Personalsuche im Emsland Viele Baumaßnahmen – doch der Straßenbehörde fehlen Ingenieure

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Der Landesetat für die Sanierung von Straßen, Brücken und Radwege in Niedersachsen ist aufgestockt worden. Von dem Geld profitiert das Emsland – doch es gibt einen Ingenieurmangel. Foto: colourboxDer Landesetat für die Sanierung von Straßen, Brücken und Radwege in Niedersachsen ist aufgestockt worden. Von dem Geld profitiert das Emsland – doch es gibt einen Ingenieurmangel. Foto: colourbox

Lingen. Gerade erst ist der Landesetat für die Sanierung von maroden Straßen, Brücken und Radwege in Niedersachsen um 115 Millionen aufgestockt worden. Von dem Geld profitiert auch das Emsland – doch die zuständige Baubehörde leidet derzeit unter Ingenieurmangel.

Klaus Haberland, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lingen, sitzt am Freitagmorgen in seinem Büro. Vor ihm liegt eine Stellenanzeige. Nicht aufgegeben von seiner Personalabteilung, sondern von der Stadt Hamm. "Ihr baut den Highway to Hamm", steht auf einem Bild in Fettbuchstaben. Im Hintergrund ist die Full Metal Cruise, ein Kreuzfahrtschiff der Tui-Cruises zu sehen, das Heavy-Metal-Festivals auf dem Schiff anbietet. Die Stadtverwaltung richtet sich mit der Stellenanzeige an Bauingenieure und verspricht jedem mit einer erfolgreichen Bewerbung eine Reise dieser Art.

Vier Mitarbeiter haben gekündigt

"So etwas können wir natürlich nicht bieten", sagt Haberland. Auf der einen Seite findet er die Anzeige kreativ, auf der anderen Seite stellen Anzeigen dieser Art eine Art Gefahr für ihn und sein Team dar. Vier Mitarbeiter haben in den vergangenen Wochen bei der Straßenbaubehörde gekündigt. Allesamt Ingenieure, und sie alle gehörten dem Sachgebiet Straßenerhaltung an, das nun nur noch aus vier Mitarbeitern besteht.

Während einige zu anderen Behörden gewechselt sind, arbeiten andere in der freien Wirtschaft. "Ingenieure werden derzeit händeringend gesucht", weiß Haberland. Dass dann private Unternehmen Mitarbeiter mit Prämien abwerben oder Reisen mit Kreuzfahrtschiffen verschenken, für den Behördenleiter nicht verwunderlich. 

"Im kommenden Jahr sind Tarifverhandlungen, da muss finanziell was kommen."Klaus Haberland, Behördenleiter in Lingen

Der Straßenbaubehörde sind in dieser Hinsicht die Hände gebunden, sagt Karl-Heinz Weltring, Leiter der Personalabteilung. Hier gelten Tarifverträge, die wenig Spielraum nach oben lassen. "Im kommenden Jahr sind Tarifverhandlungen, da muss finanziell was kommen", sagt Haberland. Hinzu kommt, dass im Mai 2017 beschlossen wurde, dass sich der Bund einer Gesellschaft privaten Rechts – der Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen und andere Bundesfernstraßen (IGA) – bedienen wird, um die Bundesautobahnen zu sanieren. Die Länder müssen dafür Personal abgeben, zusätzlich schreibt die IGA selbst Stellen aus. Die Bezahlung kommt aus einem eigenen Tarifvertrag. Es herrscht also Konkurrenz aus den eigenen Reihen.

Stellenanzeigen geschaltet

Doch aufgeben wollen Haberland und Weltring nicht. Sie wissen, was die Straßenbaubehörde von der freien Wirtschaft unterscheidet. Nachdem die vier Ingenieure gekündigt hatten, wurde Ende vergangenen Jahres in Zeitungen und auf anderen Plattformen Stellenanzeigen geschaltet. Es wurde mit Homeoffice-Arbeit, Ortsnähe und Vereinbarkeit von Familie und Beruf geworden. Laut Weltring müssten Ingenieure in der freien Wirtschaft oftmals weite Wege zu Baustellen in Kauf nehmen, dies sei hier im Emsland nicht der Fall. Die Anzeigen zeigen Erfolg. Derzeit laufen Vorstellungsgespräche.  

Bei der Straßenbaubehörde gelten Tarifverträge, die wenig Spielraum nach oben lassen. Foto: Julia Mausch

Dass aufgrund von Personalknappheit die Bauarbeiten in der Region nicht planmäßig erledigt werden können, verneint der Behördenleiter. "Wir stellen keine Maßnahmen öffentlich vor, die wir dann nicht abarbeiten können." (Weiterlesen: Diese Straßen, Brücken und Radwege werden im Emsland ab 2019 saniert)

Die Arbeit werde verteilt werden, Personal aus anderen Abteilungen muss unterstützen, um Lücken zu füllen. Derzeit sind im Geschäftsbereich Lingen 65 Mitarbeiter im Innendienst, 13 Beamte im Innen- und fünf Beamte im Außendienst beschäftigt. Hinzu kommen 92 Bundes- und Landeswärter, neun Auszubildene und 19 Kreiswärter. Unter den 203 Mitarbeitern sind rund 35 Ingenieure. Allgemein sind 83 Prozent Männer und 17 Prozent Frauen beschäftigt.

Personalsuche in Hochschulen

Alternativ müsste mehr Geld für Ingenieursbüros ausgegeben werden, die dann ebenfalls unterstützen. Dass das nicht die optimale Lösung ist, wissen Haberland und Weltring. Mit einem finanziellen Zuschuss Mitarbeiter zu binden, ist für sie nicht neu. Seit zwei Jahren werden Studenten, die diese Fachrichtung studieren, mit monatlich 900 Euro unterstützt. Voraussetzung: Sie willigen ein, nach dem Abschluss mindestens fünf Jahre bei der Landesbehörde zu arbeiten. Zusätzlich sind Infoveranstaltungen geplant, um die Vorzüge dieses Berufes, der laut Haberland viele Jahre "verpönt" war, hervorzuheben. Notwendig, sagt Weltring. "Zwar sind die Studentenzahlen angestiegen, die Studienanfänger decken den Bedarf aber bei weitem nicht."


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