Vermindert schuldfähig Amtsgericht schickt alkoholkranken Lingener in Entziehungsanstalt

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Das Amtsgericht Lingen hat einen alkoholkranken Lingener jetzt in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Foto: Swaantje HehmannDas Amtsgericht Lingen hat einen alkoholkranken Lingener jetzt in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Foto: Swaantje Hehmann

Lingen Ein Jahr und drei Monate Haft sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: So lautet das Urteil des Amtsgerichts Lingen gegen einen 27-jährigen alkoholkranken Mann, der sich wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs sowie tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte schuldig gemacht hatte. Alle Taten wurden aufgrund der erheblichen Alkoholisierung des Angeklagten im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte Ende 2017 und Anfang 2018 Waren aus Lingener Supermärkten entwendet hatte. In einem Fall steckte er eine Flasche Korn und einen Damen-Parka im Gesamtwert von knapp 35 Euro sowie mehrere Playstore-Karten, die aufgrund mangelnder Aktivierung jedoch wertlos waren, in einen Rucksack und verließ damit den Markt, nachdem er lediglich zwei Dosen Bier bezahlt hatte. In zwei weiteren Fällen ließ der 27-jährige unbezahlte Lebensmittel und Schnaps im Wert von jeweils unter zehn Euro in seinen Jackentaschen verschwinden.

„Zwei oder höchstens drei Bier“

Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte bestritt die ihm zur Last gelegten Diebstähle ebenso wie ein Alkoholproblem. Er sei an den genannten Tagen „stocknüchtern“ gewesen. Die Tatsache, dass bei ihm nach einem der Diebstähle bereits morgens gegen 10 Uhr ein Atemalkoholwert von 2,5 Promille gemessen worden war, erklärte der 27-jährige lapidar mit dem zuvorigen Genuss von „zwei oder höchstens drei Bier“. „Ich habe meine Sachen immer bezahlt. Ich lass mir keine Diebstähle anhängen. Und ich habe auch gar keine Lust mehr auf Knast, das ist die Hölle“, ließ der Angeklagte wissen, dem die Polizei im Dezember 2017 einen Platzverweis erteilt hatte, weil er auf dem Weihnachtsmarkt in der Lingener Innenstadt randaliert hatte. Diesem Verweis war er jedoch nicht nachgekommen, stattdessen wurde er von den Beamten einige Zeit später als hilflose, weil stark alkoholisierte Person schlafend auf einer Bank im Lookentor aufgegriffen. Als er daraufhin zur Polizeiwache gerbracht werden sollte, wehrte er sich erheblich gegen die Polizeibeamten. Sein Blutalkoholwert belief sich damals auf 2,26 Promille. Offen gestanden hat der 27-jährige einzig den Hausfriedensbruch. Trotz eines Hausverbots hatte er eine Kneipe in der Lingener Innenstadt betreten und dort einen Barhocker zu Boden geworfen, weil er sich über das Hausverbot geärgert habe.

Gutachter: Gewalttätigkeiten nicht auszuschließen

Ein vom Gericht bestellter Sachverständiger führte in seinem Gutachten zur Frage der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt aus, dass beim Angeklagten kein Alkoholmissbrauch, sondern bereits eine Alkoholabhängigkeit vorliege. Bei weiterem Konsum werde der 27-jährige mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit neue Straftaten begehen, Gewaltdelikte seien dabei nicht ausschließbar. Der Sachverständige unterstrich, dass sich der Angeklagte zwar bisher wenig krankheitseinsichtig und therapiebereit gezeigt habe, die Erfahrung jedoch lehre, dass die Motivation bei vielen erst mit der Unterbringung eintrete. Dem ist das Gericht mit seinem Urteil gefolgt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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