"Notfallpläne haben funktioniert" Fertigung steht bei ANF in Lingen auf unbestimmte Zeit still

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Im Moment ruht die Brennelementefertigung im Werk. Archivfoto: David EbenerIm Moment ruht die Brennelementefertigung im Werk. Archivfoto: David Ebener

Lingen. Einen Tag nach dem Brand in einem Labor der Brennelementefabrik ANF steht Werksleiter Andreas Hoff und dem technischen Leiter Jürgen Krämer der Schock über den Vorfall noch ins Gesicht geschrieben. "Wir müssen daraus die richtigen Lehren ziehen", sagt Hoff.

Im Moment ruht die Brennelementefertigung im Werk. Wie lange ist offen. "Wir müssen den Brand erst einmal bewerten und analysieren", erklärt Hoff. Erst danach könne in Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden und dem Tüv die Anlage wieder angefahren werden. Einen Zeitpunkt möchte Hoff nicht nennen. "Ich möchte kein Ultimatum setzen. Wir wollen uns von der Fertigung nicht treiben lassen", versichert der Werksleiter. Derzeit würden Polizei, Gewerbe- und Atomaufsicht den Brand untersuchen.

Hoff: Stehen im öffentlichen Bild nicht gut da

Einen direkten Zusammenhang mit der politisch umstrittenen unbefristeten Betriebsgenehmigung für ANF sieht Hoff nicht. "Aber wir stehen im öffentlichen Bild nicht gut da", gibt er zu. Dies wolle das Unternehmen ändern – durch Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit, den Mitarbeitern und den benachbarten Firmen.

Notfallpläne funktionieren

Das einzig Positive an dem Vorfall sieht Hoff darin, dass die Notfallpläne funktioniert hätten. "Wir haben eine solche Situation mehrmals geübt. Jetzt ist es genauso abgelaufen", sagt der technische Leiter von ANF, Jürgen Krämer, dazu. Mit der Auslösung des Alarms sei das Fertigungsgebäude evakuiert worden. Mittels der im Kontrollbereich vorhandenen Überwachungskameras sei dann ein Laborraum als Brandort ermittelt worden, fügt Hoff hinzu.

Gemischter Feuerwehrtrupp

Dort habe auf einer Fläche von 40 mal 40 Zentimeter ein elektrisch betriebener Verdampfer, der in Betrieb war, gebrannt. Ein gemischter Trupp aus Betriebsfeuerwehr und kommunaler Feuerwehr sei durch ein Schleusenzelt in das Fertigungsgebäude vorgedrungen und habe den Brand mit CO2- und Pulverlöschern gelöscht. Dass direkt ein Großaufgebot der Feuerwehr alarmiert worden ist, sei bei einem Brand bei ANF so vorgesehen.

Keine Radioaktivität nach außen gelangt

"Nach unseren Messungen ist keine Radioaktivität aus dem Gebäude herausgelangt", sagt Hoff. Die Ergebnisse von Fremdmessungen lägen ihm noch nicht vor. Der Werksleiter erklärt, dass das Gebäude direkt in den sogenannten Unterdruckbetrieb gegangen sei. "Durch den niedrigeren Luftdruck im Inneren wird der Austritt radioaktiven Materials verhindert", sagt Hoff. Aber was wäre bei einem Großbrand des gesamten Fertigungsgebäudes gewesen? "Selbst ungünstigste Störfallannahmen führen nicht zu einer unzulässigen Belastung der Bevölkerung", sagt Hoff. Das verarbeitete Uran sei relativ schwer und würde nicht weit weggetragen.

Eine Stunde keine Informationen

Dass es am Abend des Brandes zwischen 21 und 22 Uhr kaum Informationen für die Öffentlichkeit gab, bedauert Krämer. Aber ANF hätte sich um das Ereignis gekümmert und dem Vorrang gegeben. "So sind wir halt in diese Stunde rein gelaufen", sagt Krämer. In sozialen Netzwerken hatte es in dieser Zeit zahlreiche Spekulationen über den Vorfall gegeben. "Doch wir haben direkt, nachdem der Brand gelöscht war, eine Pressekonferenz angesetzt, noch bevor wir die eigenen Mitarbeiter informiert haben", erklärt Krämer.








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