeben sah.

Das Amtsgericht Lingen hatte ihn zu einer Haftstrafe verurteilt, da das Gericht es als erwiesen ansah, dass er in Lingen bei zwei Autohäusern Nobelkarossen mit einer gefälschten Fahrerlaubnis leasen wollte. Nun erfolgte die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht.

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – besser lässt sich der Gemütszustand des 38-Jährigen nicht beschreiben. Was der Auslöser für die emotionale Achterbahnfahrt im Gerichtssaal war, wurde nicht ermittelt. Doch nach zwei Stunden wirrem Redens, nicht beendeter Sätze, Tränenausbrüchen und überdrehten Äußerungen zog der Vorsitzende der Berufungskammer am Landgericht Osnabrück die Notbremse und unterbrach die Verhandlung. „Wir nehmen uns einen weiteren Tag Zeit und hoffen, der Angeklagte ist dann weniger von seiner Angst gesteuert und bringt ein besseres Nervenkostüm mit“. 

Bereits beim Verlesen des Urteils aus der Erstinstanz hatte der Angeklagte geistesabwesend gewirkt, mit seinem Anwalt getuschelt und die Zuschauer gemustert. Doch in diesem Stadium hatte er dem Gesagten noch folgen können und war in der Lage gewesen, zusammen mit seinem Verteidiger den Vorschlag des Gerichts zu beraten, die Berufung auf das Strafmaß zu beschränken, was bedeutete, die ihm zur Last gelegten Vorwürfe einzugestehen. „Ich habe den Gewerbeschein gefälscht, den ich dafür benutzen wollte, Leasing-Verträge für drei Autos abzuschließen“, erklärte er. Ebenso bestätigte er, mit einer nicht korrekten Fahrerlaubnis öffentliche Straßen befahren zu haben. 

Hochpreisige Nobelkarossen

Der einschlägig vorbestrafte Computerfachmann war im August 2017 innerhalb weniger Tage bei zwei Autohäusern in Lingen vorstellig geworden, um dort hochpreisige Nobelkarossen zu leasen. Allein zwei der Fahrzeuge sollen zusammen einen Wert von 250.000 Euro gehabt haben, auch das dritte besaß einen Kaufpreis von mehr als 50.000 Euro. Rückfragen des Autohauses bei den entsprechenden Stellen hatten jedoch schnell ergeben, dass der vorgelegte Gewerbeschein keine Gültigkeit besaß, so dass kein finanzieller Schaden entstanden war.

Doch schon der Versuch des Betruges ist strafbar. Im Verfahren vor dem Amtsgericht in Lingen waren die einschlägigen Verurteilungen des 38-Jährigen sowie einige weitere Urteile gegen ihn in die Waagschale gelegt worden, so dass am Ende eine Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betrugs, gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis gekommen war. Als Strafmaß hatte das Gericht zwei Jahre und acht Monate Haft festgelegt.

Angst vor dem Gefängnis?

Die Angst, wieder ins Gefängnis zu müssen, hatte dem Angeklagten wohl so sehr im Nacken gesessen, dass er jetzt auf ein Höchstmaß emotional aufgewühlt war und ein sonderbares Verhalten an den Tag legte. Mehr und mehr schien er im Gerichtssaal den Kontakt mit der Wirklichkeit zu verlieren, so dass sich das Gericht gezwungen sah, die Sache zu vertagen.

Ob es im Berufungsverfahren bei dem vom Amtsgericht ausgesprochenen Strafmaß bleiben wird, ist offen. Sein jetzt abgelegtes Geständnis sowie die positiven Äußerungen des Bewährungshelfers über das Verhalten des Angeklagten können zu einer Minderung des Strafmaßes führen, vielleicht sogar zu einer Strafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Das Verfahren wird am 4. Februar fortgesetzt.


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