Feuer in Brennelementefabrik Lingen Feuerwehrmann über ANF-Brand: "Wir hatten ein mulmiges Gefühl"

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Es war 21.12 Uhr als die Feuerwehr vermelden konnte, das Feuer gelöscht zu haben und die Einsatzkräfte dekontaminiert wurden. Foto: dpaEs war 21.12 Uhr als die Feuerwehr vermelden konnte, das Feuer gelöscht zu haben und die Einsatzkräfte dekontaminiert wurden. Foto: dpa

Lingen. Rund 150 Einsatzkräfte sind am Donnerstagabend zum Gelände der Brennelementefabrik ANF in Lingen ausgerückt. Darunter auch Daniel Herbers und seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Lingen. Er sagt: "Wir hatten ein mulmiges Gefühl."

"Feuer in einer nuklearen Fertigungshalle", als die Nachricht die Feuerwehr in Lingen am Donnerstag gegen 19.40 Uhr erreichte, ließen die  Kameraden alles stehen und liegen und machten sich auf dem Weg zum Einsatzort. Schon häufiger waren die Wehrleute aus Lingen auf dem ANF-Gelände gewesen, doch in den meisten Fällen um den Ernstfall zu üben, sagt Daniel Herbers, Pressesprecher der Feuerwehr in Lingen. Nun war der Ernstfall offenbar ausgebrochen, dachten die Feuerwehrmänner. "Wir sind mit einem mulmigen Gefühl losgefahren", ist Herbers ehrlich. (Weiterlesen: Verdampfer mit uranhaltiger Flüssigkeit in Lingen in Brand geraten)


"Nicht auf die leichte Schulter genommen"

Doch schon kurz nach dem Eintreffen auf dem Fabrikgelände in Nachbarschaft des Kernkraftwerks Emsland wich das Gefühl. Die Betriebsfeuerwehr der Brennelementefabrik war schon im Einsatz und gab den Feuerwehrkräften aus Lingen eine erste Einschätzung der Lage. Es wurde klar: Das Feuer war nicht – wie zunächst angenommen – in der nuklearen Fertigungshalle ausgebrochen, sondern in einem abgetrennten Labor im nuklearen Bereich. "Auf die leichte Schulter haben wir den Einsatz deswegen nicht genommen", sagt Herbers. Deswegen wurde Verstärkung angefordert: Alle Freiwilligen Feuerwehren der Stadt waren im Einsatz, dazu Rettungskräfte aus der Grafschaft Bentheim und Osnabrück sowie Mitglieder der Werkfeuerwehren des Kernkraftwerks und von BP. Insgesamt 150 Retter waren vor Ort. (Weiterlesen: Fragen und Antworten: Was macht die Brennelementefabrik ANF?)

Verdampfer mit uranhaltiger Flüssigkeit

Zusammen mit der Betriebsfeuerwehr von ANF seien mehrere speziell ausgerüstete und ausgebildete Atemschutzträger ins Innere des zu diesem Zeitpunkt bereits evakuierten Gebäudes gegangen. Nicht nur eine psychische Herausforderung, auch eine körperliche. Rauchschwaden seien ihnen entgegengekommen. Die Orientierung zu behalten, sei nicht leicht gewesen – trotz mehrfacher Übungen im Gebäude. Es war 21.12 Uhr als die Feuerwehr vermelden konnte, das Feuer gelöscht zu haben und die Einsatzkräfte dekontaminiert wurden. 

Doch was hatte denn nun gebrannt? Wie am Freitag bekannt wurde, war ein Verdampfer mit uranhaltiger Flüssigkeit in Brand geraten. Eine Gefahr habe für die Anwohner nicht bestanden, betont die Polizei in einer Pressemitteilung. Dafür sprechen auch die Mess-Ergebnisse der Feuerwehr. Trotz mehrfacher Messungen seien keine Schadstoffe festgestellt worden, auch nicht in der Umgebung des Fabrikgebäudes. Sogar die Kleidung der Einsatzkräfte wurde untersucht. Ergebnis: keine Schadstoffe. Ungefährlich war der Einsatz für die Feuerwehr dennoch nicht, weiß auch Herbers. Alle Mitglieder würden freiwillig arbeiten, keiner würde gezwungen – auch nicht bei einem Einsatz mit radioaktiven Stoffen. 



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