Hygiene ist das A und O NABU gibt Tipps zur Fütterung von Vögeln im Winter

Im Winter freuen sich Vögel über gut gefüllte Futterstellen, sei es mit Körnern oder, wie auf dem Bild zu sheen, Meisenknödel. Foto: Sebastian Kahnert/dpaIm Winter freuen sich Vögel über gut gefüllte Futterstellen, sei es mit Körnern oder, wie auf dem Bild zu sheen, Meisenknödel. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Lingen. "Für viele ist das Füttern von Vögeln in ihrem Garten ihr Zugang zur Natur", sagt Bernward Rusche vom Naturschutzbund Emsland/ Grafschaft Bentheim. Vor allem im Winter sind die gefiederten Tiere auf zusätzliche Nahrung vom Menschen angewiesen. Von wann bis wann gefüttert werden sollte und was es dabei zu beachten gilt, verrät der Experte im Pressegespräch.

Es fröstelt draußen. Gut, dass wir Menschen nur die Heizung anstellen und für eine warme Mahlzeit lediglich Lebensmittel im Supermarkt kaufen müssen. Und wie sieht es in der Tierwelt aus? Für Vögel beispielsweise war es kein sonderlich angenehmes Jahr 2018. Die lang anhaltende Dürre ließ den Insektenbestand deutlich schrumpfen. "Und auch im Winter sind die Tiere auf Unterstützung angewiesen", erklärt Rusche. „Wir haben die Verantwortung, weil wir die Natur so kaputt gemacht haben“, zitiert er einen anderen Experten.

Nicht nur Futter

Futtersilos, Vogelhäuschen und Co. sind laut Rusche sinnvoll. Zwar könne somit natürlich nicht die biologische Vielfalt erhalten werden, „aber schaden kann es auch nicht“. Die beste Möglichkeit, Vögeln zu helfen, sei aber eine ganz andere: ein naturnaher Garten mit Totholzecken und Brennnessel, auf denen sich Insekten einnisten und die wiederum als Futterquelle für Vögel dienen. Zudem können sie dort nisten. „Vögel brauchen eben nicht nur das Futter selbst“, meint Rusche.

Bernward Rusche vom Naturschutzbund Emsland/Grafschaft Bentheim legt Wert auf die richtige Fütterung von Vögeln im eigenen Garten. Dafür hat der Experte so einige Tipps. Foto: Jessica Lehbrink


Wer den Kleintieren im Winter etwas Gutes tun möchte, sollte sich dann aber an gewisse Dinge halten. An oberster Stelle steht die Hygiene, verdeutlicht der Naturschützer. Sie sei das A und O. Nicht nur die Futterstellen sollten regelmäßig gereinigt werden; vor allem Wasserstellen sind laut Rusche ein guter Nährboden für Bakterien, die bei den Vögeln auch zum Tode führen können.

Strittiges Thema

Ob eine Ganzjahresfütterung, das Füttern in der Winterzeit oder gar keine Fütterung angebracht ist, ist Rusche zufolge unter Ornithologen – also Vogelkundlern – ein strittiges Thema. „Für eine Ganzjahresfütterung spricht zum Beispiel, dass man somit Individuen und somit das Überleben ihrer Jungen fördert“, erläutert er. In England zum Beispiel ist sie so weit verbreitet, dass es dorthin sogar eine Vogelart verschlagen hat, die sonst eher in südlichen und warmen Ländern heimisch ist. Die Mönchsgrasmücke hat laut Rusche die Evolution im Zeitraffer durchlebt und binnen Jahrzehnten ihre Genetik der neuen Umgebung angepasst. "Aus dem simplen Grund, weil das Futterangebot in England einfach besser ist“, erklärt er.

Von Oktober bis zum Frühjahr

Doch ab wann sollten hierzulande Futterhäuschen- und Silos aufgestellt werden? "Schon im Oktober kann man damit anfangen, damit die Vögel sich daran gewöhnen. Dann sollte man bis zum Frühjahr füttern", sagt Rusche. Denn die ersten Sonnenstrahlen bedeuten nicht gleich, dass auch wieder genügend Futterquellen für die Tiere zur Verfügung stehen.

Zertifizierung ist wichtig

Einer der größten Irrtümer sei, dass man Vögeln helfe, indem man alte Brotreste auslege. "Brot ist immer mit Salz und Gewürzen versehen, was den Vögeln eher schadet", hebt Rusche hervor. Stattdessen solle man lieber auf mit einem deutschen Gütesiegel versehenes und zertifiziertes Futter aus dem Fachmarkt setzen. "Die Zertifizierung ist deshalb so wichtig, weil viele Inhalte im Vogelfutter aus dem Ausland stammen und teilweise schädlich sind. Besonders gefährlich ist Ambrosia."


Welcher Vogel braucht welches Futter?

Die Vögel, die sich im Winter in Deutschland aufhalten, sind laut Naturexperte Bernward Rusche vom NABU Emsland/Grafschaft Bentheim in verschiedene Gruppen unterteilt. Zu den Weichfutterfressern gehören beispielsweise Rotkehlchen oder Amseln. Für sie sind unter anderem besonders Haferflocken und Apfelstücke geeignet. Finken und Spatzen wiederum zählen zu den Körnerfressern und bevorzugen Getreide sowie Sonnenblumenkerne. Meisen, Spechte und auch Kleiber benötigen fetthaltiges Futter wie Sämereien und Insekten. Sie zählen im Allgemeinen aber zu den Allesfressern. Um zu erkennen, welcher Vogel im Garten umher flattert, empfiehlt Rusche "Das große Buch der Gartenvögel – Unsere Vögel im Garten erleben, fördern und schützen" von Uwe Westphal sowie das Buch "Vögel füttern im Garten: Ganzjährig und naturnah" von Anita und Norbert Schäffer.

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