Bericht im Umweltausschuss Frage nach Lingen als möglichem Endlager-Standort bleibt weiter offen

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Jörg Tietze von der Bundesgesellschaft für Endlagerung erläuterte im Umweltausschuss der Stadt Lingen Kriterien und Zeitplan bei der Standortsuche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle. Foto: Wilfried RoggendorfJörg Tietze von der Bundesgesellschaft für Endlagerung erläuterte im Umweltausschuss der Stadt Lingen Kriterien und Zeitplan bei der Standortsuche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Über die Kriterien bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle hat Jörg Tietze, Bereichsleiter der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), in der jüngsten Sitzung des Lingener Umweltausschusses informiert. Ob Standorte im Emsland in Frage kommen, blieb offen.

Die Verwaltung hatte Tietze auf Antrag der Grünen-Stadtratsfraktion in den Ausschuss eingeladen. Hintergrund war eine Veröffentlichung der Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt" Ende Oktober, in der aufgrund älterer Untersuchungen neben einem Salzstock im Lingener Ortsteil Baccum auch die emsländischen Orte Neusustrum, Oberlangener Tenge, Wahn (alle Samtgemeinde Lathen) und Herzlake ebenso wie Wietmarschen-Lohne (Grafschaft Bentheim), Bunde (Landkreis Leer) und Bippen (Samtgemeinde Fürstenau) als mögliche Endlagerorte in der Region genannt wurden. Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone hatte daraufhin im Rat der Stadt erklärt, dass die Region für ein Endlager nicht in Frage komme. Die gleiche Position vertritt auch der Landkreis Emsland.

Suche beginnt mit "weißer Deutschlandkarte"

Tietze machte hingegen deutlich, dass die BGE, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, bei der Ermittlung von Teilgebieten für einen möglichen Endlagerstandort von einer "weißen Deutschlandkarte" ausgehe. Bis Mitte 2020 sollten diese Teilgebiete anhand von Anforderungs- und Ausschlusskriterien ermittelt und bekanntgegeben werden. Die endgültige Festlegung des Standortes solle bis 2031 erfolgen.

Forschungsbedarf vorhanden

Als Anforderungskriterien nannte Tietze die tiefengeologische Lagerung in den Wirtsgesteinen Salz, Ton oder Kristallin. Zur letzteren Gesteinsart gehört unter anderem Granit. Dabei solle die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von 1 Million Jahre gewährleistet sein. Die Einlagerungsschicht müsse mindestens 100 Meter mächtig sein und ihre Oberkante mindestens 300 Meter unter der Geländeoberfläche liegen. Zudem müsse sie eine geeignete Ausdehnung besitzen. "Zu einigen der Anforderungen gibt es noch Forschungsbedarf", erklärte Tietze. Dazu gehöre beispielsweise der Flächenbedarf eines Endlagers. Teilgebiete mit den genannten Wirtsgesteinsarten seien nur geeignet, wenn sämtliche Mindestanforderungen erfüllt seien, betonte Tietze.

Letzte Entscheidung liegt beim Gesetzgeber

Als Ausschlusskriterien nannte der BGE-Vertreter aktive seismologische Verschiebungen und Störungen, Vulkanismus, starke Hebungen und Senkungen, bergbauliche Tätigkeit und Grundwasserdurchlässigkeit. Auch bei den Ausschlusskriterien gebe es noch Forschungsbedarf. Sollte in einem Teilgebiet auch nur ein Ausschlusskriterium vorliegen, sei es als Endlagerstandort nicht geeignet, betonte Tietze. Die letzte Entscheidung über den Standort liege beim Gesetzgeber, stellte Tietze klar. "Aber wenn wir 2020 die Teilgebiete bekanntgeben, kann jeder sehen, ob er ausgeschlossen ist oder nicht. Dies wird eine erste Betroffenheit auslösen", meinte Tietze.

Reaktionen im Umweltausschuss

Michael Fuest (Bündnis90/Die Grünen), Mitglied des Lingener Stadtrates und des emsländischen Kreistages, fragte, wie das Land Bayern einfach sagen könne, "wir sind raus". Tietze entgegnete, dass auch die Bayern die derzeit abgefragten Daten zur Geologie liefern würden. Zu politischen Entscheidungen könne er als Vertreter der "kleinen BGE" nichts sagen. Ratsherr Thomas Wilbers (CDU) verwies auf das unter Baccum befindliche Grundwasserreservoir. "Oberflächennahes Grundwasser ist kein Ausschlusskriterium. Es geht zum Grundwasser in der Einlagerungstiefe", erläuterte Tietze.

Halbwertzeit von über 1 Million Jahre

Ratsherr Karl-Heinz Schwarz (CDU) erkundigte sich, ob Regionen wie Lingen, die schon Jahrzehnte mit dem Risiko von Atomkraft leben würden, deswegen als Standort ausgenommen werden könnten. "Dies ist kein Ausschlusskriterium. Es gibt keine Belastungskarten oder ähnliches", antwortete der BGE-Vertreter. Georg Lohmann (CDU) sagte: "Wir haben das hochradioaktive Zeug nun einmal auf der Erde. Wie soll der Lagerort über 1 Million Jahre und tausende Nachfolgegenerationen dokumentiert werden?" Tietze erklärte hierzu: "Wir sagen nicht, dass die Endlagerung sicher ist, sondern wir suchen nach dem bestmöglich sicheren Standort." Die einzulagernden Nuklide hätten eine Halbwertzeit von weit über 1 Million Jahre.


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