Erklärung vom Forum Juden-Christen "Lingen braucht kein Museum für Bernd Rosemeyer"

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Heribert Lange erläuterte im LWH die ablehnende Haltung des Forums Juden-Christen im Altkreis Lingen zu dem in der Burgstraße geplanten Rosemeyer-Museum. Foto: LWH/Michael BrendelHeribert Lange erläuterte im LWH die ablehnende Haltung des Forums Juden-Christen im Altkreis Lingen zu dem in der Burgstraße geplanten Rosemeyer-Museum. Foto: LWH/Michael Brendel

Lingen. Das Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen lehnt das geplante Bernd-Rosemeyer-Museum weiter ab, wie deren Vorsitzender Heribert Lange jetzt in der Diskussion im Ludwig-Windthorst-Haus bekräftigte. Die Haltung des Forums präzisierte das Forum in einer anschließend veröffentlichten Erklärung.

So ist Bernd Rosemeyer nach Meinung des Forums "keine erinnerungswürdige Person", die vor allem jungen Menschen als Vorbild zur Bewahrung von Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenwürde nahe gelegt werden sollte.

Museum für Opfer

Die Stadt Lingen benötige vielmehr ein Museum zur Ehrung der Personen, die von den Nazis strafversetzt oder von ihren Ämtern enthoben wurden, die gedemütigt und gequält wurden und die sich nicht davon abbringen ließen, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzten, um Juden vor der Verfolgung der SS zu bewahren. In diesem Museum solle das Verhalten all derjenigen gewürdigt werden, "die Widerstand geleistet haben, die im Stillen geholfen, Gefährdung auf sich genommen haben und die zu ihren humanen Wertvorstellungen und christlichen Wurzeln auch gegen die herrschende Politik standen". 

Museum für stille Helfer

Lingen brauche hingegen laut der Erklärung des Forums "kein Museum für einen Rennfahrer, der es ohne politischen Zwang vorzog, sich einem Verbrechersystem anzudienen, um durch seine sportlichen Erfolge zu glänzen". Und der mindestens schon 1933 der damals gefürchteten SS beitrat, obwohl er auch im weniger berüchtigten Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK) als Rennfahrer Mitglied hätte sein können. "Und der sich als Vertreter und Aushängeschild des Nazi-Regimes hat instrumentalisieren lassen und allemal nach seinem Tod als Held verehrt wurde, und mit dessen Namen im Museumstitel die Gefahr einhergeht, Anziehungspunkt für Neonazis zu werden, die das von den Nazis gezeichnete Bild eines Heroen teilen", heißt es dort weiter.

Beispiel? Selma Hanauer

Besonders erinnerungswürdig sind für das Forum zum Beispiel Selma Hanauer – eine Sparkassenangestellte, die schon 1933 ihre berufliche Existenz verlor, weil sie jüdischen Glaubens war. Oder Altbürgermeister Robert Koop senior, der Nachts verbotener Weise Brot aus einer Backstube zu den Hanauers brachte und dafür von Mitgliedern der Hitlerjugend übel zugerichtet wurde – nicht nur einmal, wie der jüngst verstorbene Bernhard Neuhaus erzählte. Oder auch der Kaplan in der St.-Bonifatius-Kirche Heinrich Schniers, der von den Nationalsozialisten gedemütigt und gequält wurde und 1942 im Konzentrationslager Dachau starb.

"Das Forum Juden–Christen setzt sich für eine lebendige, vielfältige und besonders für Jugendliche prägende Erinnerungskultur ein und benötigt dafür auch viel Unterstützung aus der Stadt Lingen, aber kein Rosemeyer-Museum!", erklärte Lange abschließend.


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