Mit Toni im Liedergarten Musikalische Früherziehung in Lingen-Brögbern kommt an

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Sandra Rickermann (m.)  trifft sich wöchentlich mit etwa zehn Kinder-Eltern-Paaren zum Liedergarten im Pfarrzentrum St. Marien, Lingen-Brögbern. Toni ist immer dabei. Foto: Sebastian von MelleSandra Rickermann (m.) trifft sich wöchentlich mit etwa zehn Kinder-Eltern-Paaren zum Liedergarten im Pfarrzentrum St. Marien, Lingen-Brögbern. Toni ist immer dabei. Foto: Sebastian von Melle

Lingen. "Toni singt" ist die größte Bildungsinitiative zur elementaren Singförderung in Nordrhein-Westfalen. Ihr Ziel: das Singen wieder stärker in die Gesellschaft zu bringen. Die Idee hatte der Chorverband NRW 2005. Für die Kleinsten singt Toni im Liedergarten, so auch seit acht Jahren in Lingen-Brögbern.

"Guten Tag, liebe Leute, wie schön, dass wir zusammen sind." Im Gemeindezentrum von St. Marien treffen sich jeden Mittwochnachmittag etwa zehn Eltern-Kind-Paare, ziehen die Schuhe aus und setzen sich auf den ausgelegten Teppich, um unter der Leitung von Sandra Rickermann (48) kindgerecht zu singen, spielerisch und altersgemäß ihre Stimme einzusetzen und gut mit ihr umzugehen. Die vokalpädagogische Arbeit wird gut angenommen, eine Werbung ist nicht nötig.

Familiäre Atmosphäre

Viele Erwachsene erinnern sich an das gemeinsame Singen mit Eltern oder Großeltern, an Kniereiter oder Fingerspiele, an Gute-Nacht-Lieder oder Geburtstagsständchen. Zusammen zu singen ist für Kinder eine wichtige Erfahrung und ein ganz besonderes Erlebnis; Kinder wollen ihre Stimme ausprobieren. So auch Anna, Emil, Johann, Johanna, Jette, Lea, Luca, Lukas, Paul, Theresa und Thilo. Die Brögberner Kinder im Alter von einigen Monaten bis vier Jahren fühlen sich pudelwohl im großen Kreis auf dem Boden in der Nähe ihrer Eltern. Familiär ist die Atmosphäre, und Sandra Rickermann sorgt für eine gute Mischung aus Aufmerksamkeit, Stille, Leichtigkeit und Lebendigkeit. Jeder wird zu Beginn begrüßt und im Eröffnungslied gewürdigt, egal ob er Jesus heißt und unsichtbar ist oder Emil und einen Pullover mit Glitzer-Auto trägt.

Sandra Rickermannl (l.) trifft sich wöchentlich mit etwa zehn Kinder-Eltern-Paaren zum Liedergarten im Pfarrzentrum St. Marien, Lingen-Brögbern. Foto: Sebastian von Melle



Umfangreiche Ausbildung

In Kooperation mit der Pfarrei konnte Rickermann, im Hauptberuf Familienreferentin beim Kolpingwerk, vor gut acht Jahren den Liedergarten in Brögbern einrichten, nachdem sie eine umfangreiche Ausbildung des Bistums mit Aufnahme- und Abschlussprüfung und etlichen Hospitationsstunden absolviert hatte. Nach 22 Jahren Erfahrung in der Leitung von Kinderchören und intensiver Stimmbildung sowie durch die Erziehung ihrer zwei Söhne, die beide Musiker geworden sind, brachte sie ausreichend Expertise mit, um Kinder und Eltern durch den Liedergarten zu führen.

Im Liedergarten herrscht Vielfalt

Das Konzept des Chorverbandes NRW wurde zuvor im Bistum Osnabrück übernommen und von der Abteilung Kirchenmusik christlich adaptiert. Rickermann hatte von der Idee gelesen und war von einer Gemeindereferentin angesprochen worden. Zeitweise betreute sie zwei Gruppen gleichzeitig, zwischendurch setzte sie eineinhalb Jahre aus, um dann aber schnell zu merken: "Es fehlte etwas." Froh ist sie über die Unterstützung der Kirchengemeinde, wodurch sie einen ansehnlichen Materialfundus anschaffen konnte. Klangbausteine, Naturmaterialien, Stabglöckchen, Kerzen, Luftballons mit Erbsenfüllung, Taschentücher als Instrumente - im Liedergarten herrscht Vielfalt. Wer nun denkt, alles werde auf einmal eingesetzt, hat sich allerdings getäuscht. Wohl dosiert verwendet Sandra Rickermann jeweils ein Material und ein Instrument pro Stunde. Die Puppe Toni als verlässlicher Begleiter darf jedoch niemals fehlen, ebenso wenig wie eine Klangschale und die Jesus-Kerze, die ein Kind am Ende auspusten darf.

Sandra Rickermann (mit Gitarre) trifft sich wöchentlich mit etwa zehn Kinder-Eltern-Paaren zum Liedergarten im Pfarrzentrum St. Marien, Lingen-Brögbern. Foto: Sebastian von Melle



Aufregende Entdeckungsreisen

Im Liedergarten ist viel Raum zum Experimentieren: mit der Stimme, dem Körper, mit Instrumenten oder anderem Material. Wie heult ein Wolf? Wie klingt der Gesang der Hirten am Feuer? Mit der eigenen Stimme kann man viele Klänge und Geräusche machen. Auch das ist eine aufregende Entdeckungsreise. Wer musiziert, muss gut zuhören können. Deswegen lernen Kinder bei „Toni singt im Liedergarten“ durch Beobachten und Lauschen aufeinander mit allen Sinnen. Bestens passt Bewegung zur Musik: Große und kleine Gesten, Klatschen oder Tanzen verstärken das Gefühl für Rhythmus und Klang und gehören darum im Liedergarten auf jeden Fall dazu. Eine wichtige Rolle spielen außerdem die christlichen Feste: Als Sandra Rickermann ein Bilderbuch mit der Weihnachtsgeschichte vorzulesen beginnt, rücken ihr alle Kinder ganz nah, um nichts zu verpassen. Das Ziel, bei Kindern und Erwachsenen Spaß am Singen zu wecken, sie für Musik zu begeistern und nebenbei einen Überblick des Kirchenjahres zu vermitteln, scheint hier voll aufzugehen und gut angenommen zu werden.


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