Jubiläum für eine weltberühmte Melodie Weihnachtskonzert in der Lingener Kreuzkirche

Von Daniel Lösker

Stille Nacht, heilige Nacht: Posaunist Shawn Grocott, Organist Peter Müller und die Sopranistin Meike Leluschko feiern musikalisch das Jubiläum von „Stille Nacht, heilige Nacht“. Foto: Daniel LöskerStille Nacht, heilige Nacht: Posaunist Shawn Grocott, Organist Peter Müller und die Sopranistin Meike Leluschko feiern musikalisch das Jubiläum von „Stille Nacht, heilige Nacht“. Foto: Daniel Lösker

Lingen. Organist Peter Müller und seine musikalischen Gäste huldigen dem Lied „Stille Nacht“ und beweisen beim weihnachtlichen Lingener Kreuzkirchenkonzert ganz nebenbei, dass es im Genre Neues zu entdecken gibt.

Vor zweihundert Jahren erklang durch den Organisten Franz Xaver Gruber und den Geistlichen Joseph Mohr das weltweit wohl berühmteste Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ erstmals. Ein Anlass, welcher Organist Peter Müller die Gelegenheit gibt, der lieblichen Melodie ein würdiges Jubiläum zu schenken. Auf der musikalischen Reise rund um den Erfolgsschlager begleiten ihn die Sopranistin Meike Leluschko und der Posaunist Shawn Grocott.

Unbekannt charmant

Bereits mit dem ersten gemeinsamen Stück, dem Lied „Du liebes Kind“ des Spätromantikers Richard Bartmuß, dessen Name selbst eingefleischten Musikliebhabern kaum bekannt sein dürfte, ahnt man, wo die Reise entlangführt. Die kleinen Kompositionen, insbesondere die der vier Wiegenlieder von den ebenso kaum bekannten Hans-Georg Pflüger, Mary Wurm und Luise Greger, sind kompositorisch eher biedere Hausmannskost, verbergen aber nicht einen gewissen Charme.

Professionell arrangiert

Dies liegt ganz offensichtlich vor allem an der professionellen Herangehensweise der drei Protagonisten, die dem Kitsch Raum geben, ohne ihn ins Lächerliche zu ziehen. Das ist großartig und lässt aufhorchen. Leluschko überzeugt mit zarter Tongebung ebenso, wie in den wenigen Fortissimo-Passagen. Dabei bringt sie das Kunststück fertig, die Worte so zu deklamieren, dass auch ohne Textbeilage alles klar verständlich wird. Dies ist leider nicht immer selbstverständlich.

Grocotts Posaunenklang hinterlässt eine beinahe magische Wirkung. Wie er beispielsweise in Carl Maria von Webers „Romanze c-Moll“ mit sonorem Ton große Bögen aufzieht, edle Tiefe und baritonale Höhe gewinnbringend füreinander einsetzt, zeugt von großer Virtuosität und Musikalität.

Freude am experimentellen Registrieren

Diese besitzt bekanntermaßen Organist Müller im Überfluss. Als einziger im Dauereinsatz überzeugt er sowohl solistisch, wie begleitend. In der Orgel-Meditation über „Stille Nacht“ des 1977 geborenen Dick Klomp oder auch in der Trilogie mit Stücken von Noel Rawsthorne – wer so heißt, muss wohl Weihnachtwerke komponieren – , Erwin Horn und Mattias Nagel zur gleichen Melodie, zeigt Müller eine fast diebische Freude am experimentellen Registrieren. Diese überträgt sich eigenmächtig auf die zahlreichen Zuhörer.

Gewaltiges Finale

Natürlich interpretieren die drei Musiker auch Werke bekannter Komponisten. Neben dem genannten Weber sind die Klassiker von Peter Cornelius „Die Hirten“ und „Die Könige“ genauso zu hören, wie Max Regers wunderbares „Maria Wiegenlied“. Dennoch sind diesmal die unbekannten, sogenannten „Kleinen“ die Großen. So endet der stimmungsvolle Abend auch konsequent mit „Nun feiern wir die Weihnacht“ der bereits erwähnten gebürtigen Greifswalderin Luise Greger, welches im gewaltigen Finale das andere, in der Zeit der Geburt Christi ebenfalls nicht wegzudenkende Lied zitiert. „O du fröhliche“ gibt dem Publikum die Gelegenheit, selbst musikalisch einzugreifen. Das lässt sich nicht zweimal bitten und setzt stimmgewaltig ein.

Zugabe

Die anschließend vehement eingeforderte Zugabe kann dann eigentlich nichts anderes sein, als das Lied, welches seinen zweihundertsten Geburtstag feiert. Anmutig, niemals trivial, geben Leluschko, Grocott und Müller dem Jubilar ein großes Stück Seriosität zurück. Dies allein ist ein Verdienst, der nicht genug zu würdigen ist.


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