Konzept im LWH vorgestellt Bernd-Rosemeyer-Museum in Lingen bleibt umstritten

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In der Burgstraße 20 möchte der Lingener Unternehmer Heinrich Liesen ein Museum zum Thema Bernd Rosemeyer einrichten – hier ein Foto vom Besuch von Bernd Rosemeyer jun. Im Ludwig-Windthorst-Haus stellte der Kurator Bernd Walter am 27. November 2018 erstmals das Museumskonzept vor. Foto: Archiv Heinrich LiesenIn der Burgstraße 20 möchte der Lingener Unternehmer Heinrich Liesen ein Museum zum Thema Bernd Rosemeyer einrichten – hier ein Foto vom Besuch von Bernd Rosemeyer jun. Im Ludwig-Windthorst-Haus stellte der Kurator Bernd Walter am 27. November 2018 erstmals das Museumskonzept vor. Foto: Archiv Heinrich Liesen

Lingen. Ende 2019 soll das vom Unternehmer Heinrich Liesen geplante Bernd-Rosemeyer-Museum in Lingen eröffnet werden. Im Ludwig-Windthorst-Haus stellte der Museumskurator Bernd Walter das Konzept jetzt erstmals öffentlich vor. Das Museum für den Rennfahrer bleibt auch nach diesem Abend umstritten.

"Die Frage nach dem Sinn dieses Museums ist bislang nicht beantwortet worden, dabei sollte diese Frage doch am Anfang eines solchen Prozesses beantwortet werden. Lingen braucht kein Rennfahrermuseum.“ Dies erklärte der Vorsitzende des Forums Juden-Christen im Altkreis Lingen, Heribert Lange, nach der Vorstellung des Konzeptes durch den von Liesen verpflichteten Museumskurator Prof. Dr. Bernd Walter vor rund 150 Zuhörern.

Ein „Museum“ für Bernd Rosemeyer? Im Ludwig-Windthorst-Haus wurde das Museumskonzept erstmals öffentlich vorgestellt und diskutiert (von links) Museumskurator Prof. Dr. Bernd Walter, Museumsinitiator Heinrich Liesen, Prof. Dr. Christoph Rass von der Universität Osnabrück, Moderator und LWH-Leiter Dr. Michael Reitemeyer, Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone und Dr. Heribert Lange vom Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen. Foto: Carsten van Bevern


Dem Konzept steht auch Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone weiter kritisch gegenüber. So hatten die Mitglieder des Verwaltungsausschusses bereits im Mai 2017 das Museum abgelehnt, an den Initiator appelliert, die Pläne aufzugeben und ihn bei Weiterverfolgung der Pläne aufgefordert, einen versierten Kurator einzusetzen: "Das ist seinerzeit sehr kontrovers diskutiert worden. Inklusive Sitzungsunterbrechungen. Die Entscheidung ist aber parteiübergreifend und einstimmig erfolgt. Und dazu stehe ich nach wie vor."

Eine ideelle oder finanzielle Unterstützung für das Museum werde es seitens der Stadt nicht geben. "Die Stadt und ich als Oberbürgermeister können keine Verantwortung für eine private Initiative übernehmen, weil ich nicht weiß, wie sie sich in einigen Jahren darstellt", erklärte Krone, dem im vorgestellten Konzept zudem der Bereich der Museumspädagogik fehlt: "Es gibt noch konzeptionelle Schwächen."

Rund 150 Zuhörer kamen zur Vorstellung des Konzeptes für das in der Burgstraße geplante Bernd-Rosemeyer-Museum in das Ludwig-Windthorst-Haus. Foto: LWH/Michael Brendel


Laut dem Kurator und Historiker Walter soll es auf den in dem Museum zur Verfügung stehenden rund 200 Quadratmetern drei Bereiche geben: Zunächst sollen Rosemeyers Jugend- und Ausbildungszeit, seine ersten Erfolge als Motorradrennfahrer, die Etablierung des NS-Regimes und Rosemeyers Entscheidung zum Eintritt in die SS behandelt werden. Der zweite Bereich soll sich mit seiner Zeit als erfolgreicher Autorenn- und Rekordfahrer der Auto Union, seinem Aufstieg zum Sportidol und seiner Heirat mit der berühmten Fliegerin Elly Beinhorn beschäftigen. Im dritten Bereich soll die "mit seinem Unfalltod einsetzende Phase der intensivierten Mythenbildung" thematisiert werden.

Museen als Lernorte

Museen sind laut Walter als wichtiger Teil der Erinnerungskultur "Lernorte und Plattform für den Dialog über unterschiedliche Wahrnehmungen." Und wenn man verstehen möchte, wie es ab 1939 durch das NS-Regime zu den größten Verbrechen in der europäischen Geschichte kommen konnte, dann mache ein Blick auf die Jahre 1933 bis 1938 als sogenannte Erfolgsjahre des NS-Regimes durchaus Sinn. "Die Auseinandersetzung mit dem Rennsport und seiner propagandistischen Begleitung kann Einsichten liefern, warum Millionen Deutsche Hitler unterstützt haben."

Eine Ansicht, die auch der Osnabrücker Historiker und Migrationsforscher Prof. Dr. Christoph Rass teilt: "Ich finde die Idee gut, die NS-Zeit hier nicht vom Ende her zu sehen, sondern als viele das NS-System noch super fanden." Gleichzeitig wies er auf seiner Meinung nach noch vorhandene Schwächen des vorgestellten Konzeptes hin. So müssten unter anderem "die Verquickungen und die Win-win-Situation zwischen dem jungen Sportler und einer Diktatur“ deutlicher werden.

"Ein spannender Ort für Lingen"

Jenseits der Frage, was genau in dem Museum passiert, sollte man laut Rass aber auch über den Diskussionsprozess in den vergangenen zwei Jahren nachdenken: "Ich sehe hier ein sehr spannendes Stück der Aushandlung regionaler Erinnerungskultur." Das sich eine Bürgerschaft vor der Umsetzung so intensiv mit einem solchen Vorhaben auseinandersetzt sei keine Selbstverständlichkeit: "An vielen Orten passiert das erst, wenn ein Projekt vor die Wand gefahren worden ist. So oder so wird dies ein spannender Ort für Lingen.“ Wahrscheinlich werde der Ort aber auch ganz anders, als der Initiator anfangs dachte und das Forum befürchtet. "Gespannt bin ich darauf, wie der Beirat besetzt wird."

Beirat in Planung

Auch für Liesen und Walter ist dieser Beirat von zentraler Bedeutung. "Wir wollen einen unabhängigen Beirat aus drei bis fünf Historikern", bestätigte Liesen. Dieser soll im Januar gebildet werden, parallel arbeitet Walter weiter an einem Drehbuch für die Ausstellung, welches anschließend im Beirat diskutiert und für das ausgewählte Fachbüros Umsetzungsvorschläge erarbeiten sollen. "Ich hoffe, das wir dies im kommenden Jahr realisieren können", ergänzte Walter. 

Bestätigt fühle er sich in seiner Arbeit zudem von einem Schreiben des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Dr. Felix Klein, der das Museum in einem Schreiben vom 12. Oktober 2018 als "hervorragende Chance" bezeichnete, die Bedeutung der Rennfahrer in der NS-Zeit aufzuarbeiten. Zumindest, wenn auch eine kritische Würdigung Rosemeyers und seines Verhältnisses zur NS-Zeit erfolge. "Und das wollen wir leisten, wir sind da auf einem guten Weg", erklärte Walter, der auch die unter anderem vom Forum vorgeschlagene grundlegende Aufarbeitung der NS-Zeit in Lingen durch einen externen Historiker unterstützt. 50.000 Euro sind für erste Vorarbeiten dieses Projektes im kommenden Haushalt der Stadt reserviert.

Ein Mitschnitt der Veranstaltung ist hat das LWH bereitgestellt.


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