Mehr als Kinderchor und Orgel Kirchenmusik-Ausbildung im südlichen Emsland

In seinen Schüler Fabian Makowski (17) aus Beesten setzt Balthasar Baumgartner große Hoffnung. Foto: Sebastian von MelleIn seinen Schüler Fabian Makowski (17) aus Beesten setzt Balthasar Baumgartner große Hoffnung. Foto: Sebastian von Melle

Lingen . Regionalkantor Balthasar Baumgartner erläutert die Möglichkeiten und Bedingungen der kirchenmusikalischen C-Ausbildung.

Die Kirchenmusik beider Konfessionen bleibt von zentraler Bedeutung für die Gestalt der christlichen Kirche und zugleich ein wichtiger Faktor des kulturellen Lebens in Deutschland. Gerade die kirchenmusikalische Arbeit mit jungen Menschen kann dazu beitragen, der drohenden Sang- und Klanglosigkeit künftiger Generationen im Sinne aktiven Musizierens wenigstens ansatzweise vorzubeugen. Dazu gehört die Ausbildung der nebenberuflichen und ehrenamtlichen Kirchenmusiker. Das Musizieren in der Kirche hat sich an der Verkündigung ihrer Botschaft zu orientieren. Wie lebendig und glaubwürdig das geschieht, entscheidet darüber, welche Relevanz die Kirchenmusik für unsere Zeit haben wird.

Kirchenmusikseminar Meppen

Die praktische Ausbildung, so Baumgartner, der auch Geschäftsführer des Kirchenmusikseminars Meppen ist, laufe in einzelnen Kursen oder an Tagen und Wochenenden, wo Kirchenmusiker sich weiterbilden könnten. Im Bistum Osnabrück gebe es die alle zwei Jahre stattfindenden Werkstatt-Tage Kirchenmusik oder Chor-Wochenenden im Ludwig-Windthorst-Haus sowie Familien-Sing-Wochenenden in Sögel. Ein Schwerpunkt bilde für den Regionalkantor die Ausbildung innerhalb des C-Kurses, „also für Leute, die einigermaßen umfassend in Kirchenmusik aktiv werden wollen, nicht nur als Organist oder nur als Kinderchorleiterin, sondern eben alles mal kennen lernen: dirigieren, Klavier, Gesang, sowohl die Theorie als auch die Praxis“. Der zweite Standort des Osnabrücker Kirchenmusikseminars sei Meppen, weil er die Region Emsland, Grafschaft Bentheim und Ostfriesland abdecke.

Regionalkantor Balthasar Baumgartner. Foto: Max Ciolek


Leute im Blick haben

„Der C-Kurs ist eine zweijährige Ausbildung, und aktuell haben wir einen Kurs laufen, der 2017 begann und 2019 im Sommer mit der Abschlussprüfung enden wird“, erläutert der Lingener Kirchenmusiker. Von den zwölf Teilnehmern kämen zwei aus dem nördlichen Emsland, drei aus dem Dekanat Emsland-Süd, der Rest aus Emsland-Mitte. Als er 2011 nach Meppen kam, habe es keinen Kurs gegeben. „Drei Jahre später haben wir mit elf Leuten, von denen acht den Abschluss gemacht haben, wieder angefangen“, so der 35-Jährige. Einmal sei kein Kurs zustande gekommen, und dann sei das eingeschlafen. Jetzt verfolge der Geschäftsführer des Kirchenmusikseminars Meppen das Ziel, es wieder so zu organisieren wie in den 1990er-Jahren: zwischen zwei Kursen ein Jahr Pause einzulegen, um Schüler heranführen zu können. „Man muss vorher schon Leute dafür im Blick haben“, ist Baumgartner überzeugt, „die dafür in Frage kommen.“

Kirchliche Sozialisation

Auf die Frage, ob die C-Kurs-Teilnehmer sich aus eigenem Antrieb melden oder angesprochen werden, erzählt der Nachfolger von Joachim Diedrichs, dass er sich nach dem Gespräch mit einem 13-jährigen Jungen treffe, dessen Mutter ihn angerufen habe. Ihr Sohn spiele schon ein paar Jahre Klavier und möchte gerne Orgel lernen. „Da muss man möglichst schnell abklären, ob und ab wann das sinnvoll ist, so der gebürtige Bad Tölzer. Ein kirchliches Umfeld sei hilfreich. „Jemand, der richtig gut Klavier spielt, aber nichts mit der Kirche zu tun hat, lässt sich nur schwer für so etwas gewinnen, weil Orgeldienst zu Zeiten stattfindet, wo man wirklich bereit sein muss, das zu machen, zum Beispiel am frühen Sonntagmorgen.“ Die kirchliche Sozialisation werde abnehmen, aber Meppen und Lingen seien noch Inseln, wo es funktioniere, meint Baumgartner. Die Kunst werde sein, das Niveau so zu etablieren, dass die Menschen weder über- noch unterfordert werden. Gegebenenfalls müsse der C-Kurs in Teilen individuell angepasst werden, damit die Teilnehmer alle Anforderungen erfüllten. „In zwei Jahren kann viel passieren, wenn jemand fleißig ist“, weiß der Wahl-Emsländer mit oberbayerischem Akzent.

Qualifizierung und Austausch

Baumgartner sieht seine Rolle nicht darin, in jeder Gemeinde zu schauen, ob ein Organist ausgetauscht werden muss, weil er zu unflexibel ist, sondern dass es generell genug Leute gibt, die qualifiziert sind. „Ich kann ja auch nicht beeinflussen, ob die Absolventen des C-Kurses im Emsland bleiben oder wegziehen.“ Er überlege, zweimal im Jahr ein Treffen der Organisten des Dekanats einzurichten, wo langfristig geplant und der gemeinsame Austausch unterstützt wird. Die Geistlichen als Vorsteher der Liturgie und die Musikerinnen und Musiker, beide Seiten müssten immer wieder aufeinander zugehen und voneinander lernen, sonst seien Konflikte vorprogrammiert, so der Regionalkantor.

Öffentliches Schülervorspiel geplant

Für den nächsten C-Kurs, der erst 2020 starten wird, hat er bereits zwei Leute im Blick. „Es ist wichtig, so ein Projekt vorausschauend anzugehen, denn die zeitliche Belastung zusätzlich zu Schule oder Berufsausbildung ist nicht unerheblich“, sagt Baumgartner. „Es gibt Schüler, die morgens noch vor der Schule eine halbe Stunde in der Kirche Orgel üben.“ Er spiele Orgelkonzerte nicht nur, weil es ihm Spaß bringe, sondern auch um junge Menschen dafür zu begeistern. Es sei wichtig, auf diesem Gebiet viel Qualität anzubieten und ansprechbar zu sein. Der Organist der Lingener Bonifatiuskirche plant im nächsten Sommer vor den Abschlussprüfungen ein öffentliches Schülervorspiel unter verschärften Bedingungen, denn: „Das hat es in Lingen bisher nicht gegeben.“


Zur Sache

  • Was ist der C-Kurs? 

Der Kirchenmusik-C-Kurs ist ein breit angelegter Ausbildungslehrgang und wird in der Regel nach zwei Jahren mit der C-Prüfung abgeschlossen. Unterrichtsstandorte sind die Kirchenmusikseminare Osnabrück und Meppen.

  • Wie sieht der C-Kurs aus? 

Es werden die Fächer Orgelspiel und -improvisation, Schola- und Chorleitung, Kinderchorleitung, Stimmbildung, Gehörbildung, Liturgik und Musiktheorie unterrichtet. Der Gruppenunterricht findet vierzehntägig freitags statt. Zusätzlich finden Blockseminare wie die Kirchenmusikalischen Werkstatt-Tage im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen statt.

Der Einzelunterricht in den Fächern Orgelspiel, Tonsatz und Gehörbildung wird nach Absprache mit den Dozenten erteilt. Für das Kirchenmusikseminar Meppen sind das bisher Balthasar Baumgartner, Stephan Braun, Axel Eichhorn, Frauke Sparfeldt, Ralf Stiewe und Dominik Witte. In den Schulferien ist unterrichtsfrei. Es können auch evangelische Teilnehmer den katholischen C-Kurs besuchen und umgekehrt, denn in der Prüfungsordnung spielt die Frage des Bekenntnisses keine Rolle.

  • Was ist der Organistenkurs? 

Der Organistenkurs ist eine breit angelegte Ausbildung für diejenigen, die Interesse am Orgelspiel haben, nicht aber am Bereich der Chorleitung. Er endet in der Regel nach zwei Jahren mit der Organistenprüfung. Er ist hinsichtlich der Voraussetzungen und der Prüfungsanforderungen der C-Ausbildung ähnlich. Es entfallen hier der Unterricht in Stimmbildung und Chorleitung, und in einigen speziellen Fächern (z. B. Gregorianik) gelten modifizierte Bedingungen.

  • Was ist der Basiskurs Orgel? 

Der Basiskurs Orgel vermittelt Grundkenntnisse des Orgelspiels. Ziel ist es, einfache Gottesdienste begleiten zu können. Die Kursteilnehmer(innen) erhalten wöchentlich Orgelunterricht im Gesamtumfang von 25 Unterrichtsstunden sowie eine Einführung zu technischen Grundfragen des gottesdienstlichen Orgelspiels. Vorausgesetzt werden Grundkenntnisse der Musiklehre, Notenlesen in Violin- und Bassschlüssel, Grundkenntnisse in Klavierspiel oder in Orgelspiel. Zur Anmeldung spielt der Bewerber ein Klavier- oder Orgelstück nach eigener Wahl vor. Der Kurs endet mit der Absolvierung aller Unterrichtseinheiten, und die Teilnehmer(innen) erhalten eine Teilnahmebescheinigung.

  • Was ist der Chorleiterkurs? 

Der Chorleiterkurs ist eine breit angelegte Ausbildung für diejenigen, die Interesse an der Leitung einer Chorgruppe haben, nicht aber am Organistendienst. Der Lehrgang ähnelt dem C-Kurs, jedoch entfallen die Fächer Orgelspiel und Orgelkunde. Nach zwei Jahren schließt der Lehrgang mit der Chorleiterprüfung ab.

  • Was kosten diese Kurse? 

Die Teilnahmegebühr beträgt je nach Kurs zwischen 42 und 35 Euro monatlich für den gesamten Unterricht, der Basiskurs Orgel kostet komplett 250 Euro.

  • Gibt es Vorbedingungen? 

Ausreichende Klavierspielkenntnisse müssen nachgewiesen werden, Stimme und Gehör müssen ausbildungsfähig sein. Singerfahrung in einem Chor oder eine gewisse stimmliche Vorbildung wird dringend empfohlen. In der Aufnahmeprüfung müssen zwei Klavierstücke unterschiedlichen Charakters vorgespielt, ein Kirchenlied vorgesungen und ein Gehörtest absolviert werden. Kenntnisse im Orgelspiel sind nicht erforderlich. Das Mindestalter für den Chorleitungskurs ist 15 Jahre; der Orgelkurs kann jedoch auch früher begonnen werden.

  • Wie werden Kantorinnen und Kantoren ausgebildet? 

Der liturgische Dienst des Kantors und der Kantorin hat bereits vor über 50 Jahren eine Neuakzentuierung erfahren. Leider ist dieser eigenständige Dienst noch nicht überall verbreitet. Gerade das Gotteslob 2013 mit seinen zahlreichen neuen Gesängen für unterschiedliche Gottesdienstformen setzt die musikalische Einbeziehung von Menschen voraus, die einzeln oder in kleinen Gruppen den Gemeindegesang anführen oder mit besonderen Parts erweitern.

Die Wege zur Übernahme dieses Dienstes sind durchaus verschieden. Über die Regionalkirchenmusiker können Interessierte Tipps und Hinweise zu den Bereichen Repertoire, Publikationen und Stimmbildung erhalten. Ebenso kann auf Dekanatsebene bei Bedarf eine Begleitung von Kantorengruppen erfolgen.

Das Haus Ohrbeck in Georgsmarienhütte-Holzhausen bietet jährlich Einführungsseminare für angehende Kantorinnen und Kantoren an.

  • Nähere Informationen unter:

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