Lingenerin als Vorsitzende bestätigt Kunstvereine wollen den Titel "Immaterielles Kulturerbe"

Kunstvereine verdienen es, als immaterielles Kulturerbe anerkannt zu werden. Davon sind Kunsthallendirektorin Meike Behm und ihr Mann Peter Lütje überzeugt. Foto: Caroline TheilingKunstvereine verdienen es, als immaterielles Kulturerbe anerkannt zu werden. Davon sind Kunsthallendirektorin Meike Behm und ihr Mann Peter Lütje überzeugt. Foto: Caroline Theiling

Lingen. Auf der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) ist die Direktorin der Lingener Kunsthalle, Meike Behm, als Vorsitzende bestätigt worden. Eines der nächsten Vorhaben des ADKV ist die Aufnahme des Modells Kunstverein in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Auf den Begriff Weltkulturerbe trifft man meistens im Zusammenhang mit bedeutenden Monumenten wie dem Kölner Dom oder das Kloster Corvey. Aber auch kleinere Baudenkmäler zählen zum kulturellen Erbe jeder Region und selbstverständlich auch Kunstschätze und Exponate in  Museen und Sammlungen.

Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff „immaterielles Kulturerbe“? Damit gemeint sind laut Unesco-Definiton Traditionen, Kenntnisse und Fertigkeiten, die nicht an ein Monument, ein Baudenkmal oder ein Museumsobjekt gebunden sind. Dies kann ein alter Brauch sein, ein traditioneller Musikstil, ein regionales Kochrezept, eine alte mündliche Überlieferung. Als immaterielles Kulturgut gelten kulturelle Ausdrucksformen, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen werden, die von Generation zu Generation weiter vermittelt und die stetig neu geschaffen und verändert werden.

Besonders an diesem letzten Aspekt sieht Meike Behm die Kunstvereine. "Bereits seit über 200 Jahren vermitteln die heute über 300 Kunstvereine in Deutschland die Inhalte der Kunst der jeweiligen Gegenwart in wechselnden Ausstellungen und sie begleitenden Veranstaltungen", erläutert die Kunsthallendirektorin im Gespräch mit der Redaktion. Die Tradition der Kunstvereine ginge zurück bis in das Jahr 1792, als der ersten Kunstverein in Nürnberg gegründet wurde, um vor allem die damals herrschende Macht über die bildende Kunst durch die Kirche und den Adel durch bürgerschaftliches Engagement zu unterlaufen und die damalige Kunst der Gegenwart zu vermitteln. 

"Im Unterschied zu Museen sind Kunstvereine keine Konservatoren des materiellen Kulturgutes. Sie sind immaterielles Kulturgut, denn es handelt sich um ein Erbe, welches immer wieder neu interpretiert und angenommen wird, also einem stetigen Wandel unterliegt," ergänzt Meike Behm. Vor dem Hintergrund einer sich stets verändernden Gesellschaft und Umwelt ständen auch die Kunstvereine täglich vor neuen Herausforderungen.

Die Idee dazu kam von ihrem Mann Peter Lütje, der ebenfalls Mitglied im Kunstverein ist. Angeregt durch die Aufnahme der Kivelinge in das Verzeichnis, war er der Meinung, dass neben der Tradition auch das Wirken der Kunstvereine von je her eine wichtige Rolle in der Gesellschaft gespielt hat.

Sollte die Institution Kunstverein in die Liste der immateriellen Kulturgüter der Unesco aufgenommen werden sieht Behm "eine Stärkung der zeitgenössischen Kultur und eine öffentlich sichtbare Anerkennung der kulturellen Ausdrucksform Kunstverein und ihrer Träger." Aktuell hat sich Meike Behm mit ihrem Anliegen an das Bundesministerium für Kultur und Medien gewandt. Die Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes erfolgt über einen Prozess durch mehrere Gremien.


Die ADKV

1980 gegründet, vereint die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) heute rund 300 Kunstvereine, in denen sich über 100.000 interessierte Bürgerinnen und Bürger als Mitglieder engagieren. Neben Vernetzung, Weiterqualifizierung, Austauschmöglichkeiten und Kooperationen bietet die Arbeitsgemeinschaft praktische Erfahrungen aus 37 Jahren Dachverbandsarbeit.

Der Sitz der ADKV war in Lingen von 1995 bis 2003. Bisherige Vorsitzende waren Wulf Herzogenrath, Kölnischer Kunstverein (1980 – 1988) ,Andreas Vowinkel, Badischer Kunstverein Karlsruhe (1988 – 1995), Heiner Schepers, Kunstverein Lingen (1995 – 2003), Leonie Baumann, nGbK Berlin (2003 – 2009),           Johan Holten, Heidelberger Kunstverein (2009 – 2011) René Zechlin, Kunstverein Hannover (2011 – 2014),     Meike Behm, Kunstverein Lingen (2014 – heute). 

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