Star Nastassja Kinski als Störfaktor Große Namen, Riesen-Reinfall: Hans-Zimmer-Konzert in Lingen enttäuschend

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Mit halbstündiger Verspätung begann das Konzert um 17.30 Uhr, das Orchester stand im Stau laut Veranstalter. Knapp 500 Besucher kamen. Weil weniger als ein Drittel der Halle gefüllt war, durften Besucher sich wenige Augenblicke vor Beginn aus günstigeren Kategorien nach vorne sitzen. Foto: Mike RöserMit halbstündiger Verspätung begann das Konzert um 17.30 Uhr, das Orchester stand im Stau laut Veranstalter. Knapp 500 Besucher kamen. Weil weniger als ein Drittel der Halle gefüllt war, durften Besucher sich wenige Augenblicke vor Beginn aus günstigeren Kategorien nach vorne sitzen. Foto: Mike Röser

Lingen. Nur knapp 500 Freunde der Filmmusik hat das Konzert "The Music of Hans Zimmer & more" am Mittwoch zur ungewöhnlichen Zeit 17 Uhr in die Lingener Emslandarena gelockt. Abgesehen von wenigen Lichtblicken erlebten sie einen Riesen-Reinfall - auch trotz oder gerade wegen der Überraschungsmoderatorin: Schauspielerin Nastassja Kinski.

Freunde der Filmmusik spitzten die Ohren, als sie von diesem Konzert erfuhren: die Werke von Hans Zimmer, einem der größten seines Fachs, gespielt von einem Orchester, in der Emslandarena in Lingen. Wenige Informationen, wenig Werbung im Vorfeld – ein Geheimtipp vielleicht?

Busse im Stau

Erste Zweifel kamen schon vor Beginn auf, als Verwunderung ins Arenafoyer Einzug hielt, warum denn kurz vor Konzertbeginn die Halle noch nicht geöffnet war. Der "Tourmanager" entschuldigte sich sodann: Zwei Busse hätten im Stau gesteckt, es gehe mit halbstündiger Verspätung los.

Halle nur zu einem Drittel gefüllt

Die knapp 500 Besucher nahmen es gelassen hin; ohnehin hatte ein geplanter Konzertbeginn um 17 Uhr unter der Woche ja schon für Verwunderung gesorgt. In der Halle selbst wurde jenen Besuchern mit Sitzen in der günstigsten Kategorie (rund 30 Euro) der Weg nach vorn gewiesen (bis zu 70 Euro) - nicht einmal ein Drittel der Stühle war besetzt.

Eine Opernsängerin begleitete die Filmmusik von "Gladiator". Foto: Mike Röser

Dann ein unvermittelter Beginn. Wenige Takte aus "Fluch der Karibik" reichten für eine erste Ernüchterung aus: Verpasste Einsätze, die Bläser völlig neben der Spur, die Technik übersteuert. Der Start aus dem Tourbus heraus war den Musikern deutlich anzumerken.

Ein Star als Überraschung

Ebenso unvermittelt eine plötzliche Überraschung. Eine der Sängerinnen kündigte als Moderatorin einen "Weltstar" an: die deutsche Schauspielerin Nastassja Kinski. Als die 57-Jährige, die in den 70er und 80er Jahren ihre größten Erfolge feierte, die Bühne betrat, entfuhr einem Zuschauer ein beherztes: "Ach, Quatsch, nicht wirklich!"

Ein Star als Störfaktor: Nastassja Kinski wirkte als Moderatorin fahrig, erzählte Belangloses, verpasste Einsätze und vergaß Titel. Foto: Mike Röser


Solch ein großer Name in der Show und kein Wort zuvor in den Ankündigungen? Kein prominenter Platz auf den Plakaten? Wer ihren Auftritt erlebte, der erahnte, warum Veranstalter Star Entertainment aus Berlin nicht mit ihr für die Konzerte wirbt. Kinski wirkte fahrig und deplatziert. Sie stammelte Belanglosigkeiten ohne Zusammenhang, verpasste Einsätze und die Ankündigung von Titeln, fuhr der Opernsängerin in die Parade, wenn diese weiter moderieren wollte. Kurzum: Sie war ein Störfaktor und erntete im Publikum im späteren Verlauf auch schon einmal ein "Och, nee", wenn sie wieder an die Reihe kam.

Achselzuckende Streicher, schlummernde Bläser

Applaus gab es schließlich doch für das Sinfonieorchester aus Weißrussland und die vier Sänger. Zunächst höflich zurückhaltend, zum Abschluss in Teilen stehend. Immerhin hatte sich das Orchester entlang der beliebig zusammengewürfelten Hans-Zimmer-Nummern (mit wenig abgestimmten Filmeinspielern und einem kurzen Verweis auf Ennio Morricone) gesteigert bis auf ein ordentliches Niveau. Die Streicher sorgten für wenige Ausreißer nach oben wie bei "Interstellar". Doch auch das Orchester sorgte für Verdruss, was nicht nur an der schlechten Aussteuerung lag: ein Beispiel sind achselzuckende Streicher in der ersten Reihe, denen wohl das nächste Lied nicht bewusst war. Ein anderes war ein Hornbläser, der jede Gelegenheit nutzte, um die Augen zu schließen, und immer wieder gähnte.

Es blieb der Eindruck, dass die Hans-Zimmer-Nummern als (sehr gut) bezahltes Einspielen für das um 20 Uhr beginnende Filmmusik-Konzert zu "Herr der Ringe" - Veranstalter war dort ebenfalls Star Entertainment - genutzt wurden. Ein Großteil des Orchesters spielte auch dieses.


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