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27.12.2018, 17:30 Uhr UMWELTAUSSCHUSS IN LINGEN

Endlagerdiskussion nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip führen

Von Wilfried Roggendorf


Auch das Kernkraftwerk Emsland in Lingen hat zur Erzeugung hochradioaktiven Mülls beigetragen. Foto: Carsten van BevernAuch das Kernkraftwerk Emsland in Lingen hat zur Erzeugung hochradioaktiven Mülls beigetragen. Foto: Carsten van Bevern

Lingen. Mit der Inbetriebnahme des mittlerweile im Rückbau befindlichen Kernkraftwerks Lingen am 1. Juli 1968 hat in der Stadt das nukleare Zeitalter vor Ort begonnen. Später sind die Brennelementefabrik ANF und das Kernkraftwerk Emsland hinzugekommen.

 Gerade einmal gut 50 Jahre ist dies jetzt her. Seitdem haben viele Menschen in diesen Betrieben Arbeit gefunden. Kommunen haben von ihnen ebenso profitiert, auch viele Zuliefererbetriebe aus der gesamten Region. Die jetzt eingesetzte Diskussion über den Standort eines Endlagers für hoch radioaktiven Müll zeigt, um welchen Preis: 50 Jahre sind kaum ein Wimpernschlag in der Erdgeschichte, verglichen mit der Halbwertszeit dieses Mülls von weit über einer Million Jahre.

Der Müll, der in einem solchen Endlager eingelagert werden soll, ist nicht nur durch die beiden Kernkraftwerke teilweise „made in Lingen“. Durch den deutschland-, europa- und weltweiten Verkauf von Brennelementen hat auch deren Lingener Produzent zu seiner Entstehung beigetragen. Dies soll nicht heißen, dass – sollte es denn überhaupt zu einer solchen Entscheidung kommen – ein Endlager in der Region akzeptiert werden muss.

Aber es stände der Region und den politischen Verantwortlichen, die von der Kernenergie vor Ort profitiert haben, gut zu Gesicht, über diese Frage sachlich zu diskutieren. Ein reflexartiges „Bei uns nicht“ nach dem Sankt-Florians-Prinzip gehört ganz sicher nicht zu einer sachlichen Diskussion.


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