Haus an Lindenstraße/Alte Rheiner Straße Keine Werbetafeln am Neubau: Lingener kritisiert Verwaltung

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Von der Lindenstraße aus stadteinwärts möchte Bauherr Bernhard Jansen ebenfalls eine LED-Werbetafel an der Hauswand installieren. Foto: Thomas PertzVon der Lindenstraße aus stadteinwärts möchte Bauherr Bernhard Jansen ebenfalls eine LED-Werbetafel an der Hauswand installieren. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Abgelehnt hat die Lingener Stadtverwaltung eine Bauvoranfrage zum Anbringen von LED-Werbetafeln am Neubau eines Mehrfamilienhauses an der Alten Rheiner Straße 7. Bauherr Bernd Jansen empfindet die Entscheidung als "provinziell" und will gerichtlich dagegen vorgehen.

Das Bauprojekt des Lingeners zwischen Alte Rheiner Straße und Lindenstraße ist bereits weit vorangeschritten. Sechs Wohneinheiten sind entstanden, in eine davon möchte der 68-Jährige selbst einziehen. Geplant hatte er außerdem an der Nord- und Südseite des Gebäudes zur Lindenstraße hin den Einbau je einer LED-Werbetafel in einer Größe von jeweils drei mal 2,5 Metern, die die Pkw-Fahrer stadtein- bzw. stadtauswärts mit Informationen über Firmen etc. versorgen könnten. Rund 50.000 Euro will Jansen dafür investieren.

"Eine solche Dienstleistung wird in Lingen gebraucht", betonte Jansen im Gespräch mit der Redaktion. Er habe bereits mehrere Anfragen von Firmen, die diese Werbeplattform für sich nutzen wollen. Jansen verwies gleichzeitig auf plakatierte große Stellwände als Negativbeispiele an vielen Stellen der Stadt, wo sich das Papier im Laufe der Zeit durch die nasse Witterung ablöse und den Boden verdrecke.

Jansen: Häufige Anfragen

Anfang Mai hatte der Lingener seine Bauvoranfrage gestellt. Nach seiner Darstellung hat er über mehrere Wochen hinweg trotz häufiger Nachfragen in dieser Angelegenheit nichts aus dem Rathaus gehört, wie denn nun entschieden werde. Am 26. Juli erhielt er ein Schreiben aus dem Bauamt mit der Bitte um Zusendung noch fehlender Unterlagen: eine detaillierte Betriebsbeschreibung der LED-Werbetafeln, einen Nachweis darüber, dass die Licht-Emissionen die Nachbarschaft nicht beeinträchtigen und einen Nachweis der Feuerwiderstandsklasse der Werbeanlage. Der Bitte, "diese Unterlagen innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt dieses Schreibens zuzusenden", kam Jansen umgehend nach. "Danach habe ich nichts weiter gehört".

Am 2. Oktober sei es dann endlich ein Gespräch mit Stadtbaurat Lothar Schreinemacher zustande gekommen, so Jansen. Gemeinsam mit den Architekten habe es einen Termin gegeben. "Am 20. November habe ich dann telefonisch die Absage bekommen", berichtet der Lingener von einem aus seiner Sicht viel zu langen Verfahrensablauf. 


Kein Verständnis für die ablehnende Haltung der Stadt hat Bernd Jansen. Der Lingener will an der Nord- und Südseite des Neubaus (die Rückseite im Hintergrund liegt an der Lindenstraße, die Vorderseite an der Alten Rheiner Straße) LED-Werbetafeln anbringen. Foto: Thomas Pertz


Die Verwaltung fügt für ihre Absage, die Jansen seit dem 30. November auch schriftlich vorliegen hat, mehrere Gründe an. Das Gebäude befindet sich nach Darstellung der Stadt in "einem faktischen Mischgebiet mit einer deutlichen Tendenz zum Allgemeinen Wohngebiet". In Letzterem sei eine solche Werbeanlage als eigenständige gewerbliche Nutzung ausgeschlossen. 

"Schreiend bunt"

Aber auch bei einer Einordnung des Grundstücks in ein sogenanntes Mischgebiet ist das Ansinnen von Jansen aus Sicht der Verwaltung nicht genehmigungsfähig. Der Abstand zur benachbarten Wohnbebauung betrage lediglich  5,5 bis elf Meter. Dies führe zu einer nicht hinzunehmenden Beeinträchtigung durch Lichtemissionen. "Ein Nachbar, der aus derartiger Nähe auf große und häufig auch schreiend bunte Plakattafeln schauen muss, wird in seinem Wohlbefinden beeinträchtigt", heißt es in der Begründung weiter.

Die geplanten Werbeanlagen führen nach Angaben der Verwaltung außerdem  "zu Beeinträchtigungen der Verkehrssicherheit". Werbeanlagen würden zwar seit Langem zum Straßenbild gehören und stellten deshalb in aller Regel keine Störungs- und Ablenkungsquelle dar. Am geplanten Standort befänden sich die Werbeanlagen aber in unmittelbarer Nähe zweier Kreisverkehre und weiteren Unfallhäufungsstellen sowie einer Abbiegespur mit Ein- und Ausfahrt zum Lidl-Supermarkt. "Durch einen Bildwechsel wird die Ablenkung der Verkehrsteilnehmer und damit einhergehend die Gefährdung der Sicherheit  und Leichtigkeit des Verkehrs durch die Werbeanlage noch einmal deutlich erhöht", so die Verwaltung.

Jansen kann die ablehnenden Begründungen nicht nachvollziehen, gerade weil die Stadt doch immer wieder betone, wie modern sie sei. Er lässt sich inzwischen anwaltlich vertreten. "Wir werden vor das Verwaltungsgericht Osnabrück ziehen", kündigte er an. 



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