Bis 15. Januar im Ludwig-Windthorst-Haus Fotoausstellung „Im Schatten von Auschwitz“ wird in Lingen gezeigt

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Simon Lengemann (links), Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische Bildung, erläutert bei der Eröffnung im LWH die Ausstellung "Im Schatten von Auschwitz". Foto: Johannes FrankeSimon Lengemann (links), Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische Bildung, erläutert bei der Eröffnung im LWH die Ausstellung "Im Schatten von Auschwitz". Foto: Johannes Franke

Lingen. Im Ludwig-Windhorst-Haus (LWH) ist die Ausstellung „Im Schatten von Auschwitz“ mit 20 großflächigen Bildern und Videodokumentationen eröffnet worden. Fotos des Künstlers Mark Mühlhaus vermitteln heutige Eindrücke von Orten in Polen, Weißrussland und der Ukraine, wo Tausende Menschen während der NS-Diktatur ermordet wurden.

LWH-Studienleiterin Agnes Kläsener ist es wichtig und eine „Herzensangelegenheit, Erinnerungsarbeit gerade in der heutigen politischen Lage in Europa zu betreiben". Der scheinbar provokative Titel soll jedoch für die massenhaften NS-Morde an so vielen anderen Orten stehen, in denen Menschen systematisch ermordet wurden.

Schauplätze nicht vergessen

Simon Lengemann, Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), führte durch die Ausstellung. Er gehörte wie der Fotograf Mark Mühlhaus zur Delegation von Wissenschaftlern und Forschern, die während ihrer Studienreise Orte des Terrors aufsuchten, die heute weniger beachtet werden. Eine Spurensuche führte an neun in Deutschland unbekanntere Orte, nach Polen, Weißrussland und in die Ukraine, nach Chełmno, Bełżec, Sobibór, Treblinka und Majdanek, nach Maly Trascjanec sowie nach Babyn Jar, Kamjanez-Podilskyj und Lwiw-Janowska. „Es ist uns wichtig, diese Schauplätze nicht zu vergessen, wo Zehntausende und Hunderttausende Menschen, vor allem Juden, aber auch Sinti und Roma, politische Gegner, Kriegsgefangene, zu ‚Untermenschen‘ herabgestufte Einheimische, psychisch Kranke und andere Patienten sowie ‚Arbeitsunfähige‘ von nationalsozialistischen Massenverbrechern in Wäldern massenhaft erschlagen, erschossen und in mobilen Gaswagen mittels Motorenabgasen, Kohlenmonoxid oder Blausäure ermordet und verscharrt wurden“, betont Lengemann.

Annäherung an die Tatorte von damals

Hunderte von kleinen und größeren Kreisen, Rauten Rechtecken belegen auf einer Karte „Orte des nationalsozialistischen Terrors, der Vernichtung und Massenerschießungen von Juden im östlichen Mitteleuropa 1933-1945". Einige dieser weniger präsenten Vernichtungslager und Orte des Verbrechens, die vielfach zur „Aktion Reinhardt“ zählten, will die Ausstellung dokumentieren. Mark Mühlhaus ist darauf bedacht, nicht nur das Vordergründige fotografisch festzuhalten: „Seine Bilder sind eine Annäherung an die Tatorte von damals, und sie geben einen Eindruck davon, wie es heute an diesen Orten aussieht, einschließlich der heutigen Formen des Gedenkens und Erinnerns“, ist in der bpb-Broschüre zur Ausstellung zu lesen. Hier erfährt der Betrachter die Orte wie Treblinka, Lemberg/Lwiw, Trawniki oder Sobibor.

Orte stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken

Aus den Bildern erschließen sie sich nicht direkt, steigern aber somit die Aufmerksamkeit, regen zum Nachdenken an, führen zu Diskussionen und unterschiedlichen Betrachtungen. Vor allem rücken sie die Orte stärker ins öffentliche Bewusstsein und machen sie für eine breite historisch-politische Erinnerungsarbeit bis zum 15. Januar 2019 zugänglich. 


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