"Jugend debattiert" Soll privates Feuerwerk in Lingen und anderswo verboten werden?

Sollen private Silvester-Feuerwerke verboten werden? Um diese Frage ging es bei "Jugend debattiert". Foto: dpaSollen private Silvester-Feuerwerke verboten werden? Um diese Frage ging es bei "Jugend debattiert". Foto: dpa

Lingen. Soll privates Silvester-Feuerwerk verboten werden? Um diese Streitfrage ging es im Schulwettbewerb „Jugend debattiert“ an der Gesamtschule Emsland in Lingen. Acht Schülerinnen und Schüler des 9. und 10. Jahrgangs debattierten, ob und wie ein Verbot von privatem Feuerwerk umgesetzt werden könnte.

Auf erhellende und auch humorvolle Weise setzten sie sich einer Pressemitteilung der Gesamtschule zufolge mit dem Thema auseinander. Es wurde die Position vertreten, dass das private Silvester-Feuerwerk ein schöner Brauch in der Familie sei, bei dem man sich nicht den Spaß nehmen lassen solle. Es sei sehr aufwändig und schwierig, ein Verbot zu kontrollieren. Wirtschaftliche Interessen ständen den Umweltschädigungen und Gefahren des Feuerwerks entgegen. Auf der anderen Seite wurden umweltschädigende Aspekte angeführt und der Vorschlag gemacht, bei einem Verbot in Orten ab 5000 Einwohnern ein öffentliches Feuerwerk zu gestalten.

Wieder viele Besucher beim Pyrozauber am Fuße des Osnabrücker Piesbergs. Foto: André Havergo.


Unter der Leitung der Projektlehrerinnen Gina Arends-Machnik, Helen Wusterack und Marina Horstkamp ging es am zweiten Tag nach den Weihnachtsferien in der Finalrunde um das Thema: Soll in der Europäischen Union die Zeitumstellung beendet werden? Die Finalisten bewiesen, dass sie nach ihrer Vorbereitung und Recherche in den Weihnachtsferien auch diese nicht ganz einfache Streitfrage qualifiziert bearbeiten konnten.

Die zuschauenden Schülervertreter des 8. Jahrgangs, die Jury und Mitglieder der Schulleitung waren von den rhetorischen Fähigkeiten der Debattanten beeindruckt. Es war interessant, spannend und machte Spaß, die Debatten zu verfolgen. Die ersten vier Plätze belegten Thea Esders (10.4), Laura Breher (10.3), Dan Schmidtke (9.4) und Sven Rolfes (10.4) .

Mit Engagement debattierten auch Pia Schütte (9.1), Jan-Luka Gebbe (9.2), Béla Glashörster (9.2), und Matthis Browa (10.4) in den Qualifizierungsrunden. Als aufmerksame und zuverlässige Zeitwächter waren Nele Jansen, Thomas Heidt und Justin Merk aus der 9.2 im Einsatz.

Emma Timmer, ehemalige Schülerin der Gesamtschule Emsland, setzte sich mit ihrem Erfahrungshintergrund (Siegerin auf Schul-, Regional- und Landesebene, Teilnehmerin am Bundeswettbewerb) als Jurorin beim Schulwettbewerb sehr kompetent ein.


Das Thema der Finalrunde lautete: "Soll in der Europäischen Union die Zeitumstellung beendet werden?" Von links: Thea Esders, Sven Rolfes, Laura Breher und Dan Schmidke. Foto: Gesamtschule Emsland


"Gewonnen haben letztlich alle Teilnehmer des Schulwettbewerbs. Beim Training für den Wettbewerb übten sie, bei unterschiedlicher Meinung respektvoll miteinander umzugehen, aktiv zuzuhören und frei zu sprechen", heißt es in der Pressemitteilung. Dadurch lernten sie auch, sicher und selbstbewusst aufzutreten.

Seit Herbst 2016 ist die Gesamtschule Emsland Mitglied im „Jugend debattiert- Regionalverbund Hase-Ems-Vechte“ und nimmt nun das dritte Mal an diesem bundesweiten Wettbewerb offiziell teil. Die vier Finalisten fahren am 29. Januar 2019 zum Regionalwettbewerb nach Nordhorn. Dort werden die besten Debattantinnen und Debattanten der sieben teilnehmenden Schulen aus dem Verbund ermittelt und die Siegerinnen und Sieger qualifizieren sich für den Wettbewerb auf der Landesebene.

Das Projekt "Jugend debattiert" findet in der Gesamtschule Emsland in Lingen großen Anklang. Im Bild die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Jury. Foto: Gesamtschule Emsland




Sachorientiertes Gespräch nach klaren Regeln

Bei „Jugend debattiert“ führen vier Schülerinnen und Schüler ohne Gesprächsleiter nach klaren Regeln ein sachorientiertes Streitgespräch. Zwei Schüler vertreten die Pro- und zwei Schüler die Kontra-Seite. Die Streitfragen werden ihnen beim Wettbewerb 10 Tage vorher zur Vorbereitung bekannt gegeben. Erst eine halbe Stunde vor Beginn der Debatte erfahren die Teilnehmer, ob sie die Pro- oder Kontra-Position vertreten. Deshalb müssen sie die Streitfragen vorher von allen Seiten beleuchtet und gut vorbereitet haben. In der Debatte gewinnt nicht der Lauteste, sondern derjenige, der andere durch Sachkenntnis, Ausdrucks- und Gesprächsfähigkeit überzeugt.

Seit dem bundesweiten Start 2002 ist „Jugend debattiert“ das größte privat-öffentlich finanzierte Projekt zur sprachlichen und politischen Bildung in Deutschland. Weit über 200 000 Schülerinnen und Schüler von ca.1200 allgemeinbildenden Schulen sind jährlich aktiv bei dem Projekt dabei.

Jugend debattiert wird durchgeführt von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und auf Initiative und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Projektpartner sind die Robert Bosch Stiftung, die Stiftung Mercator und die Heinz Nixdorf Stiftung. Kooperationspartner sind die Kultusministerkonferenz, die Kultusministerien und die Parlamente der Länder.

Hintergrund des Wettbewerbs ist, dass die beteiligten Stiftungen mit Jugend debattiert,Schülerinnen und Schüler aller Schularten ermutigen wollen, durch Debattentraining ihre sprachliche, politische und persönliche Bildung zu verbessern.

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