Forschungsprojekt startet am 1. Januar Ein Ziel ist die Stärkung der Apotheken im südlichen Emsland

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Die Apotheken im ländlichen Raum stärken ist ihr Ziel (von links): Thomas Nerlinger, Geschäftsführer der Gesundheitsregion Euregio, Apotheker Michael Koop aus Lingen und Jonas Roosmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gesundheitsregion. Foto: Thomas PertzDie Apotheken im ländlichen Raum stärken ist ihr Ziel (von links): Thomas Nerlinger, Geschäftsführer der Gesundheitsregion Euregio, Apotheker Michael Koop aus Lingen und Jonas Roosmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gesundheitsregion. Foto: Thomas Pertz

Lingen. "Apotheke 2.0" ist ein Forschungsprojekt der Universität Osnabrück. der Gesundheitsregion Euregio und des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe. Ziel ist die Stärkung der Apotheken vor Ort gegenüber dem Online-Versandhandel. Das Projekt startet am 1. Januar 2019. Auch ein Lingener Apotheker macht mit.

Mit rund 200.000 Euro wird das neue Forschungsprojekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. Im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE) werden speziell Projekte unterstützt, die darauf abzielen, ländliche Regionen als Wohn-, Arbeits- und Lebensräume attraktiv zu gestalten.

Wenn die Ärzte fehlen...

Michael Koop weiß, wovon er redet. "Die Apotheke ist dort, wo die Ärzte sind", sagt der Apotheker aus Lingen. Umgekehrt wird aber eben auch ein Schuh draus. Wenn die Ärzte vor Ort fehlen, insbesondere die Fachärzte, dann hat auch die Apotheke "um die Ecke" keine Chance mehr, denn die Patienten als Kunden und damit die wirtschaftliche Existenzgrundlage fehlen. Der Tatsache, dass der Online-Versandhandel mit seinen per Mausklick versendeten Arzneimitteln gerne in diese Lücke springt, will Koop nicht tatenlos zusehen. Er macht mit beim Projekt "Apotheke 2.0", das mithilfe digitaler Lösungen die Apotheke vor Ort stärken möchte.

„Wer auf dem Land wohnt und gesundheitliche Hilfe braucht, hat häufig schon jetzt ein Problem: Ärzte finden keine Nachfolger und schließen ihre Praxen, nicht selten trifft es dann auch die Apotheke nebenan“, erklärt der Geschäftsführer der Gesundheitsregion Euregio, Thomas Nerlinger. Durch zunehmende Konkurrenz ausländischer Versandapotheken und einen akuten Fachkräftemangel sei der Fortbestand zahlreicher Apotheken jedoch in Gefahr. Die Folge: Das Leben auf dem Land wird immer unattraktiver.

"Gemeinsamer Einkauf"

Eine Entwicklung, die Koop bestätigt. Der Lingener hat Apotheken in städtischer Lage wie in Lingen und Meppen, aber auch auf dem Land wie in der kleinen Gemeinde Schapen. Von den Forschungsergebnissen der Universität Osnabrück um Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Frank Teuteberg erhofft er sich weitere Einsatzmöglichkeiten von digitalen Technologien in Apotheken, die diese vor Ort stärken. "Zum Beispiel könnten sich die kleineren Apotheken vernetzen und einen gemeinsamen Einkauf organisieren", erläutert Koop. 

Ziel des Projektes Apotheke 2.0 ist es, durch die Potenziale der Digitalisierung dem Apothekensterben entgegenzuwirken und eine flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln insbesondere in ländlichen Regionen sicherzustellen.  "Wir wollen den ländlichen Raum stärken, das ist entscheidend", betont der Speller Jonas Roosmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gesundheitsregion Euregio.


Die Universität Osnabrück will in diesem Zusammenhang zunächst einmal untersuchen, welche Bedarfe Apotheken und Patienten hinsichtlich der Digitalisierung haben. „Daraus leiten wir schließlich konkrete Lösungsmöglichkeiten und Handlungsempfehlungen ab", wird Prof. Dr. Teuteberg in einer Mitteilung der Universität zitiert. Der Wirtschaftsinformatiker hat langjährige Erfahrungen mit Themen aus der Gesundheitsversorgung. Ein Beispiel ist das Projekt „Dorfgemeinschaft 2.0“, in dem ein gesundheitsbezogenes Versorgungskonzept für die Region „Grafschaft Bentheim/Südliches Emsland“ entwickelt und umgesetzt wird.

Kein Allheilmittel

Digitale Technologien als ein Instrument zur Stärkung der Apotheken vor Ort zu nutzen, sind für Apotheker Koop allerdings  kein "Allheilmittel". Die fachliche Beratung, ein Verständnis dafür, dass eine Apotheke auch ein sozialer Ort sei, der Begegnungen schaffe und auch einmal eine kleine Unterhaltung zwischen Kunden und Angestellten ermögliche, seien ebenso wichtige Faktoren zur Existenzsicherung. "Die soziale Kompetenz der PTA wird immer wichtiger und entscheidet mit über den Erfolg der Apotheke", so Koop über die Berufsgruppe der Pharmazeutisch-technischen Assistenten.


“Gesundheitsregion Euregio”

Die “Gesundheitsregion Euregio” dient als Ideenplattform und Netzwerk in deutsch-niederländischer Kooperation. Ziel ist die Verbesserung von Qualität und Effizienz in der Gesundheitswirtschaft. Das Gebiet der “Gesundheitsregion Euregio” umfasst auf deutscher Seite die Grafschaft Bentheim, das südliche Emsland, die Landkreise Osnabrück, außerdem die Städte Osnabrück, Münster und die Kreise Steinfurt, Borken und Coesfeld. Auf niederländischer Seite sind die Provinzen Drenthe, Noordoost Overijssel und Oost Gelderland dabei. Gegründet wurde der Verein im Juni 2011. Gründungsmitglieder sind unter anderem Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen, Banken, Wirtschafts- und Marketingfachleute und Juristen. Die Geschäftsstelle befindet sich in Nordhorn. Weitere Infos: www.gesundheitsregion-euregio.eu

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