Meldepflichtiges Ereignis Forderung nach Stilllegung der Brennelementefabrik in Lingen

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Die Forderung, die Brennelementefabrik ANF in Lingen still zu legen, erhalten neue Nahrung.Foto: Thorsten AlbrechtDie Forderung, die Brennelementefabrik ANF in Lingen still zu legen, erhalten neue Nahrung.Foto: Thorsten Albrecht

Lingen. Das niedersächsische Umweltministerium hat eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt. Gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen werden den Angaben zufolge nach Bewertung der Untersuchungsergebnisse vom Umweltministerium festgelegt. Derweil fordern Verbände und Politiker die Stilllegung der Brennelementefabrik.

Das niedersächsische Umweltministerium ordnet das Ereignis in die Meldekategorie N 3.2.1 ein. Die Kategorie umfasst alle größeren Flüssigkeitsmengen, die aus Systemen, Behältern oder Becken in Räume austreten, die sicherheitstechnisch wichtige Einrichtungen beinhalten oder die offene Verbindungen zu solchen Raumbereichen aufweisen, und die die sicherheitstechnisch wichtigen Einrichtungen gefährden - ungeachtet der radiologischen Auswirkungen des Ereignisses oder deren Ursache. Der Brand habe keine Auswirkungen auf die Mitarbeiter, die Umwelt und die Bevölkerung, heißt es seitens des Ministeriums. Das Ministerium kündigte eine Untersuchung des Vorfalls und weitere beweissichernde Messungen an. Gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen werden den Angaben zufolge nach Bewertung der Untersuchungsergebnisse vom Umweltministerium festgelegt.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen im niedersächsischen Landtag haben am Freitag die endgültige Stilllegung der Brennelementefabrik in Lingen gefordert und eine Sondersitzung des Umweltausschusses in Hannover beantragt: Wenn die Ursachen für den Brand nicht restlos geklärt sind, dürfe die Brennelementefabrik keinesfalls wieder in Betrieb gehen, so die Grünen. Bundes- und  Landesregierung müssten alle bestehenden rechtlichen Mittel nutzen, um die Atom-Anlage Lingen endgültig stillzulegen, so die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte, die auch atompolitische Sprecherin der Grünen ist. Besorgt zeigt sich auch die regionale Bundestagsabgeordnete Filiz Polat aus Bramsche im Landkreis Osnabrück. Sie habe am Freitag eine mündliche Anfrage an die Bundesregierung gestellt und erwarte am kommenden Mittwoch in der Fragestunde des Bundestages Antworten der Bundesregierung, so Polat. Die Grünen im Lingener Stadtrat haben beantragt sich mit dem Brand und den jüngst aufgetretenen Rissen am Reaktorbehälter bei ANF im Umweltausschuss der Stadt zu befassen.

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz

Auch Umweltverbände haben erneut die sofortige Stilllegung der Brennelementefabrik gefordert. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hatte erst am Donnerstag kurz vor dem Brand gefordert, die umstrittene Anlage zu schließen. Der Schutz der Bevölkerung müsse oberste Priorität haben, so der BBU und forderte Reaktionen der politisch Verantwortlichen in Hannover. Die Landesregierung in Hannover dürfe anlässlich des Brandes nicht wieder mit Beschwichtigungen reagieren, heißt es.

Elternverein Restrisiko

Der Elternverein Restrisiko Emsland betont, dass immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass Atomanlagen nicht sicher seien. Der Brand habe gezeigt, dass das Risiko nicht hinnehmbar sei, so der Vorsitzende des Elternvereins, Gerd Otten. In einer Anhörung des Umweltausschusses des Bundestages im Oktober sei klar geworden, dass die Wiederaufbereitungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen ohne Probleme abgeschaltet werden können.

Christian Fühner (CDU)

Der Lingener CDU-Landtagsabgeordnete Christian Fühner spricht sich für eine sachliche Aufarbeitung des Brandes auf. Mögliche Fehler müssten analysiert und aufgearbeitet werden. Der Vorfall dürfe allerdings nicht politisch ausgeschlachtet werden und dazu führen, die Stilllegung der Anlage zu fordern, sagte Fühner.

Lingens OB Dieter Krone

Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone zeigt sich sehr erleichtert, dass bei dem Brand im Laborgebäude auf dem Werksgelände von ANF niemand verletzt worden ist. Der Krisenstab aus Feuerwehr, Polizei, Unternehmen und Behörden habe effektiv und gut zusammengearbeitet, sagte Krone und betonte, dass für die Stadtverwaltung die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger höchste Priorität habe: "Deshalb gilt es nun, die genauen Ursachen des Brandes zu ermitteln, um derartige Vorfälle zukünftig ausschließen zu können. Bei Unternehmen wie ANF müssen höchste Sicherheitsstandards zum Schutz der Bevölkerung gelten“.

Bundesumweltministerium

Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums in Berlin verweist auf die Anfrage, ob der Brand bei ANF Konsequenzen haben werde, auf laufende Gespräche auf Arbeitsebene. Demnach ist für den 18. Dezember eine Sitzung von Vertretern aus sechs Bundesministerien und dem Bundeskanzleramt geplant. Darin soll es darum gehen, wie der beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022 weiter umgesetzt werden soll.






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