Kinder im Mittelpunkt Justinus Jakobs neuer Leiter des Beratungszentrums in Lingen

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Justinus Jakobs vor  dem Psychologischen Beratungszentrum in Lingen. Foto: Caroline TheilingJustinus Jakobs vor dem Psychologischen Beratungszentrum in Lingen. Foto: Caroline Theiling

Lingen. Das Psychologische Beratungszentrum in Lingen hat seit 1. November mit Justinus Jakobs einen neuen Leiter. Eine Aufgabe, die den 52-Jährigen reizt und die er gerne übernommen hat, wenngleich der Zeitpunkt kein einfacher ist.

"Wir bekommen die Engpässe in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung massiv zu spüren", lautet seine Einschätzung schon nach wenigen Wochen. „Vielen Ratsuchenden fällt der Weg zum Psychiater oder zu niedergelassenen Psychotherapeuten noch immer schwer oder sie berichten von langen Wartezeiten“. Gerade im November/Dezember häufen sich in der Beratungsstelle Anfragen von Menschen mit akuten Problemen, häufig aus den Themenfeldern Verlust, Trauer und Depression. Vermehrt haben in letzter Zeit auch Menschen Hilfe gesucht, die vom Suizid eines Nahestehenden in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule oder am Arbeitsplatz betroffen waren. "Vielen fällt gerade in der dunklen Jahreszeit und wenn es auf Weihnachten zugeht, auf, was ihnen fehlt im Leben, in der Beziehung und was anders sein müsste, um glücklich und zufrieden zu sein". 

Ausbildungen

Diese Erfahrungen sind nicht neu für Jakobs, der zuletzt 15 Jahre als Systemischer Familientherapeut in Rheine im Kinder- und Jugendheim der Caritas gearbeitet hat. Nach seinem Theologiestudium, das er mit einem Diplom abgeschlossen hat, hat sich Jakobs vielfach weitergebildet. Er ist heilpraktischer Psychotherapeut und hat unter anderem eine Ausbildung in Traumatherapie sowie eine vierjährige Ausbildung als Ehe-, Familien und Lebensberater. Wissen, das auch in seiner aktuellen Tätigkeit stets Anwendung finden wird. Denn Jakobs hat sich bewusst für die Stelle in Lingen entschieden. Und das nicht nur, weil er "Lingen ausnehmend reizvoll" findet und die Stadt ein außergewöhnlich großes Angebot im kulturellen Bereich vorhält. Entscheidend waren für den 52-Jährigen, die beiden Stränge seiner bisherigen Tätigkeit zusammen ausüben zu können. Denn neben seiner Arbeit in Rheine, war er noch als freier Mitarbeiter im Therapeutischen Beratungszentrum (TBZ) des Bistums in Osnabrück aktiv. Während in der einen Einrichtung Kinder und Eltern im Mittelpunkt standen, waren es in der anderen Rat suchende Paare und belastete Erwachsene.

Per Zug aus Münster

Seinen Wohnsitz möchte der Therapeut in Münster beibehalten, wo er familiär eingebunden ist. Den Weg dahin legt er meist mit dem Zug zurück, eine Zeit, die "man sinnvoll nutzen kann", ist Jakobs überzeugt. Entweder zur Vor- oder Nachbereitung der Beratungsgespräche oder einfach, um die Erlebnisse des Tages sacken zu lassen und unbelastet nach Hause zu kommen.

"Erstversorgung"

"Ein Besuch in der Beratungsstelle kann eine Therapie nicht ersetzen", betont der Berater. "Aber wir können eine Art orientierende Erstversorgung anbieten, den Ratsuchenden helfen, sich zu stabilisieren und mit ihnen versuchen, eine Perspektive zu entwickeln". Dafür sei vor allem ein gutes Netzwerk wichtig, erklärt Jakobs und verweist auf Einrichtungen wie SKM, SKF oder die sozialpsychiatrischen Dienste. Aber auch die gute Zusammenarbeit mit den Jugendämtern des Landkreises und der Stadt sei besonders wichtig, da die Beratungsstelle Hilfen innerhalb des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) anbietet. "Wenn Jugendämter es schwer haben, Zugänge zu finden, wie es bei psychischen Erkrankungen oder Hochstrittigkeit der Eltern der Fall sein kann, wird das Gespräch in der Beratungsstelle gesucht", nennt Jakobs ein Beispiel.

Mehr Räume notwendig

"Meistens schaffen wir es innerhalb von vier Wochen einen Beratungstermin anzubieten", freut er sich. Gerne würde er das Angebot noch erweitern, doch neben personellen Engpässen geben die Räume einfach nicht mehr her. Schon vor mehr als drei Jahren hatte der damalige Leiter Christoph Hutter die Enge der Einrichtung beklagt. „Wir platzen aus allen Nähten und brauchen dringend mehr Platz“, hatte er damals im Gespräch mit der Redaktion bemängelt.

Kooperationen

So bleibt für den neuen Leiter, über Kooperationen weitere Möglichkeiten für Gruppen zu schaffen. Bislang gibt es zusammen mit der Kunstschule das Projekt "Entspannung durch Malen" und in Kooperation mit dem Projekt „Brücken bauen in frühe Bildung“ am Ludwig-Windthorst-Haus ein Angebot im Mehrgenerationenhaus für sozial benachteiligte Familien mit Migrationshintergrund. So wie hier geht es vielfach um gute Entwicklungsbedingungen für Kinder. Das wird bei aller Enge ein Kernanliegen des Beratungszentrums bleiben.

Das Psychologische Beratungszentrum befindet sich an der Bernd-Rosemeyer-Straße 5 in Lingen.




Wer bezahlt?

Die Angebote der Beratungsstelle im Bereich der Erziehungsberatung refinanziert der Landkreis Emsland zu 80 Prozent; die Stadt Lingen zahlt das Haus; die Angebote im Bereich der Lebens- und Paarberatung werden komplett durch das Bistum Osnabrück finanziert. 

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN