"Verpuffung statt Explosion" Werksleiter: Keine Gefahr für Bevölkerung nach Brand bei ANF in Lingen

Zerstörung zeigt dieses Bild aus dem durch einen Brand beschädigten Labor der Brennelementefabrik ANF in Lingen. Links im Bild das Gerät, das vermutlich das Feuer ausgelöst hat. Foto: Aus einer Vorlage des niedersächsischen UmweltministeriumsZerstörung zeigt dieses Bild aus dem durch einen Brand beschädigten Labor der Brennelementefabrik ANF in Lingen. Links im Bild das Gerät, das vermutlich das Feuer ausgelöst hat. Foto: Aus einer Vorlage des niedersächsischen Umweltministeriums 

Lingen. Beim Brand in der Brennelementefabrik ANF in Lingen hat keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Das hat am Mittwoch Werksleiter Andreas Hoff betont.

Alle Sicherheitsvorrichtungen des Unternehmens hätten wie vorgesehen funktioniert, ließen Hoff und sein Stellvertreter Jürgen Krämer in einem Gespräch mit unserer Redaktion am Mittwoch wissen. Alle vorliegenden Messergebnisse zeigten, dass kein Uran nach draußen gelangt sei. „Davon sind wir überzeugt“, sagte Hoff.

"Unterdruck erzeugt"

Nach Auslösung des hausinternen Alarms sei in dem Labor Unterdruck erzeugt worden. Dadurch soll verhindert werden, dass gefährliche Stoffe durch die Luft nach außen gelangen. Das Labor liegt im nuklearen Fertigungsgebäude, ist aber laut Hoff baulich von der nuklearen Fertigung getrennt.

Mit Uran kontaminiertes Wasser aufgefangen

In der Sondersitzung des niedersächsischen Umweltausschusses am Dienstag war seitens der Atomaufsicht berichtet worden, dass in dem Labor mehr als 1000 Liter Wasser ausgetreten waren. Dabei handelt es sich laut Hoff um demineralisiertes Wasser für den Laborgebrauch, das aus einer bei dem Brand beschädigten Kunststoffleitung ausgetreten war. Auch dieses mit Uran kontaminierte Wasser sei nicht nach außen gelangt, sondern durch technische Vorrichtungen aufgefangen worden.

"Keine Explosion"

Hoff und Krämer betonten, dass der Brand nicht durch eine Explosion ausgelöst worden sei. „Das Labor ist uns nicht um die Ohren geflogen“, sagte Krämer. Vielmehr habe es sich um eine Verpuffung gehandelt. Bei einer Verpuffung entsteht zwar eine Flamme, aber kein Druck wie bei einer Explosion.

"Sachschaden ein Resultat der Löscharbeiten"

Auch bleibe ANF bei der von der Feuerwehr Lingen kommunizierten Aussage, dass es sich um einen Kleinbrand auf einer Fläche von 40 mal 40 Zentimetern gehandelt habe, so Hoff. Fotos, die unter anderem im Umweltausschuss gezeigt wurden und eine größere Zerstörung zeigen, vermitteln laut Krämer einen falschen Eindruck. Der auf Bildern zu sehende Sachschaden sei ein Resultat der Löscharbeiten. Ein zweites Foto, das den Platz direkt rechts neben dem Brandort darstellt, zeigt eine offensichtlich unbeschädigte Kunststoffflasche, zwei Aufkleber und eine Klarsichthülle. „Wenn es hier auch gebrannt hätte, hätten die Teile es nicht überstanden“, sagte Krämer.

"Keine automatische Verbindung zur Rettungsleitstelle"

Die Brennelementefabrik ist laut Hoff nicht durch eine automatische Brandmeldeanlage mit der Rettungsleitstelle in Meppen verbunden. Der Brand sei daher manuell gemeldet worden, nachdem zunächst die Mitarbeiter evakuiert und die 25 Mann starke Betriebsfeuerwehr alarmiert worden sei. Laut Hoff hatte die hausinterne Brandmeldeanlage um 19.24 Uhr angeschlagen, die Rettungsleitstelle wurde um 19.41 Uhr alarmiert. Der Verzicht auf eine automatische Verbindung zur Leitstelle ist Hoff zufolge beabsichtigt. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass bei jedem Fehlalarm möglicherweise die gesamte Alarmkette ausgelöst wird.

Ergebnisse analysieren

Wenn die Ermittlungsergebnisse von Polizei, Atomaufsicht und TÜV vorliegen, werde ANF diese analysieren und dafür sorgen, dass ein solches Ereignis nicht wieder auftreten könne, so Hoff. 

"In diesem Jahr keine Fertigung von Brennelementen mehr"

Die Fertigung von Brennelementen ruht nach Angaben des Werksleiters noch immer, die Mitarbeiter feierten Überstunden ab oder seien im Resturlaub. Wann die Fertigung wieder aufgenommen werde, sei unklar, so Hoff: „In diesem Jahr wohl nicht mehr.“ Bis zur Wiederaufnahme der Fertigung muss bei ANF ohnehin noch aufgeräumt werden. Mit den Aufräumarbeiten kann aber erst begonnen werden, wenn die Ermittlungen der Brandexperten vor Ort endgültig abgeschlossen sind und Pläne stehen, um eine Gefährdung der Mitarbeiter durch beim Brand entstandene Schadstoffe auszuschließen. „Dann brauchen wir jede Hand“, sagte Hoff. Nach dem großen Aufräumen müssen zudem sämtliche Geräte, die möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen worden sind, überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Das alles benötige Zeit, so Krämer. 

"Mit nichts hinter dem Berg halten"

ANF sei es ein großes Anliegen, transparent über den Vorfall zu informieren, so Hoff: „Wir wollen mit nichts hinter dem Berg halten“.


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