Breites Hilfsangebot Anruf vor Heiligabend: Zuflucht im Lingener Frauenschutzhaus

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Hilfe bei häuslicher Gewalt bieten das Frauen- und Kinderschutzhaus und die Beratungs- und Interventionsstelle BISS des SKF in Lingen unter 0591/4129 an. Auch die Polizei hilft unter Tel.: 110 oder 0591/870. Foto: Thomas PertzHilfe bei häuslicher Gewalt bieten das Frauen- und Kinderschutzhaus und die Beratungs- und Interventionsstelle BISS des SKF in Lingen unter 0591/4129 an. Auch die Polizei hilft unter Tel.: 110 oder 0591/870. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Es war der Tag vor Heiligabend am Sonntag vor einer Woche, als es bei der Rufbereitschaft des SKF für das Frauen- und Kinderschutzhaus in Lingen mehrmals klingelte. "Drei Frauen mit ihren Kindern mussten untergebracht werden", schilderte Leiterin Monika Olthaus-Göbel die Situation. Weihnachten, das auch ein Festtag für die Familie ist oder sein soll, ist auch in Lingen nicht überall.

"Die Frauen gingen nicht wegen eines Streits, sondern weil die Gewalt massiv geworden war", sagte Olthaus-Göbel im Gespräch mit der Redaktion. Bei einer Betroffenen sei auch eine ärztliche Versorgung notwendig geworden. Die Polizei habe darauf hingewiesen, dass es mit einem Platzverweis für den gewalttätigen Partner nicht getan sei. Daraufhin sei es zur Aufnahme ins Frauen- und Kinderschutzhaus gekommen, berichtete die Leiterin. "Sie haben noch versucht, Weihnachten zu überstehen – wie groß muss die Not da gewesen sein?", fragte Olthaus-Göbel. 

Bis zum Herbst dieses Jahres hatten in der Einrichtung des Fachverbandes Sozialdienst katholischer Frauen 40 Mütter und 46 Kinder Zuflucht gesucht, eine Zeit zum Durchatmen bekommen und eine umfassende Beratung darüber, wie es nun weitergehen kann. Die Verweildauer der Frauen im Haus ist je nach persönlicher Situation unterschiedlich lang, jedoch länger, als es in früheren Jahren der Fall gewesen ist. "Dies hängt mit der schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt zusammen", verwies die Leiterin auf ein zu geringes Angebot an bezahlbarem Wohnraum.

Erste Wohnung vor 40 Jahren

Das Gebäude des Frauen- und Kinderschutzhauses gehört der Stadt Lingen. Erstmals hatte sie dort 1979 eine Schutzwohnung eingerichtet, 40 Jahre ist das nun bald her. Mitte der 80ger Jahre wandelte der SKF das Haus in ein Frauen- und Kinderschutzhaus um, auch konzeptionell. Die Einrichtung in Lingen war eine der ersten in dieser Form in Niedersachsen. Es geht natürlich um Schutz, aber eben nicht nur. Es geht auch um Krisenberatung, um die Entwicklung eines Sicherheitskonzeptes, um Stabilisierung. 

"Bis die Frauen gehen, haben sie sehr viel an Gewalt ausgehalten", gab Olthaus-Göbel die Berichte der Betroffenen wieder. Häufig fühlten sie sich verantwortlich für die Situation. "Schuldgefühle sind ein ganz großes Thema", sagte die Leiterin. Entsprechend seien die Auswirkungen. Zu den Verletzungen durch äußere Gewalt kämen psychosomatisch bedingte Schmerzen, Magen- und Rückenprobleme, Kopfschmerzen. Verbunden mit neuen Vorwürfen des "Partners": "Du bringst nichts und machst alles falsch".

Dank an die ehrenamtliche Rufbereitschaft

Im Schutzhaus können sie zur Ruhe kommen, sich aufrichten und neu ausrichten. Die Nationalitäten dort sind mitunter bunt gemischt, es sind aber mehr Frauen mit deutscher Herkunft, die Schutz suchen, als solche mit Migrationshintergrund. Daran habe auch die Flüchtlingsbewegung in den letzten Jahren nichts geändert, erläuterte SKF-Geschäftsführerin Marita Theilen.

Monika Olthaus-Göbel und ihr Team: Erzieherin Claudia Burrichter, Sozialpädagogin Marion Risse und Wirtschafterin Maria Kopel können nicht rund um die Uhr im Haus sein. Aus diesem Grund hat der SKF eine aus 15 Frauen bestehende ehrenamtliche Rufbereitschaft aufgebaut. Diese hat sich, wie die turbulenten Tage vor Weihnachten gezeigt haben, wieder einmal bewährt. "Das ist toll und bewundernswert", hoben Olthaus-Göbel und Theilen deren oft seit mehreren Jahren währenden Einsatz hervor. Die ehrenamtliche Rufbereitschaft deckt die Abendstunden und Wochenenden sowie die Feiertage ab, ist telefonisch erreichbar und sofort in der Lage, alles zu veranlassen, was an Hilfe für die Frauen notwendig ist. Wie an dem Tag vor Heiligabend.



Häusliche Gewalt

Hilfe bei häuslicher Gewalt bietet der SKF auch über die Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt, kurz BISS, an. Weitere Informationen unter www.skf-lingen.de. 

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