Akademisierte Pflege Vom Campus Lingen direkt auf die Station 26

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Maike Naber hat am Campus Lingen Pflege dual studiert. Seit Oktober 2018 arbeitet sie auf der Wahlleistungsstation des Lingener Bonifatius-Hospitals. Foto: Wilfried RoggendorfMaike Naber hat am Campus Lingen Pflege dual studiert. Seit Oktober 2018 arbeitet sie auf der Wahlleistungsstation des Lingener Bonifatius-Hospitals. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Rund 300 Pflegekräfte arbeiten auf den Stationen des Lingener Bonifatius-Hospitals. Nur zwölf davon haben eine akademische Ausbildung. Maike Naber gehört dazu: Die 24-Jährige hat am Campus Lingen Pflege dual studiert.

Von Oktober 2014 bis September 2018 hat Nabers Studium gedauert – ein Jahr länger als die normale Pflegeausbildung. "Die vier Jahre waren sehr lehrreich", sagt die junge Frau aus Itterbeck. Schon neben ihrem Abitur hat sie als Hilfskraft in einer Pflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderung gearbeitet. "Ich kannte diesen breit gefächerten Bereich also", sagt Naber und informiert sich über die Ausbildungsmöglichkeiten. Dabei sei sie auf das Angebot in Lingen gestoßen. "Warum sollte ich das nicht nutzen, wenn ich in der Umgebung wohne",meint Naber.

Mehrere Praxiseinsätze

Wie jeder dual Studierende brauchte Naber ein Ausbildungsunternehmen. Ihr Anstellungskrankenhaus wird 2014 das Bonifatius-Hospital. Hier hat sie Praxiseinsätze ebenso wie am St.-Elisabeth-Krankenhaus in Thuine, an der Hedon-Klinik und bei ambulanten Pflegediensten. Die Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung absolviert Naber an der Akademie St. Franzikus in Lingen. Sie ist die gemeinsame Pflegeschule von Boni und St. Elisabeth. Insoweit unterscheidet sich Nabers Ausbildung nicht wesentlich von der anderer Pflegekräfte.

Größeres Spektrum an Theorien kennengelernt

Den Unterschied macht der akademische Anteil am Campus Lingen aus. "Dabei wird wissenschaftliches Arbeiten durch Hausarbeiten und Literaturrecherche mehr verankert", sagt Naber. Zudem habe sie ein größeres Spektrum an Theorien kennengelernt und Projekte entwickelt. "Für die Palliativstation in Thuine habe ich ein Infoplakat entwickelt, das Unterschiede, aber auch Verknüpfungen, zwischen stationärer und ambulanter Palliativpflege verdeutlicht" nennt die 24-Jährige ein Beispielprojekt aus ihrem Studium.

Bachelorarbeit mit regionalem Bezug

Fast ein halbes Jahr lang hat Naber im Bonifatius-Hospital an ihrer Bachelorarbeit geschrieben. "Ausgehend von einem konkreten Fall habe ich nach Möglichkeiten gesucht, damit ein Patient durch Stabilisierung und Gestaltung seines sozialen Umfeldes möglichst lange zuhause leben kann", erläutert Naber. Aus ihren Ergebnissen könnten jetzt Maßnahmen für andere Patienten abgeleitet werden. Wichtig dabei war Naber der regionale Bezug: "Ich habe gefragt, welche Möglichkeiten gibt es hier? Was es in Bayern gibt, hilft unseren Patienten hier nicht."

Projekte anschieben

Seit Oktober 2018 arbeitet die Bachelorabsolventin jetzt auf Station 26 des Bonifatius-Hospitals. Dort sind rund 25 Pflegekräfte tätig. Neben Naber hat noch eine weitere davon eine akademisierte Ausbildung. "Wir arbeiten alle Hand in Hand", versichert Naber. "Aber wir bringen uns vielleicht etwas anders ein, schieben Projekte auf der Station an."

Standards setzen und weiterentwickeln

Genau dies ist es, was Ludwig Kerschbaum, Pflegedirektor des Bonifatius-Hospitals, von seinen akademisch ausgebildeten Mitarbeitern erwartet: "Nach einer individualisierten Einarbeitung werden sie die Stabsstelle der Stationsleitung und sind unter anderem für die Fortbildung der Mitarbeiter zuständig."  Darüber hinaus sollen sie neue Pflegekonzepte entwickeln und diese ebenso wie den Einsatz neuer Pflegemittel auch auswerten. "Was bringt unseren Patienten und uns das?", sei die Frage. In einem wissenschaftlichen Kompetenzzentrum habe das Bonifatius-Hosopital die akademisierten Pflegekräfte aller Stationen unter Leitung einer Pflegewissenschaftlerin zusammengefasst. "Dort sollen sie neue Standards setzen und vorhandene weiterentwickeln", sagt Kerschbaum.

Zahl am Boni verfünffachen

Das Bonifatius-Hospital sei mit seinem Lingener Konzept zum Einsatz akademisierter Pflegekräfte, das deutschlandweit präsentiert würde, ein Vorbild für viele andere Häuser, betont der Pflegedirektor nicht ohne Stolz. Trotzdem sieht er sowohl in Deutschland als auch am Boni weiteren Handlungsbedarf. "Bei der akademischen Ausbildung von Pflegekräften liegt Deutschland europaweit an drittletzter Stelle", klagt Kerschbaum. Am Bonifatius-Hospital möchte er die Zahl in den nächsten zehn Jahren verfünffachen. "Wir haben einen Bedarf an 60 akademisierten Pflegekräften, wenn wir unser Ziel, auf allen Stationen eine oder besser zwei einzusetzen, erreichen wollen." 

Glücklich auf Station 26

Naber soll es recht sein. Sie könne das duale Pflegestudium, in dem sie sich auch persönlich entwickelt habe, nur weiterempfehlen. Es habe sie gut auf das Berufsleben vorbereitet. "Und im Moment bin ich einfach nur glücklich auf der 26." 


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