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"Einige 100 Gramm" Verdampfer mit uranhaltiger Flüssigkeit in Lingen in Brand geraten

Von Sven Lampe und Wilfried Roggendorf

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In der Brennelementefabrik ANF in Lingen hat am Donnerstag ein Verdampfer mit uranhaltiger Flüssigkeit gebrannt. Foto: Wilfried RoggendorfIn der Brennelementefabrik ANF in Lingen hat am Donnerstag ein Verdampfer mit uranhaltiger Flüssigkeit gebrannt. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. In der ANF-Brennelementefabrik in Lingen hat am Donnerstagabend ein Verdampfer mit uranhaltiger Flüssigkeit gebrannt. Das hat Werksleiter Andreas Hoff am Freitag auf Anfrage der Redaktion mitgeteilt. Zunächst war kommuniziert worden, dass der Brand in einem nicht-nuklearen Bereich ausgebrochen war.

Laut Hoff wird in dem Gerät die Flüssigkeit verdampft, um darin enthaltenes Uran zurückzugewinnen. In dem Verdampfer würden immer nur kleine Mengen Uran verarbeitet. Der Werksleiter sprach von "einigen 100 Gramm".

N Meldekategorie 3.2.1

Das niedersächsische Umweltministerium ordnet das Ereignis in die Meldekategorie  N 3.2.1 ein. Die Kategorie umfasst alle größeren Flüssigkeitsmengen, die aus Systemen, Behältern oder Becken in Räume austreten, die sicherheitstechnisch wichtige Einrichtungen beinhalten oder die offene Verbindungen zu solchen Raumbereichen aufweisen, und die die  sicherheitstechnisch wichtigen Einrichtungen gefährden - ungeachtet der radiologischen Auswirkungen des Ereignisses oder deren Ursache.  Der Brand habe keine Auswirkungen auf die Mitarbeiter, die Umwelt und die Bevölkerung, heißt es seitens des Ministeriums.

Umweltverbände fordern sofortige Stilllegung

Umweltverbände und die niedersächsischen Grünen haben am Freitag erneut die sofortige Stilllegung der Brennelementefabrik gefordert. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hatte erst am Donnerstag, einen Tag vor dem Brand, gefordert, die umstrittene Anlage zu schließen. Der Schutz der Bevölkerung müsse oberste Priorität haben, so der BBU und forderte Reaktionen der politisch Verantwortlichen in Hannover. Die Landesregierung in Hannover dürfe anlässlich des Brandes nicht wieder mit Beschwichtigungen reagieren, heißt es.

Die Polizei ermittelt

Derweil haben Brandexperten der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim ihre Arbeit aufgenommen. Laut Polizeisprecher Dennis Dickebohm werden die Ermittlungen in dem „hochsensiblen Bereich“ einige Zeit dauern.

Neun meldepflichtige Ereignisse

Unabhängig von dem Brand hat es laut Umweltministerium bei ANF 2018 drei meldepflichtige Ereignisse gegeben. Zwischen 2014 und 2017 waren es insgesamt sechs.

150 Feuerwehrleute im Einsatz

Nach dem Alarm war das Betriebsgelände evakuiert worden und die für Notfälle vorgesehene Alarmkette in Gang gesetzt worden. Rund 150 Feuerwehrkräfte aus dem Emsland, der Grafschaft und dem Landkreis Osnabrück waren am Donnerstag nach dem Alarm um 19.41 Uhr im Einsatz, darunter Messtrupps aus der Grafschaft Bentheim und dem Landkreis Osnabrück. 

"Keine radioaktiven Auffälligkeiten"

Um 21.12 Uhr meldete die Feuerwehr, dass der Brand gelöscht ist. Den langen Zeitraum zwischen Alarmierung und Entwarnung begründete Stadtbrandmeister Ralf Berndzen mit der unklaren Gefahrenlage. Zunächst habe die Feuerwehr Vorkehrungen für eine mögliche Dekontamination der Einsatzkräfte schaffen müssen. Laut Berndzen seien alle Einsatzkräfte, die am Brandort tätig waren, ohne radioaktive Auffälligkeiten von ihrem Einsatz zurückgekommen. Auch Messungen an anderen Orten seien unauffällig gewesen. Da zuerst nicht absehbar war, ob Gefahr für Menschen bestand, war ein Teil des Parkplatzes geräumt worden - auch die Einsatzkräfte mussten ihn verlassen.

"Risiko nicht hinnehmbar"

Der Elternverein Restrisiko Emsland betont, dass immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass Atomanlagen nicht sicher seien. Der Brand habe gezeigt, dass das Risiko nicht hinnehmbar sei, so der Vorsitzende des Elternvereins, Gerd Otten. In einer Anhörung des Umweltausschusses des Bundestages im Oktober sei klar geworden, dass die Wiederaufbereitungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen ohne Probleme abgeschaltet werden können. 


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