Entsorger Remondis mit Problemen Gelbe Säcke türmen sich seit Tagen in Lingen

An vielen Stellen in Lingen liegen die gelben Säcke derzeit seit mehreren Tagen am Straßenrand, so wie hier im Langschmidtsweg. Dort hätten sie bereits am Donnerstag abgeholt werden sollen. Foto: Wilfried RoggendorfAn vielen Stellen in Lingen liegen die gelben Säcke derzeit seit mehreren Tagen am Straßenrand, so wie hier im Langschmidtsweg. Dort hätten sie bereits am Donnerstag abgeholt werden sollen. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Für die Abholung der gelben Säcke ist im Landkreis Emsland und damit auch in Lingen seit dem 1. Januar 2019 der bundesweit tätige Entsorger Remondis zuständig. Doch das in Lünen (Kreis Unna) beheimatete Unternehmen erfüllt seine Abholverpflichtung derzeit teilweise nicht.

Die Lingenerin Marianne Heimes ist sauer. "Am Donnerstag sollte der gelbe Sack bei uns abgeholt werden. Jetzt haben wir Montag und der Sack liegt schon halb zerfleddert immer noch an der Straße", klagt die am Windmühlenberg wohnende Frau. So wie ihr geht es vielen Lingenern im Moment. Mehrere Leser aus den verschiedensten Orts- und Stadtteilen haben sich mit ähnlichen Beschwerden an unsere Redaktion gewandt. Auch in den sozialen Netzwerken sind die liegenbleibenden gelben Säcke ein Thema.

Kein Durchkommen bei der Servicenummer

Heimes ruft beim kostenlosen Servicetelefon von Remondis an. Mit der 0800/1223255 hat sie zwar die richtige Nummer, aber keinen Erfolg. "Ich habe mehrfach angerufen und sollte zunächst meine Postleitzahl per Tastendruck eingeben. Danach bin ich immer wieder in einer Warteschleife gelandet." Abgehoben habe nie jemand. Ähnlich verläuft ein Testanruf unserer Redaktion. Nach minutenlangem Warten meldet sich lediglich ein Anrufbeantworter.

Remondis hält Versprechen nicht ein

Bei Remondis ist schon vom ersten Tag der Abfuhr in Lingen an bekannt, dass es im System hakt. Anna Ephan, Pressesprecherin des Entsorgers, sprach schon am Donnerstag von einem Softwareproblem bei der automatischen Tourenplanung und versicherte, dass bis Freitag die Mittwoch und Donnerstag nicht abgeholten gelben Säcke nachträglich abgefahren würden. An vielen Straßen in Lingen ist zu sehen, dass Remondis dieses Versprechen nicht gehalten hat.

Fehler hätte nicht passieren dürfen

"Die automatische Tourenplanung ist immer noch nicht einsatzfähig", gibt Ephan am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion zu. Ihre Kollegen würden die Sammeltouren im Moment quasi "blind" fahren. Für eine nachträgliche Abholung der gelben Säcke würden Remondis derzeit die Fahrzeuge fehlen. "Wir fahren im Moment die regulären Touren", erklärt die Remondis-Sprecherin. Auf unsere Frage, warum Remondis seinen Fahrern nicht eine Liste mit den anzufahrenden Straßen nebst einem Stadtplan in die Hand gedrückt hat, weiß Ephan nur eine Antwort: "Da haben Sie vollkommen Recht." Es sei ein Fehler passiert, der nicht hätte passieren dürfen. Ephan rät mittlerweile dazu, die nicht abgeholten gelben Säcke bis zum nächsten regulären Termin zurück in Haus zu stellen.

So sah es am Samstagnachmittag in der Lingener Innenstadt aus. Foto: Michael Henning


Auftraggeber von Remondis ist die "Der grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH". Die Schwierigkeiten, die Remondis in Lingen hat, sind dem Kölner Unternehmen bekannt. "Wir haben Remondis zu einer Stellungnahme aufgefordert", erklärt Norbert Völl, Sprecher vom Grünen Punkt. Darin sei von überwiegend technischen Problemen die Rede gewesen. Sein Unternehmen habe großes Interesse daran, dass es mit Remondis möglichst schnell zu einem vertragsgemäßen Zustand komme. "Wir erwarten, dass Remondis die Touren bis Dienstag nachholt und auch die Hotline personell aufstockt. Wir machen weiter Druck", versicherte Völl. Falls nicht, gebe es durchaus Sanktionsmöglichkeiten, die von der Abmahnung über das Zurückhalten von Zahlungen bis zur Kündigung des Vertrages reichen würden.

Remondis kauft "Der grüne Punkt"

Ob die "Der grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH" wirklich Sanktionen gegen Remondis aussprechen wird, scheint fraglich. Denn die Kölner GmbH wurde im September 2018, vorbehaltlich der noch ausstehenden Zustimmung des Kartellamts, aufgekauft. Neuer 100-prozentiger Besitzer: Remondis. Laut dem Sprecher des grünen Punktes soll dies im vorliegenden Fall keine Rolle spielen.


Das duale System Deutschland

1991 trat die Verpackungsverordnung in Kraft, die die Wirtschaft verpflichtete, Verpackungen nach Gebrauch zurückzunehmen und der Verwertung zuzuführen. Seit 2009 sind Hersteller und Vertreiber verpflichtet, ihre an den privaten Endverbraucher gerichteten Verpackungen an einem dualen System zu beteiligen. Eines von neun in Deutschland zugelassenen dualen Systeme ist der 1990 gegründete grüne Punkt

Die dualen Systeme sind laut Verpackungsgesetz verpflichtet, eine "vom gemischten Siedlungsabfall getrennte, flächendeckende Sammlung aller restentleerten Verpackungen bei den privaten Endverbrauchern (Holsystem) oder in deren Nähe (Bringsystem) oder durch eine Kombination beider Varianten in ausreichender Weise und für den privaten Endverbraucher unentgeltlich sicherzustellen".

Die dualen Systeme sind privatrechtlich organisiert und unterscheiden sich damit von der gebührenpflichtigen Abfuhr des Rest- und Biomülls sowie des Altpapiers. Nur diese liegt im Emsland in der Zuständigkeit des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises.

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