Kritik am Unternehmen Lingener unzufrieden mit Service der Deutschen Glasfaser

Die Kabel der Deutschen Glasfaser sind in Lingen teilweise schon verlegt. Doch Kunden äußern Kritik am Service des Unternehmens. Foto: Ursula HoltgreweDie Kabel der Deutschen Glasfaser sind in Lingen teilweise schon verlegt. Doch Kunden äußern Kritik am Service des Unternehmens. Foto: Ursula Holtgrewe

Lingen. Lingens Wirtschaftsförderer Ludger Tieke hat der Deutschen Glasfaser in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Grundstücksausschusses (WGA) der Stadt eine "hervorragende Durchführung" beim Breitbandausbau in der Stadt bescheinigt. Doch diese Meinung teilt nicht jeder. Es gibt auch Stimmen, die den Service des Unternehmens kritisieren.

Eine dieser Stimmen gehört Paul Niemann aus Holthausen-Biene. Im Frühjahr 2017 hat er mehrere Beratungstermine der deutschen Glasfaser in dem Lingener Ortsteil besucht. Heute bedauert er, sich nicht schriftlich hat geben zu lassen, was ihm dort laut seiner Darstellung versprochen worden ist: "Die verschiedenen Berater der Deutschen Glasfaser haben mir gesagt, dass ihr Unternehmen beim Voranbieter alle Verträge kündigen würden." Für TV, Internet und Telefon hatte Niemann damals einen Vertrag mit Kabel Deutschland/Vodafone. (Weiterlesen: Deutsche Glasfaser weist Kritik aus Lingen an ihrem Service zurück)

Besser ins Kleingedruckte schauen

Doch es kam anders: "Die Kündigung des TV-Vertrages ist nicht erfolgt", sagt Niemann. Deshalb müsse er jetzt bis Mai 2019 doppelt zahlen: einmal an Kabel Deutschland und einmal an die Deutsche Glasfaser. "Das kostet mich rund 30 Euro im Monat zusätzlich", klagt Niemann. Die Deutsche Glasfaser habe ihm dazu im Nachhinein erklärt, dass er besser in die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu seinem Vertrag hätte schauen sollen. "Dort steht, dass das Unternehmen nur Telefon- und Internetverträge kündigt", sagt Niemann. "Wer schaut schon in 20 Seiten Kleingedrucktes?", fügt er resignierend hinzu.

Nicht besonders glücklich ist der Biener Paul Niemann mit dem Service der Deutschen Glasfaser. Foto: Wilfried Roggendorf

Eigentlich könnte Niemann sogar froh sein, dass sein TV-Vertrag bei Kabel Deutschland noch läuft. "Man hatte mir zugesagt, dass ich mein altes Koaxialkabel, das vom Hausanschluss entlang der Wände rund 30 Meter bis zum Fernseher läuft, weiter verwenden könnte", erklärt der Biener. Doch dem sei nicht so: "Für den TV-Empfang über die Deutsche Glasfaser müsste ich ein neues LAN-Kabel verlegen." Diese Arbeit würde er selbst erledigen, wenn ihm die deutsche Glasfaser das Material – 30 Meter Kabel und die Anschlüsse – zur Verfügung stellen würde. Doch dies verweigere das Unternehmen bislang.

Niemann: Beratung ist einzige Katastrophe

Auch bei der Rufnummernmitnahme fühlt sich Niemann von den Beratern der Deutschen Glasfaser getäuscht. "Man hat mir versprochen, die sei kostenlos", sagt Niemann. Das dies nur für ihr Unternehmen gelte, hätten ihm die Berater verschwiegen. "Vodafone wollte dafür 29,95 Euro haben. Dies hätten mir die Glasfaser-Leute sagen müssen." Zudem habe er seinen Anschluss viel später als angekündigt erhalten. "Erst hieß es Herbst 2017, dann Februar 2018 und schließlich ist es Oktober 2018 geworden", erklärt Niemann. Sein Fazit: "Die Technik funktioniert, aber die Beratung ist miserabel und eine einzige Katastrophe."

Kritik von Lingener Ratsmitgliedern

Nicht nur Niemann hat schon von mehreren seiner Mitbürger ähnliche Beschwerden gehört. Auch Lingener Ratsmitgliedern und unserer Redaktion liegen solche kritischen Anmerkungen zum Service der Deutschen Glasfaser vor. "Einige haben Schwierigkeiten und sind nicht erfreut über das Verhalten des Unternehmens", erklärte CDU-Ratsherr Uwe Dietrich in der Sitzung des WGA. Sein Fraktionskollege Thomas Wilbers bestätigte dies. Wolle man einen vorhandenen WLAN-Router nutzen, wimmele die Deutsche Glasfaser bei der Bitte um Hilfe bei der Einrichtung ab. "Das ist nicht unser Ding", habe er von dem Unternehmen zu hören bekommen. "Da hängt man dann zwischen allen Stühlen", klagte Wilbers. Auch SPD-Ratsherr Stefan Wittler berichtete von schlechten Erfahrungen: "Als Laie war die Einrichtung des Anschlusses für mich sehr schwierig."

Internetseiten anderer Anbieter helfen

Ähnlich erging es einem Kunden der Deutschen Glasfaser aus Clusorth-Bramhar: "Für die Einrichtung des Routers gibt es Anleitungen auf unserer Internetseite", habe ihm die Deutsche Glasfaser versichert. Gefunden habe er solche dort nicht. "Geholfen haben mir ausgerechnet die Internetseiten anderer Anbieter, die dort sehr deutlich beschreiben, was ich machen musste", sagt unser Leser. Seitdem habe er bereits mehrere Nachbarn mit ähnlichen Problemen bei der Einrichtung ihres Routers unterstützt.

Terminzusagen nicht eingehalten

Ihren mit der Deutschen Glasfaser geschlossenen Vertrag hat eine andere Kundin noch gekündigt, bevor der Hausanschluss überhaupt gelegt wurde: "Ich bin neu zugezogen und arbeite im Homeoffice. Dabei bin ich auf eine schnelle Internetverbindung angewiesen", sagt die Frau. Doch von vor ihrem Umzug gemachte Terminzusagen für einen Anschluss habe die Deutsche Glasfaser dann plötzlich nur noch wenig wissen wollen. "Ich konnte mir nicht sicher sein, direkt nach meinem Umzug arbeiten zu können. Deswegen habe ich nach einer anderen Lösung gesucht und den Anbieter gewechselt."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN